Er ist wieder da

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • : Eichborn, 2013, Titel: 'Er ist wieder da', Seiten: 400

Couch-Wertung:

82

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Birgit Borloni
Ein bissiges, sartirisches und teilweise verstörendes Lesevergnügen

Buch-Rezension von Birgit Borloni Mär 2013

Mit seinem Roman "Wer ist wieder da" beweist Timur Vermes Mut. Denn es gehört definitiv Mut dazu, einen Hitler zu erschaffen, der so überzeugend und glaubhaft wirkt in dem, was er sagt, und dem man sich trotzdem nicht ganz entziehen kann, über den man lacht und MIT dem man sogar lacht. 

Berlin, Sommer 2011: Adolf Hitler erwacht auf einem verlassenen Grundstück und ist zutiefst irritiert, denn er versteht erstens nicht, wie er dorthin gekommen ist, noch, was er hier soll. Schnell findet er heraus, dass er mal eben 66 Jahre später erwacht ist als er eingeschlafen ist, dass die Welt sich komplett verändert hat und dass sein Traum vom "Endsieg" sich nicht verwirklicht hat.

Mit Hilfe eines freundlichen Kioskbesitzers übersteht er die ersten paar Tage und findet schließlich sogar einen "Job": Eine Produktionsfirma nimmt ihn sozusagen als "Comedian" unter Vertrag und sorgt so für sein Auskommen.

Es ist schwer, sich der Geschichte zu entziehen, besonders auf den ersten 100-150 Seiten. Timur Vermes Hitler nimmt die Welt, in der er sich wieder findet und die ihm zunächst so fremd ist, kritisch unter die Lupe und analysiert so herrlich böse und treffend, dass man nicht anders kann, als über seine Gedankengänge zu lachen. Nachmittagsfernsehsendungen oder die Sprache, die Kleidung und die Gewohnheiten der heutigen Jugend z.B. sind zwei Themen, über die er sich Gedanken macht und zum Großteil muss man ihm einfach nur zustimmen. Doch oft genug bleibt einem beim Weiterlesen dann das Lachen im Hals stecken, denn es folgen Sätze, die sich wie ein Schlag in Magen anfühlen und einem kurzfristig die Luft zum Atmen nehmen, wenn einem wieder einfällt, wem Vermes da eigentlich die Worte in den Mund legt und einem klar wird, dass man doch tatsächlich Hitler zustimmen würde.

Nach ca. einem Drittel des Romans treten dann allerdings einige Längen auf, denn offenbar sind dem Autor zwischen drin die Ideen ausgegangen. Zumindest wirkt es so: Die Gedanken und Analysen von Hitler wiederholen sich in diversen Varianten, ebenso wie die Ausführungen zu seinen Plänen und Zielen und die Reaktionen seiner Umwelt. Das ist ermüdend und fordert vom Leser doch einiges an Durchhaltevermögen, um der Geschichte weiterhin zu folgen.

Zudem sind einige Dinge nicht ganz logisch, zum Beispiel, dass es gelingt, Hitler neue Papiere zu beschaffen, obwohl er keinerlei Dokumente besitzt und den Grund dafür auch nicht schlüssig begründen kann. Doch andererseits ist es Satire und genau das darf Satire, das kennzeichnet sie: Dinge zu übertreiben, sie auf die Spitze zu treiben.

Einzig die Tatsache, dass zunächst alle englischen Ausdrücke, die Hitler benutzt, so geschrieben werden, wie man sie spricht (z.B. "jutjube" statt "youtube"), im Verlauf dann allerdings die korrekte Schreibweise benutzt wird, ist irritierend. Später kann Hitler auch schwierige englische Worte korrekt aussprechen. Hier wäre mehr Konsequenz wünschenswert gewesen, so fragt man sich nämlich, warum das Ganze überhaupt angefangen wurde.

"Er ist wieder da" polarisiert, das sieht man den vielen unterschiedlichen Rezensionen und Reaktionen auf dieses Buch. Eine Kritik liest man öfter, nämlich, dass in dem Buch keiner diesen Hitler ernst nimmt und dass er, wenn er ernstgenommen werden würde, keine Chance hätte, jemals so weit zu kommen.

Es stimmt, dass in der Geschichte wirklich keiner glaubt, den echten Hitler vor sich zu sehen, und ihn alle für einen begnadeten Schauspieler halten und ihn somit keiner ernst nimmt. Doch genau darin liegt die Gefahr: In der Zeit vor dem Dritten Reich und dem Zweiten Weltkrieg wurde Hitler auch nicht ernst genommen, obwohl er seine Absichten und Überzeugungen in "Mein Kampf" deutlich gemacht hatte. Doch die meisten wollten nicht glauben, dass er wirklich so weit gehen würde und waren der Meinung, alles würde nicht so schlimm werden. Die Gang der Geschichte lehrt uns auf bittere Weise was andere.

Würde Hitler in "Er ist wieder da" ernst genommen werden, dann hätte er vermutlich tatsächlich keine Chance. Doch die Gefahr liegt genau darin, dass ihn eben keiner ernst nimmt, dass keiner widerspricht und sich keiner auflehnt, sondern dass die Parolen ungehindert verbreiten werden dürfen.

