Sechzehn Frauen

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Frankfurt am Main: S. Fischer, 2013, Seiten: 320, Übersetzt: Peter Kultzen
  • Rio de Janeiro: Editora Record, 2007, Titel: 'Entre as mulheres', Seiten: 270, Originalsprache

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Rita Dell'Agnese
Das ungewöhnliche Portrait einer ungewöhnlichen Stadt

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Aug 2013

Wie schreibt man eine Liebeserklärung an eine Stadt, die pulsierender kaum sein könnte? Der brasilianische Autor Rafael Cardoso zeigt mit seinem Buch Sechzehn Frauen, wie es geht. Er portraitiert Rio de Janeiro auf eine spezielle Art und Weise – greift dafür auf das Bild zurück, das viele Menschen mit dieser Stadt verbinden: auf die unterschiedlichsten Frauen. Cardoso nimmt die Leser mit auf eine Reise in die verschiedensten Gesellschaftsschichten. Es scheint fast willkürlich, wie er die Frauen auswählt, von denen er kurze Lebens-Sequenzen aufgreift. Erst wer alle Geschichten gelesen hat – faktisch handelt es sich bei den Portraits der jeweiligen Frauen um kurze Einzelgeschichten – wird verstehen, wie es zu dieser Zusammensetzung kommen konnte. Denn die Portraits fügen sich zu einem Gesamtbild, das die bunt zusammengewürfelte Gesellschaft Rios spiegelt. Zudem steht jede der portraitierten Frauen für einen ganz bestimmten Stadtteil Rios und damit für eine jeweils eigene Lebensphilosophie.

Sich unvorbereitet auf dieses Buch einzulassen, heißt zunächst, sich orientierungslos dem Geschriebenen hinzugeben. Cardoso erklärt nicht, baut nicht auf. Er stürzt den verblüfften Leser mitten ins Leben seiner ersten Protagonistin und konfrontiert ihn mit dem Frust einer Frau, die ihr Leben an sich vorüber ziehen sieht und sich dagegen auflehnt, indem sie sich für ein Kind entscheidet. Das Kind jedoch ist nicht von ihrem Ehemann, was ihr Geheimnis bleiben soll. Kaum hat man sich aber auf diese Geschichte eingelassen, ist sie zu Ende … so abrupt, wie sie begonnen hat. Cardoso überlässt es der Phantasie der Leser, sich eine Fortsetzung, ein Ende vorzustellen, wie er ihnen auch überlassen hat, sich im Kopf eine Vorgeschichte bereit zu legen. Noch während der Leser sich also etwas mühsam aus der einen Geschichte löst, wird er bereits mit der nächsten konfrontiert.

Rafael Cardoso nun vorzuwerfen, es sich mit diesen kurzen Lebens-Szenen der gewählten Frauen zu einfach zu machen, würde den Geschichte nicht gerecht. Obwohl ohne Einstieg und ohne Ende stellen die Geschichten ausgeklügelte Bilder dar, die für die Lebendigkeit der Stadt stehen. Die Frauen, alle auf irgendeine Weise mit einem geheimnisvollen Rafael verbandelt, haben etwas gemein: Sie haben einen Lebenshunger, der sie zwingt, aus ihren Grenzen auszubrechen. Genau an diesem Moment kann der Leser teilhaben. Er wird mitten in den Schauplatz hinein katapultiert und erlebt den Moment, in dem die betroffene Frau sich ihr kleines Stück Freiheit zurück erobert und ihr Leben neu definiert. Eine Freiheit, die auch trügerisch sein kann, immer aber zu neuen Erfahrungen und Erkenntnissen führt.

Der Autor spielt mit der Sprache, ohne seine Leser zu überfordern. Er formt wortreich Bilder, die vor dem geistigen Auge entstehen und genießt es, Stück für Stück das Paradies zu entblättern und die Seelen seiner Protagonistinnen zu offenbaren. Er verleiht ihnen jedoch schon alleine durch die Art, ihre Geschichte zu erzählen, einen besonderen Zauber, der sich nach und nach auch auf den Leser überträgt. Braucht es zu Beginn noch die Bereitschaft, sich auf die ungewöhnliche Erzählstruktur einzulassen, so weckt die ungewöhnliche Art des Autors mehr und mehr die Neugier und den Wunsch, mehr über die Frauen zu erfahren. Natürlich lässt auch der Umstand, dass jede von ihnen dem geheimnisvollen Rafael begegnet, Phantasie aufkommen.

Sechzehn Frauen ist kein Roman – es ist eine Liebeserklärung an Rio und es sind faszinierende Portraits. Dennoch fehlt dem Werk etwas. Es mag sein, dass der Leser zu stark in der Luft hängen bleibt, sich zu oft auf eine neue Frau, auf eine neue Situation einstellen muss. Das Buch bietet keine Plattform, um sich in die Geschichte hinein sinken zu lassen und fordert zu sehr dazu auf, sich selber mit jedem Schicksal neu zu definieren und in sich nachzuforschen, wie man denn mit dem eben Gelesenen zu Recht kommen kann. Hier wünschte man sich eine rundere, eine überzeugendere Ausgestaltung der Geschichte.

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