Abschied für Anfänger

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • New York: Alfred A. Knopf, 2012, Titel: 'The Beginner's Goodbye', Originalsprache

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Rita Dell'Agnese
Wenn Abschied nehmen so einfach wäre.

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mai 2013

Anne Tyler entführt ihre Leser in eine skurrile Welt. Es ist die Welt von Aaron, Lektor im familieneigenen Verlag, der eine ganze Reihe von Anfänger-Büchern für alle möglichen Lebenslagen herausgibt. Der junge Mann wird eines Abends jäh aus seiner Zufriedenheit katapultiert. Eine mächtige Eiche stürzt auf das Haus, in dem Aaron mit seiner Frau Dorothy lebt. Während er unverletzt aus dem Trümmerfeld kriecht, schafft es Dorothy nicht. Die burschikose Ärztin stirbt und lässt Aaron als fassungslos trauernder Witwer zurück. Aaron zieht sich in seinen Schmerz zurück und grenzt die Welt aus – bis Dorothy unvermittelt wieder auftaucht. Nach einer ersten Irritation arrangiert sich Aaron mit der neuen Situation. Er geht davon aus, dass nicht nur er Dorothy wahrnimmt, sondern auch seine Umgebung. Doch die scheint das Auftauchen der Verstorbenen zu ignorieren. Nonchalant geht Aaron darüber hinweg und richtet sein Leben nach den neuen Gegebenheiten. Bis er merkt, dass nichts mehr so ist, wie es vor dem unseligen Abend gewesen ist. Seine Beziehung zu Dorothy hat sich verändert und je länger er sich mit der Situation auseinandersetzt, desto deutlicher wird ihm klar, dass er lernen muss, Abschied zu nehmen von seiner Frau und sich dem Leben erneut zu stellen.

An sich geht es bei Abschied für Anfänger um ein trauriges Thema: Wie kommt ein Mensch zurück, dem in einem schrecklichen Moment das genommen wird, was seinen Lebensinhalt ausgemacht hat. Autorin Anne Tyler würde jedoch ihrem Ruf nicht gerecht, wenn sie einfach einen melancholischen Roman vorlegen würde, der von Verlust und Trübsinn geprägt wäre. Schon die Komponenten, die sie als Grundlage für ihren Roman gewählt hat, sprechen für sich. Aaron ist alles andere als ein typischer Romanheld. Seit seiner Kindheit mit Lähmungen an einem Arm und einem Bein geschlagen und in schwierigen Situationen stotternd, rührt Aaron das Herz all jener Menschen, die sich in erster Linie als hilfsbereit zeigen möchten. Hier beweist Anne Tyler eine ausgezeichnete Beobachtungsgabe. Sie lässt Aaron als Ich-Erzähler auftreten und darüber sinnieren, wie entmündigend er das stetige Betüteln empfindet. Eine Sichtweise, die auf diese Weise gut nachvollziehbar ist und den Leser daran erinnert, sein Gegenüber nicht zu entmündigen, selbst wenn dieses mit einigen Beeinträchtigungen zu kämpfen hat. Verstärkt wird dies durch Aarons Geschichte, die er dem Leser nach und nach offenbart. Die Faszination, die er für die um einige Jahre ältere Ärztin Dorothy empfindet, gerade weil sie ihn nicht auf seine Behinderung reduziert, sondern diese lediglich kurz zur Kenntnis nimmt und dann darüber hinweg geht, als wäre es eine Sache, die nicht der Rede wert ist.

Es ist Anne Tyler hoch anzurechnen, dass sie das Thema Abschied mit trockenem Humor zu kombinieren versteht, ohne dabei Grenzen zu überschreiten oder pietätlos zu wirken. Die Art, in der sie Aarons Schmerz beschreibt, ist trotz der überzogenen Szenerie berührend und auf eine gute Weise feinfühlig. Der voyeuristische Aspekt, wie er in Büchern über Verlust und Schmerz oft auftritt, bleibt außen vor, Aaron wird zu einer Person, die mit ihrem Dasein hadert und an einem emotionalen Tiefpunkt angelangt scheint. In seinem Bemühen, die harte Realität auszublenden und sich in einer Scheinwelt zu verstecken, kommt Aaron dem Leser sehr nahe. Der Schmerz und die Verunsicherung werden spürbar und erlebbar, das Verhalten Aarons ist nachvollziehbar, selbst wenn der Leser sich darin nicht unbedingt wiederfindet. Auch das Auftauchen der verstorbenen Ehefrau ist so gut in die Geschichte eingepasst, dass nie der Eindruck entsteht, hier eine etwas überzogene Gespenstergeschichte serviert zu bekommen.

Abschied für Anfänger ist ein liebenswürdiges Buch, das Hoffnung gibt. Gleichzeitig ist es Roman, der in einer kurzen, knappen Sprache daran erinnert, jeden in seiner Eigenart zu akzeptieren und in seinen Bedürfnissen ernst zu nehmen. Anne Tyler schenkt ihrem Publikum eine brauchbare Anleitung, wie Anfänger mit Abschied umgehen können – aber auch, wie die Gesellschaft mit jenen umgehen kann, die gezwungen wurden, Abschied zu nehmen. Ein bestechend schöner und liebenswerter Roman über ein trauriges Thema. 

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