Was immer man auch von dem Buch halten mag, es sorgt für Gesprächs- und Diskussionsstoff, es hält das Thema Nationalsozialismus lebendig und sorgt dafür, dass sich zumindest ein gewisser Prozentsatz der Deutschen weiterhin bzw. erneut damit auseinandersetzt. Und auch wenn es Satire ist: Wenn es bei manchen dadurch das Thema wach hält und dafür sorgt, dass es nicht in Vergessen gerät, hat es seine Existenzberechtigung.

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Letzte Kommentare:
07.01.2015 17:52:18
Scubadiver

Hitler wacht 2011 auf einer Brachfläche in Berlin auf und der Leser begleitet ihn dabei wie er sich orientiert und einen Neustart durchführt - als Medienstar. Dabei beobachtet Hitler die Leute von heute, spricht mit ihnen und hält ideologisch ihm gut angedichtete Monologe - was sich alles durch einen grandiosen Witz auszeichnet, sprachlich wie inhaltlich. Man muss beim Lesen oft laut lachen über diese brillant eingefangenen, skurrilen Situationen, in denen Hitler mit der ihm eigenen bornierten Ideologie und den Kenntnissen eines 70 Jahre Abwesenden auf Leute trifft, die das, was er sagt, für einen Witz oder Method Acting halten. Dass das lesenswert ist, ist vielleicht schwer zu beschreiben. Der politisch unkorrekte Inhalt ist völlig unverdächtig braun zu sein, vielmehr sehr unterhaltsam und eine große Frage an uns: Könnte es passieren, dass Hitler in unserer offenen Gesellschaft auf so offen reagierende, unbefangene Menschen trifft? Eine bissige Medien-Kritik. Klare Kaufempfehlung!!

21.07.2013 16:54:50
Darix

Schwer zu beantworten, ob man über Hitler sich amüsieren darf, einige mal blieb mir das Lachen im Hals stecken. Andere Mal waren die Äußerungen nur schwer nachvollziehbar.
Worum geht es? Adolf Hitler kehrt nach Berlin zurück! Er lebt vorläufig bei einem Kioskbesitzer, selbstverständlich in Uniform. Durch sein forsches Auftreten, besonderen Duktus beim Sprechen, seinem Auftreten beeindruckt er seine Umgebung. Bekannt wird er mit dem Auftreten in einer TV-Reality-Show. Das er seine Nachfolgeorganisation, die Neonazis als zu weich und nicht sinnführend bestätigt, ist nicht ohne Witz.
Das er die Judenverfolgung als notwendig beschreibt ist besonders übel und nicht nachvollziehbar, da wird das Buch kaum mehr lesbar. Wie kann ein Mensch Zustimmung erhalten wenn er solche Untaten ausübt.
Schreibstil, gut lesbar, flüssig geschrieben. Unbehagen bleibt übrig, nicht alles ist lustig, mit solch einer Vergangenheit.

15.03.2013 11:01:39
tedesca

Ich hab schon lang nicht mehr so gelacht, wie bei diesem Buch. Am Anfang musste ich oft an die "Briefe in die chinesische Vergangenheit" denken, denn Hitler findet sich ja auch in einer Welt wieder, die im rundherum sehr fremd vorkommt, und mit den ganzen englischen Ausdrücken hat er es auch nicht so. Aber natürlich bleibt einem das Lachen dann auch wieder im Hals stecken, vor allem dann, wenn man dem, was er sagt, durchaus zustimmen könnte, wenn er z.B. über das Verantwortungsbewusstsein unsere Politiker spricht. Und dann fällt einem gleich wieder ein, WER da eigentlich spricht, und dann ist man ein bisser beschämt. Und muss sich eingestehen, dass wohl sogar ein Herr Hitler Dinge sagt, die nicht direkt aus der Hölle kommen. Natürlich beharrt aber dieser wiedergeborene Hitler auf all seinen Ideen und Idealen, somit besteht keine Gefahr, dass er einem wirklich sympathisch werden könnte.
Geschickt nützt er die Macht der modernen Medien aus, ohne zu sehen, dass er dort als Witzfigur vermarktet wird. Dafür könnte er einem fast leid tu, aber halt auch nur fast.
Timur Vermes hat es wirklich geschafft, auf diesem schmalen Grad zwischen bösem Humor, Persifflage auf die aktuelle Medienwelt und Ermahnung zu wandern, ohne abzustürzen, und zwar in keine der möglichen Richtungen. In Anbetracht des gewählten Ich-Erzählers keine kleine Kunst, würde ich sagen.
Mein Fazit: Ein Buch, das ich allen Menschen mit Humor empfehlen kann. Und dass es für wirklich gewiefte Politiker (und es ist unser großes Glück, dass es davon nicht viele gibt, die noch dazu auf dieser Seite stehen) wohl sehr einfach wäre, mittels der Medien eine willige Menge um sich zu scharen.

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