Das Leben ist groß

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Aufbau, 2013, Seiten: 448, Übersetzt: Gesine Schröder
  • New York: Dial Press, 2012, Titel: 'A Partial History of Lost Causes', Originalsprache

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Rita Dell'Agnese
Wie weiterleben, wenn die Niederlage unausweichlich ist?

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jul 2013

Sie sind beides potenzielle Verlierer: Der Schachspieler Alexander Besetow und die junge Dozentin Irina. Besetow erreicht mit gerade einmal 22 Jahren den Höhepunkt, wird Schachweltmeister. Es war ein steiniger Weg für den Jungen aus einfachen Verhältnissen. An der Schachakademie in Leningrad ist er seinem Lehrer längst überlegen – und erlebt zum ersten Mal die zerstörende Kraft von Neid. Auf der Suche nach sich selber gerät der unerfahrene Besetow in den Dunstkreis von Dissidenten. Nach und nach wird dem jungen Schachspieler bewusst, dass eine politische Tätigkeit ihn in den Abgrund stürzen kann. Das Beispiel eines jungen Mannes, der für einige Zeit in einer psychiatrischen Anstalt verschwand, macht es ihm deutlich. Erst mit dem Erfolg, der ihm auch den Zugang zu einem Leben im Luxus gewährt, geraten Besetows Überzeugungen ins Wanken. Er entscheidet sich gegen seine Ideale und damit gegen sich selber. Erst wesentlich später ist Alexander Besetow bereit, für seine politische Überzeugung alles zu opfern: Er kandidiert gegen Putin – mit dem Wissen, dass er diesen Kampf niemals gewinnen kann.

Auch Irina Ellison ist 22, als ihr Leben eine entscheidende Wende erlebt. Sie erfährt, dass sie an der selben Krankheit leidet, an der ihr Vater langsam zugrunde ging. Sein Sterben – und vor allem auch den vorangehenden Zerfall der geistigen Kräfte – hat der jungen Frau zugesetzt. Sie weiß, dass sie selber nicht den gleichen Weg gehen möchte wie ihr Vater. Quasi auf der Flucht vor sich selber will sie die letzte Frage ihres Vaters beantwortet haben: Er bat einst den Schachspieler Alexander Besetow um Antwort auf die Frage: "Wie weiterleben, wenn die Niederlage unausweichlich ist?" Irina reist nach Russland, um Besetow, der ihrem Vater nie antwortete, die Frage erneut zu stellen. Doch so einfach ist es für sie nicht, den Schachspieler zu finden.

Zug um Zug

Jennifer Dubois hat ihr Roman-Debüt sehr geschickt aufgebaut. Wie in einem Schachspiel geht sie Zug und Zug vor, opfert da eine Figur, um dort eine andere zu schlagen. Sie macht dies sehr subtil, oft kaum durchschaubar. Die Leser werden unvermittelt in das Spiel eingeschlossen. Sie erleben die Geschichte aus zwei Perspektiven. Zum einen ist es die Ich-Erzählerin Irina, die dem Leser sehr nahe kommt und ihre jeweiligen Züge auch verhältnismäßig offen und direkt kommuniziert. Zum anderen ist es die Erzählung in dritter Person, die vor allem das Leben von Alexander Besetow beleuchtet. Die beiden Ebenen stehen einander gegenüber, wenn sie auch zunächst nicht erkennen lassen, auf welche Weise sie später miteinander verflochten sein werden. Die eigentlichen Spieler sind Irina und Alexander, die ihre jeweiligen Interessen vorbehaltlos verfolgen und einen höchst intelligenten Tanz aufzuführen scheinen. Immer wieder nähern und entfernen sich die Protagonisten – um schließlich doch aufeinander zu treffen und zu erkennen, dass sie aus dieser Begegnung wichtige Erkenntnisse für das eigene Leben gewinnen können.

Poetische Sprache

Zunächst scheint der Plot etwas aufgesetzt – vor allem was Irinas Part betrifft. Je mehr sich aber der Leser mit der Figur der todkranken Frau auseinandersetzt, desto stärker berührt ihn ihr verzweifeltes Bemühen um Antwort. Erzählt wird alles in einer ausgesprochen poetischen Sprache und einer überzeugenden Reife. Jennifer Dubois´ Debüt ist ein vielschichtiger und bewegender Roman, der jedoch ein großes Verständnis der Leser für die Handlungsweise der Protagonisten voraussetzt. Die Themenkreise sind äußerst komplex und vor allem im zweiten Teil des Romans gibt es einige eher zähflüssige Sequenzen. Sie sind wohl Folge des Bestrebens einer jungen Autorin, alles schlüssig zu erklären. Dabei dürfte Dubois den Lesern durchaus vertrauen. Sie pflegte eine gute Führung durch die Geschichte und käme auch mit einer etwas weniger belasteten Version gut zum Ziel. Kann Jennifer Dubois ihre überzeugende Leistung in einem weiteren Roman bestätigen, dürfte diese Autorin bald eine überzeugte Fangemeinde hinter sich scharen. Man darf gespannt sein.

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