Nachtauge

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • München: Karl Blessing, 2013, Seiten: 480, Originalsprache

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Kathrin Plett
Jäger und Gejagte

Buch-Rezension von Kathrin Plett Mai 2013

England und Deutschland im Frühjahr 1943. Beide Nationen befinden sich im Krieg gegeneinander und versuchen den Gegner durch Taktik und Technik zu besiegen. Auf der einen Seite leitet Georg Hartmann ein Lager für russische und ukrainische Zwangsarbeiter an der erst wenige Jahre zuvor errichteten Möhnetalsperre. Doch er steht nicht hinter dem Nazi-Regime. Heimlich und immer mit der Gefahr entdeckt zu werden, rebelliert er im Geheimen gegen das Nazi-Regime. Als er sich dann auch noch in einen seiner Schützlinge, die ukrainische Zwangsarbeiterin Nadjeschka verliebt, ist er dem Tode gefährlich nahe...

Auf der anderen Seite versucht Eric Knowleden in London seine Familie vor den Angriffen der deutschen Flieger zu retten. Als Mitglied der englischen Spionageabwehr und des englischen Geheimdienstes kommt er dabei Nachtauge auf die Spur, einer deutschen Spionin, der es durch ihr attraktives Aussehen und ihre ausgeklügelte Technik immer wieder gelingt, den deutschen geheime Kriegsinformationen der Engländer weiterzugeben. Skrupellos und ohne Rücksicht auf Menschenleben trickst sie ihre Gegner aus, bis ihr Knowleden immer weiter auf die Spur kommt...

Titus Müller hat mit Nachtauge einen brillant recherchierten und bis ins kleinste Detail durchdachten Roman geliefert. Der 1977 in Leipzig geborene Autor studierte in Berlin Geschichtswissenschaft, Literatur und Publizistik, was sich in der Qualität seines Werkes deutlich erkennen lässt. Sein großes Interesse an Literatur und Geschichte spiegelt sich auch darin wieder, dass er bereits mit 20 Jahren die Literaturzeitschrift "Federwelt" gründete. Nur vier Jahre später war er Mitbegründer des Autorenkreises Historischer Roman "Quo Vadis". Im selben Jahr veröffentlichte er seinen ersten Roman Kalligraph des Bischofs, auf den weitere historische Romane wie Die Brillenmacherin oder Tanz unter Sternen folgten. Für seine Werke wurde er sowohl mit dem C.S. Lewis-Preis und dem Sir-Walter-Scott-Preis ausgezeichnet.

Spannend von der ersten bis zur letzten Seite ist Müllers neuestes Werk. Auf realen Tatsachen beruhend und auf Grundlage historischer Zeugnisse beschreibt er authentisch und packend entscheidende Momente des Zweiten Weltkrieges. Was 70 Jahre später kaum noch nachvollziehbar erscheint, wie sich eine derartige Diktatur wie die Hitlers überhaupt entwickeln und von der Bevölkerung getragen wurde, wird hier verständlich und nachfühlbar beschrieben: Eine Mischung aus Todesangst und Misstrauen, aber auch Stolz und Zusammengehörigkeitsgefühl, gekoppelt mit geschickt geschürtem Hass gegen die "arglistigen" Gegner, die es zu besiegen galt, machten die Geschehnisse der Geschichte möglich.

Dadurch, dass der Autor immer wieder die Perspektive wechselt, gelingt es ihm, dem Leser die verschiedenen Positionen der beteiligten näher zu bringen. Dabei scheut er auch nicht davor zurück, die Sicht der Kriegsbefürworter und Unterstützer einzunehmen, die aktiv an Morden beteiligt waren, wenngleich auch der Schwerpunkt seiner Erzählung auf der Jagd nach Nachtauge, der deutschen Spionin in England und der verbotenen Liebesgeschichte zwischen dem Lagerleiter Georg Hartung und der Zwangsarbeiterin Nadjeschka liegt.

Für alle beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit: Hartungs Liebe zur Nadjeschka wird durch seinen Schwager entlarvt, beide müssen fliehen. Knowleden muss Nachtauge fangen, da die Engländer einen großen Angriff gegen die Deutschen planen, der den Krieg entscheiden soll. Wird sie ihn aufdecken und ihren Verbündeten mitteilen, droht nicht nur den beteiligten Fliegern der Tod, sondern auch das Ende des Krieges rückt weiter nach hinten. Der Plan: Die Bombardierung der Möhnetalsperrenmauer. Sie soll dazu führen, die Rüstungsindustrie in Deutschland entscheidend zu schwächen und darüber hinaus durch Versorgungsnotstand im Strom- und Wasserbereich zu Unruhen in der Bevölkerung führen.

Sprachlich gut verständlich und trotz vieler Schauplätze und Figuren durchgehend übersichtlich und klar strukturiert, liest sich Nachtauge flüssig und nachvollziehbar. Durch die verschiedenen Stränge, die stetig wechseln, bekommt das Buch eine besondere Spannung, die durch die wechselnden Perspektiven und Schnitte entsteht.

Alles in allem ist Titus Müller mit Nachtauge ein Roman mit Tiefgang gelungen. Eine Mischung aus Liebesgeschichte und packendem Spionageroman, der darüber hinaus auch historisch genau recherchiert wurde. Ein lesenswerter Roman, der einen so schnell nicht mehr loslässt und den man erst zur Seite legen möchte, wenn die letzte Seite gelesen wurde

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