Auf der Suche nach Marie

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • München: Piper, 2011, Titel: 'Auf der Suche nach Marie', Seiten: 192, Übersetzt: Monika Schlitzer

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Britta Höhne
Inmitten einer abgenutzten Vergangenheit

Buch-Rezension von Britta Höhne Mär 2013

Vergessen ist sie zu Unrecht. Verband in die untersten Regale der Bücherschränke. Dabei sind ihre Bücher kleine Fluchten, Sprachschönheiten, Erzählungen voller Tiefgang und ganz besonderer Färbung. Madeleine Bourdouxhe legte im Jahr 1937 mit "Gilles`Frau" einen - besonders von Simone de Beauvoir - geachteten Roman vor. Kurz vor dem Zweien Weltkrieg erschien "Auf der Suche nach Marie". Erst 1943 gelangte diese beeindruckende Erzählung in die deutschen Buchläden.

"Auf der Suche nach Marie" erzählt, der Titel verrät es längst, die Geschichte von Marie. Sie ist eine hübsche Frau, belesen, klug, schön, um die 30. Verheiratet ist sie mit Jean, den sie vergöttert. Er ist es, für den sie lebt. Meint leben zu müssen. Wie schon in "Gilles` Frau" beherrscht die Liebe einer Person alles, wirkt krankhaft, obsessiv, keinesfalls ausgeglichen. Marie ahnt, dass es mehr im Leben geben muss, als die Hingabe zu ihrem Mann, den sie bereits in jungen Jahren geheiratet hat. Marie verblasst, scheint zu verschwinden, unbemerkt, bis sich doch alles anders entwickelt.

Marie verreist. Gemeinsam mit Jean verbringt sie die Sommerferien fernab von Paris an einem Strand an der Côte d`Azur. Da begegnet sie ihm: Einen jungen Studenten. Hübsch, frei und voller Lust zu Leben. Marie scheut sich nicht, sich in die Welt des jungen Mannes zu träumen, bei ihm zu sein, von ihm gefühlt zu werden, selbst zu fühlen. Der Fremde wird ihr Geheimnis. Sie treffen sich dann, wenn Jean beruflich auf Reisen ist.

Die leisen, feinen Treffen, das Zusammenkommen zweier sich unbekannter Menschen, die nichts übereinander wissen, sich heimlich begehren - eben diese Szenen machen den Roman aus. Marie und der namenlose Fremde fallen nicht voller Lust übereinander her, sie umkreisen sich schier unsichtbar, wie Tiere, die im nächsten Augenblick zum Sprung ansetzten. Dann, wenn sie unbeobachtet sind. In einem Hotel, oder in seinem Studentenzimmer. Maries Begegnungen mit dem Fremden werden zur Obsession. Marie liebt Jean, aber sie weiß längst, dass sie mehr Liebe zu geben hat, als nur die für ihren Mann. Sie weiß auch, dass das Leiden größer werden kann, gibt sie sich mehreren Lieben hin – aber auch die Einsamkeit.

Maries Leben ändert sich an dem Tag, als sie weg gehen muss, aus Paris, in eine Kleinstadt, in der sie im Hause von Jeans Eltern leben. Marie ist verloren, mag die Provinz nicht, leidet in Maubeuge still vor sich hin, und reist schließlich Hals über Kopf ab: Ihre Schwester Claude hatte versucht, sich das Leben zu nehmen. Marie steht ihr bei, bringt sie zurück ins Leben und sich selbst auch. So sehr sie ihre Schwester auch liebt, ist in jedem Satz zu erkennen, wie enttäuscht Marie ist, dass sie sich aus dem Leben stehlen will. Sie selbst, Marie, ist wieder da, ist eingetreten in das "Sein" wollen und ist mit jeder Faser ihreres Körpers dabei, das Leben zu lieben. Sie geht sogar so weit, nachts alleine mit einem Boot auf das Meer hinaus zu fahren, ohne Jean, der sonst wieder die Ruder übernehmen würde.

"Auf der Suche nach Marie" ist kein politisches Buch, aber dennoch ist die Drohung und die Unsicherheit vor dem Zweiten Weltkrieg spürbar. Bemerkenswert ist, wie die belgische Autorin, die 1906 in Lüttich geboren wurde und 1996 in Brüssel starb, ihrem Roman durchgehend positive Momente verleiht. Zwar ist auch hier, wie bei "Gilles` Frau", das Thema Selbstmord ein ganz großes, aber es erschlägt nicht und führt letzen Endes ins Leben zurück. 

Bourdouxhe war ihrer Zeit weit voraus. Sie schenkte ihrer Protagonistin ein erfülltes Leben am Herd, aber auch intellektuell erfüllte Stunden mit ihren jungen Lateinschülern. Sie zeigt auf, dass Vieles geht: Haushalt, Arbeit, Mann, Geliebter. Sie zeigt aber auch auf, dass ein scheinbar fest gefügtes Konstrukt schnell zum eigenen Grab werden kann.  

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