Im Griff

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Berlin Verlag, 2013, Seiten: 240, Übersetzt: Christiane Kuby

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Sebastian Riemann
Erinnern und erinnert werden.

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Mai 2013

Paul, Martin, Vincent und Lotte verbrachten einen gemeinsamen Urlaub in den Lofoten, sie teilten die Leidenschaft für das Klettern und hatten noch ihr gesamtes Leben vor sich. Zwanzig Jahre später leben Martin und Lotte mit ihrer gemeinsamen Tochter in Wales und laden Paul und Vincent zu einem Besuch ein. Die beiden jungen Männer fahren mit dem Zug, sinnieren über die Vergangenheit, lesen Zeitung, schauen aus dem Fenster. Auch Martin lässt die vergangene Zeit Revue passieren, während das Wiedersehen immer näher rückt. Aufregung ist anders.

Stephan Enter gelang mit seinem neuesten Roman der Durchbruch in seinem Heimatland, den Niederlanden, und wurde zu einem der bekanntesten zeitgenössischen Schriftsteller des Landes. Es ist das zweite Buch, welches ins Deutsche übersetzt wurde – nach Spiel – und nun auch hierzulande den Erfolg suchen wird.

Enter versteht sein Handwerk, er beschreibt gekonnt die Details verschiedener Situationen, Landschaften, Eindrücke, Gedanken und Gesichter. Allerdings ist er nicht in der Lage eine interessante Handlung zu konstruieren, das Beschriebene bleibt belanglos, wird nicht wieder aufgegriffen und ist arm an Bedeutung. Vieles in diesem Buch ist fad und lässt das Interesse des Lesers ermüden, denn wenn man zu Beginn noch die Hoffnung hegt, dass die kleinen, alltäglichen Begebenheiten später eine Wirkung entfalten werden, so erkennt man im Verlaufe des Romans, dass diese Hoffnung beständig enttäuscht wird, ja ein Großteil des Buches wie Lückenfüller oder Schreibübung wirkt. Ein Unfall, der scheinbar kein Unfall war, lässt die Augen des Lesenden aufblitzen, aber der Autor verfolgt die Spur nicht weiter, alles bleibt nur eine Andeutung von Spannung und Geheimnis.

Selten kommt Spannung auf, meistens hat man das Gefühl in die Gedankenwelt von Langweilern einzutauchen. Die Charaktere sind unspektakulär und oberflächlich, selten tun sie etwas, was Aufmerksamkeit verdienen würde. Aber in ihren Erinnerungen lassen sie den damaligen Urlaub zu einem interessanten Ereignis werden und besonders die Freunde als mitunter bewunderungswürdige Persönlichkeiten erscheinen. Sie beschreiben die Anderen als besondere Charaktere, die ihre Umwelt stark beeinflussten und oft über den Dingen standen. Mit den wechselnden Erzählperspektiven wird der Leser gewahr, wie weit Selbst- und Fremdbild auseinander liegen, denn Souveränität und Charakterfestigkeit fehlen allen drei Männern – Lottes Perspektive und somit auch mögliche Gewissheit bleiben dem Leser verwehrt. Solide Persönlichkeiten scheinen nur in der Vorstellung Anderer existieren zu können, so will es der Autor scheinbar aus seinem Buch herausschreien. Denn das eigene Leben ist immer zu kompliziert, kann nicht einfachen Kriterien entsprechen und konsequent in der rechten Bahn verlaufen. So sieht sich jeder Einzelne der drei Männer als gescheitert, zumindest im Vergleich mit den Anderen.

Das Individuum ist jedoch nicht nur den Differenzen zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung ausgesetzt, sondern auch noch den zeitlichen Veränderungen: beständig wird man ein Anderer, stirbt immerzu, wie es der Autor beschreibt. Der Einzelne ist im Wandel begriffen, wird immer wieder ein Anderer und hat immer weniger mit seinen Vorgängern gemeinsam – ein alltäglicher Tod der Persönlichkeit. Wer wir sind und wer wir waren ist kaum zu beantworten, da unser Blick verklärt ist, umso mehr, da die Verklärung sich permanent ändert – Erinnerungen wandeln sich ebenso wie die Erinnernden. Enter demonstriert dies anschaulich durch das Aufzeigen verschiedener Bilder, die den ehemaligen Freunden im Gedächtnis geblieben sind, und die sich durch spätere Ereignisse verändern. Der damalige Urlaub in den Lofoten hinterließ unterschiedliche Spuren bei jedem Einzelnen und erst durch das gegenseitige Ergänzen erhält der Leser ein verständliches Bild.

Obwohl sich der Autor vielversprechender Themen annimmt bleibt der Unterhaltungswert gering, zu eklatant ist der Mangel an Handlung, zu dröge das Geschehen und die Charaktere. Aus den unterschiedlichen Sichtweisen der Figuren resultiert nahezu Nichts, sie sind ein wenig enttäuscht und verunsichert, aber eine sich entfaltende Dramatik ist nicht vorhanden, da sie sich stets rechtzeitig in Nichtigkeit auflöst. Ein gut geschriebenes Buch mit zu wenig Spannung und deshalb kaum zu empfehlen.

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Letzte Kommentare:
21.04.2015 14:21:22
Schwiersch, Ludmilla

Wer hat hier was im Griff ? Die Figuren beobachten und belauern sich gegenseitig. In den Lofoten bewegen sich jeder für sich getrennt. Als Lotte in den Felsspalt rutscht, wo bleibt da der Tausendsassa Vincent? Paul rettet sie. Und warum diese Geheimnistuerei darum ? Später wird dieses Ereignis nicht wieder aufgegriffen.
Und als sie endlich in Wales ankommen, muss natürlich auf dem Weg zu Martins und Lottes Haus Vincent erst einmal im Meer baden, wobei sein Koffer von der Flut zunächst ergriffen und später wieder aufgefunden wird. Danach klettert er in den Felsen herum - zu welchem Zweck -? Dann beschwert er sich auch noch, dass Martin sie nicht sofort vom Bahnhof zu seinem Haus gebracht hat.
Ich kann von Freundschaft zwischen diesen Per-
sonen nichts erkennen.
Selten habe ich mich beim Lesen so gequält.

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Im Frühjahr ist mit „Emma.“ eine neue Adaption eines der Spätwerke der bedeutenden englischen Schriftstellerin Jane Austen in Deutschland angelaufen. Setting der Handlung ist - wie stets bei Austen - das ländliche England mit den Vertretern der „Gentry“, der Schicht des Landadels. Titel-Motiv: © Box Hill Films / Focus Features

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