Die Martini-Affären

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • München: Pendo, 2013, Titel: 'Die Martini-Affären', Seiten: 448, Übersetzt: Stefanie Retterbush

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Rosie Sabel
Mad Men zum Lesen

Buch-Rezension von Rosie Sabel Mär 2013

Bea, Desirée und Stella arbeiten in Sydney in einer renommierten Werbeagentur. Es sind die Sechziger Jahre, eine Zeit, in der das Medium Fernsehen noch neu war und Werbespots Innovationen und spannende Unterhaltung zugleich boten. Die drei Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein. Bea ist eine erfolgreiche Werbetexterin, der stets der passende Slogan einfällt. Privat jedoch ist sie einsam, nachdem ihr Ehemann sie verließ und sie als 32-Jährige schon fast als alt gilt. Desi Whittleford entstammt altem australischen Geldadel und ist mit einem Staranwalt verlobt, den sie nicht liebt. Sie liebt ihren Job als Produzentin von Werbefilmen, obwohl es sich in ihren Kreisen als Frau nicht schickt zu arbeiten. Die Dritte im Bunde ist Stella Bolt, die armen Verhältnissen entstammt und um jeden Preis nach oben will.

Mit leichter Hand lässt die 1932 in Sydney geborene Marion von Adlerstein in ihrem Romandebüt ein spannendes Jahrzehnt wiederaufleben, in dem sich vieles im Umbruch befindet und allerorten Pioniergeist herrscht. Die Autorin weiß, wovon sie erzählt, hat sie doch selbst viele Jahre in London und in Australien in international erfolgreichen Werbeagenturen gearbeitet, bevor sie bei der Vogue als Modejournalistin begann. Dank dieser Modekompetenz und ihrer eigenen Erlebnisse in der Werbebranche gelingt es von Adlerstein, die Atmosphäre dieser Ära wiederauferstehen zu lassen. Man sieht sie förmlich vor sich, die schicken Büros voller schwarz gekleideter Männer und Frauen mit Wespentaille und Bienenkorbfrisur. Die Beatles gelten als "sensationelle neue Popband" und in Las Vegas tritt das Rat Pack auf. Unmengen von Zigaretten werden geraucht, der Alkoholkonsum während der stundenlangen mittäglichen Arbeitsessen ist enorm und Werbung für Dessous, pardon, Damenunterbekleidung, ist noch ein bisschen pfui.

Neben Desi, die sich eine publicityträchtige Affäre mit einem Kollegen gönnt, um ihrer unglücklichen Verlobung zu entfliehen, ist Stella die schillerndste Figur des Damentrios. Eigentlich Sekretärin, will sie unbedingt zu den Reichen und Schönen dazugehören und wie ihre erfolgreichen Werbekollegen im Edelrestaurant Beppi’s lunchen. Zufällig gelingt es ihr, einen dringend benötigten Text zu verfassen, während ihre Kollegen sich auf einer Party befinden, zu der sie nicht eingeladen war, und sie erhält die Chance, als Werbetexterin zu arbeiten. Sie stellt sehr schnell fest, dass sie die dazu benötigte Kreativität nicht besitzt, was sie wettzumachen versucht mit Einschmeicheln bei ihren Chefs, geistigem Diebstahl und Intrigen. Darüber hinaus investiert sie ihr gesamtes Gehalt in Kleidung und ihre Energie in die Eroberung eines viel zu alten Kollegen, was ihr in Summe berufliches Weiterkommen sichern soll und auch eine Weile zu gelingen scheint:

"Ihr Leben stand Kopf. Sie hatte einen glamourösen Job, ein elegantes neues Auftreten, ein verbessertes Image, eine interessante Adresse, mondäne Freunde, und nun wurde sie auch noch von einem unkonventionellen französischen Künstler in seinem Atelier verführt."

Leider ist das soeben erschienene Buch "Die Martini-Affären" ein Spiegelbild der Branche, in der es spielt, ist doch in der Werbung die Verpackung oftmals wichtiger als der Inhalt. Marion von Adlerstein hat größten Wert auf die perfekte Ausstattung ihres Romans gelegt, es wimmelt nur so von Jane Depster-Peeptoe- und Shocking de Schiaparelli-Trägerinnen, Lucky Strike-Rauchern und selbstverständlich den Titel gebenden Martini-Trinkern. Etwas mehr Inhalt und Tiefe hätten der Story allerdings durchaus gut getan. Die Geschichte plätschert von Beginn an auf 437 Seiten ziemlich oberflächlich vor sich hin und auch die drei Frauenfiguren entwickeln sich kaum weiter. Bea und Desi sind zwar erfolgreich in ihren Berufen und brechen so aus ihrer zugedachten traditionellen Hausfrauen- und Mutter-Rolle aus, doch ernstzunehmend emanzipiert oder unkonventionell sind sie noch nicht einmal ansatzweise. Bea trauert ihrem Exmann hinterher und die verwöhnte Desi gönnt sich zwar einen verarmten Lover, dank ihres Familienerbes jedoch kein allzu hartes Los. Selbst Stellas auf dem Buchrücken lauthals angepriesene "Königsdisziplinen Intrige, Anbiederung und Ideenklau" entpuppen sich nicht wirklich als raffiniert oder richtig bösartig, das hat man alles schon mal wesentlich spannender und mit interessanteren Charakteren gelesen. Fazit: "Die Martini-Affären" ist ein netter und unterhaltsamer Retro-Roman, mehr aber auch nicht.

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