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Sebastian Riemann
Alltagshumor und magischer Realismus in Brandenburg

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Mai 2013

Wild wuchern und wachsen sie durcheinander die Blumen, Sträucher, Gräser, Rettiche, die Geschichten und Gedanken von Wladimir Kaminer, und auch das Unkraut. Im neusten Buch des russischen Berliners dreht sich alles um Gärten, sowohl den eigenen in der brandenburgischen Provinz, als auch um herrschaftliche Grünanlagen in der weiten Welt. Dabei erzählt Kaminer viele Geschichtchen, schweift hier und da ein wenig ab, lässt sich vom Träumen verleiten und bleibt trotzdem immer nah am Alltag, sowohl sprachlich als auch inhaltlich. Der Autor ist ein erfolgreicher Entertainer und Diesseits von Eden ein Stück unbeschwerter Unterhaltung, welches leicht und humorvoll daherkommt. Gemeine Begebenheiten wie das Wetter und der Verkehr finden darin Platz, ebenso wie die Gedanken zur aktuellen Politik von Russlands Präsident Putin. 256 Seiten Kurzweil.

Der Stein kommt ins Rollen, da die Kaminers aus ihrem Garten in Berlin vertrieben werden, von kleingeistigen Spießbürgern, die kein Verständnis für alternative Gartenführung haben und Gleichförmigkeit verlangen. Zuflucht findet die Familie im Hinterland, in der brandenburgischen Pampa, in einem Dorf namens Glücklitz. Da der Ort nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist und in der Familie niemand eine Fahrerlaubnis besitzt, muss diese zuerst ergattert werden, ansonsten gäbe es kein Glück im Garten, kein irdisches, grünes, selbst gestaltetes Paradies auf Erden. Und so folgt der Leser dem Autor, erlebt dieses und jenes in der Fahrschule. Dabei geht es recht alltäglich zu – es ist immerhin eine Fahrschule – und man kann wiederfinden, was man wohl selbst einmal erlebt hat in ähnlichen Situationen, Kaminer gibt dazu die nötige Brise Witz und die Lacher sind gewiss.

Nachdem Familie Kaminer sich in die Lage gebracht hat mit einem eigenen Automobil nach Glücklitz zu fahren, gilt es sich nun vor Ort mit der Lokalbevölkerung anzufreunden, um fortan harmonische Stunden im Einklang mit der Natur und den Nachbarn verleben zu können.

Während der Autor eine Geschichte an die nächste reiht, streut er immer wieder kurze Vergleiche mit seiner russischen Heimat ein, hier und da erinnert ihn etwas an seine Zeit in Moskau und sogleich erfährt der Leser etwas über jene Vergangenheit, da es den erfolgreichen Autor noch nicht gab. Leider bleiben diese Einschübe fragmentarisch, bloße Gedankenblitze, die nicht weiter verfolgt werden, sondern wirklich nur dem Verständnis eines momentanen Vergleiches dienen. Manchmal wünscht man sich mehr zu erfahren über diese Vergangenheit, auch weil die Ereignisse in Brandenburg mitunter wenig unterhaltsam sind, da sie allzu alltäglich und gewöhnlich daherkommen. Da helfen auch nicht die magisch-realen Elemente, die der Erzählung mehr Unterhaltungswert geben sollen, denn auch sie sind so unbekümmert in den Fluss des Buches geworfen, dass sie schnell vergessen sind, nicht über den Moment hinausreichen.

Kaminer versteht es einfach und unaufgeregt zu erzählen, die Lektüre ist unterhaltsam, aber wenig gehaltvoll, man kann des Öfteren schmunzeln über die Beobachtungen und Kommentare des Autors, aber zum Nachdenken wird man nicht aufgefordert, da jedes Thema, seien es nun Barsche oder Angela Merkel, nur so lange behandelt wird, wie es für eine Anekdote gut ist. Seine Kunst übertreibt Kaminer, wenn er seine Beobachtungen der Ereignisse in diesem magischen Dorf in Brandenburg mit ernsthaften Themen zu verbinden sucht, dann verschwimmen die Unterschiede und Effekthascherei bemächtigt sich des Textes:

 

"Selbst bei dieser oberflächlichen Betrachtung wird einem schnell klar, dass das Leben der Barsche viel komplizierter als das der Menschen ist. So viel Intelligenz, Eiertanz und Anpassungsvermögen, so viel Offenheit der sich ständig ändernden Welt gegenüber würden Menschen nie aufbringen. Deswegen ist bei uns das sogenannte "Multikulti" gescheitert, wie die Bundeskanzlerin es nannte, und im Aquarium nicht."

 

Freilich ist solch ein Text letztendlich nur mit Humor zu lesen, sollte der Leser die Absicht haben aus der Lektüre etwas Erbauliches zu ziehen. Das Buch ist Unterhaltung, Entertainment in einer Form, die man nicht gut oder schlecht, sondern nur witzig oder langweilig finden kann. Kaminer ist ein vielbeschäftigter Mann, er ist nicht nur Schriftsteller, sondern arbeitet fürs Fernsehen, legt Platten auf bei seiner allseits bekannten Russendisko und hält Vorträge bei verschiedenen Anlässen, er ist gut und erfolgreich als Entertainer und als solchen sollte man ihn verstehen. Bei der Lektüre des Buches erfährt man viel über die unterschiedlichen Tätigkeiten Kaminers, gern erzählt er von seiner Arbeit, auch vom Erfolg, und so bekommt der Leser ein Gespür für den russischen Berliner in seinem Provinzgarten, für seine Gedanken und seinen Humor. Diesseits von Eden ist keine groß angelegte Literatur, aber durchaus passable Unterhaltung, bei der man öfter lachen muss als bei manchem hauptberuflichen Komiker.

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Letzte Kommentare:
12.05.2015 13:19:53
Wuchtbrumme

"Nichts unternehmen die Deutschen, ohne zuerst die Fluchtwege zu bestimmen, wobei sie den ausländischen Flüchtlingen gleichzeitig gerne ihre Fluchtwege abschneiden und sie abschieben."
Wladimir Kaminers Blick auf "die Deutschen" ist über die Jahre nicht liebevoller geworden.
Dazu kommt, dass sein Schreibstil einiges von seinem früheren Charme eingebüßt hat.
Waren seine Spitzen früher noch witzig verpackt, kommen sie heute als schallende Ohrfeigen daher.
Er mag Recht haben, was "die Deutschen" angeht.
Aber was mich angeht, vermag er es nicht mehr so zu schreiben, dass ich es noch lesen mag.