Komm, ich erzähl dir eine Geschichte

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • Frankfurt am Main: S. Fischer, 2005, Seiten: 288, Übersetzt: Stephanie von Harrach
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2009, Seiten: 288, Übersetzt: Stephanie von Harrach
  • Berlin: Argon, 2010, Seiten: 3, Übersetzt: Edgar M. Böhlke
  • Barcelona: RBA, 2002, Titel: 'Déjame que te cuente', Seiten: 253, Originalsprache

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Kathrin Plett
Geschichten, Fabeln, Märchen – die etwas andere Psychotherapie

Buch-Rezension von Kathrin Plett Jul 2013

Wie soll es nur weitergehen, wie soll er es schaffen, die Schwierigkeiten des Alltags zu meistern? Ist er dem Leben überhaupt gewachsen? Diese und weitere Ängste verfolgen Demian, als er zum ersten Mal in Jorges Sprechstunde geht. Obwohl er bereits die verschiedensten Therapien ausprobiert hat und sich monatelang auf der Couch eines Psychoanalytikers "herumgelangweilt" hat, wie er findet, vereinbart er auf Anraten einer Freundin einen Termin bei "dem Dicken", wie Jorge hauptsächlich genannt wird. Trotz ihrer Warnung, dass "der Dicke" "etwas speziell" sei, übertrifft sein erster Eindruck all seine Hoffnungen, denn was ihn bei Jorge erwartet ist so ganz anders als die konventionellen Therapien, die er bis zu diesem Zeitpunk hat über sich ergehen lassen.

Jorge ist Psychoanalytiker. Doch er versteht seinen Beruf etwas anders, als die meisten anderen Psychoanalytiker, denen Demian bisher begegnet ist. Anstatt den Patienten auf einer Couch erzählen zu lassen, was ihn quält, ist er es, der erzählt. Als Antwort auf Demians Sorgen und Ängste  findet er eine passende Geschichte, die dem jungen Mann hilft, seine Probleme besser zu verstehen. Scheinbar Kompliziertes wird auf diese Weise plötzlich einfach, kein zuvor noch so unlösbar wirkendes Thema behält seine Bedrohlichkeit, wenn "der Dicke" Demian eine von seinen Geschichten erzählt. Demian lernt, sich selbst mit seinen Fragen auseinanderzusetzen. Denn: Was "der Dicke"  ganz sicher nicht macht, ist es, ihm bereits fertige Lösungen zu liefern.

Jorge Bucay, der 1949 in Bueons Aires geboren wurde, ist auch im wirklichen Leben Psychiater und Gestalttherapeut. Nach seinem Studium der Medizin, welches er 1973 abschloss, arbeitete er in vielen verschiedenen Bereichen, war als Schauspieler, Clown, Straßenhändler, Psychiater, Psychotherapeut, Professor, Redner und mit großem Erfolg schließlich als Schriftsteller tätig. Seine Bücher wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt.

Komm, ich erzähl dir eine Geschichte ist eine bunte Mischung verschiedenster Märchen, Geschichten und Fabeln aus aller Welt. Ob Sufi-Gleichnisse, Zen-Weisheiten, antike Sagen aus Japan oder China oder auch von Bucay selbst Erfundenes, alle Erzählungen werden durch die Rahmenhandlung - den Besuch Demians bei dem Psychoanalytiker Jorge - miteinander verbunden und zu einem in sich schlüssigen Roman verwoben. Jedes Kapitel stellt eine neue Therapiestunde dar, in der Demian ein neues Problem zu Jorge führt und in der er eine neue Geschichte zu hören bekommt, die ihm helfen soll, die Dinge etwas klarer zu sehen.

Schwierigkeiten in der Beziehung zu seinen Eltern, dem Bruder, der Freundin oder Sorgen, ob der gewählte Studiengang noch der richtige ist, treiben ihn dazu, sich auf "den Dicken" einzulassen. Jede Therapiestunde, die wieder mit einer Geschichte endet, bringt Demian weiter, hilft ihm, sich seinen Ängsten zu stellen, sie zu relativieren oder aktiv nach Lösungen zu suchen, denn Jorges Meinung nach ist "der einzige Weg, etwas zu begreifen, ohne die Erfahrung am eigenen Leib machen zu müssen, der, ein konkretes symbolisches Abbild für das Ereignis zu haben". Außerdem findet er, dass man sich "eine Fabel, ein Märchen oder eine Anekdote hundertmal besser merken kann als tausend theoretische Erklärungen, psychoanalytische Interpretationen oder Lösungsvorschläge".

Jede einzelne Geschichte, die Jorge Demian erzählt, spricht dabei für sich und fügt sich dennoch passgenau in die Gesamthandlung ein. Der bunte Mix aus Erzählungen aus den unterschiedlichsten Zeiten und Kulturen bringt Abwechslung und macht den Roman besonders lebendig. Mit Witz und Humor geht "der Dicke" auf die Nöte seines Patienten ein, manchmal provozierend um ihn herauszufordern, manchmal ermutigend, aber auch an den richtigen Stellen tröstend. Als Psychotherapeut weiß er genau, wie er seinen Schützling anzupacken hat, um ihn Stück für Stück weiter voran zu bringen. Jorges Intention, dass Demian durch die Geschichten nicht jede einzelne Lebenserfahrung selber durchleben muss, sondern Abbilder bekommt, lässt sich ohne weiteres auch auch jede andere Person übertragen. Es ist kaum möglich, das Buch zu lesen, ohne sich selbst in den Geschichten wiederzuerkennen, seine Schlüsse aus den Fabeln zu ziehen und über die Geschehnisse nachzudenken. Über die Geschehnisse, und am Ende auch über sich selbst.

Jorge Bucay ist mit seinem Roman Komm, ich erzähl dir eine Geschichte ein unterhaltsames und vor allem nachdenklich stimmendes Buch gelungen. Die vielen einzelnen Geschichten können zum reflektieren über das eigene Leben einladen, zum hinterfragen eigener Überzeugungen und Auffassungen, sind aber auch - ohne den tieferen Sinn sehen zu wollen - unterhaltsam und bieten eine bunte Mischung aus Erzählungen verschiedenster Kulturen. Alles in allem ein empfehlenswerter und gelungener Roman.

Komm, ich erzähl dir eine Geschichte

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Letzte Kommentare:
17.07.2017 15:02:49
Dr. med. Karl Bentele

Eine alte, vermutlich orientalische Tradition, die bereits in der Bibel mit den Gleichnissen überliefert ist. Erinnern möchte ich auch an den leider schon verstorbenen fast Zeitgenossen von Bucay, den persisch stämmigen Psychotherapeuten > Peseschkian.
Wer ein entsprechendes Erzähltalent besitzt, kann damit bestimmten Sensibelchen helfen.
Das Problem bleibt, dass ein Patient den
zu ihm passenden Therapeuten finden muss. Eine Psychotherapie für alle und jeden gibt es (noch) nicht.