Die Glasglocke

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Suhrkamp, 2013, Titel: 'Die Glasglocke', Seiten: 262, Übersetzt: Reinhard Kaiser

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Kora Kutschbach
Über eine Freiheit, die zur erdrückenden Last zu werden droht.

Buch-Rezension von Kora Kutschbach Jan 2013

Esther ist jung, diszipliniert und ambitioniert. Als sie eine Hospitanz bei einem New Yorker Modemagazin gewinnt, soll es der Sommer ihres Lebens werden, in dem sie den Traum vieler Altersgenossen erleben darf. Berufliche Chancen tun sich ebenso auf, wie sich Türen in eine vollkommen neue glitzernde Welt öffnen. Doch trotz aller anfänglichen Perspektiven bemerkt Esther rasch, dass es sich hierbei nicht um "ihre Welt" handelt. Die strebsame Frau beginnt mit sich zu hadern, fühlt sich zunehmend eingeengt und wird krank. Eine Labilität, die weitreichende Folgen hat.

Sylvia Plath war gebürtige Bostonerin und trotz ihres kurzen Lebens, das auf tragischem Wege endete, beeinflusste sie mit ihrem Wirken die Zunft der Literatur auf nachdrückliche Art und Weise. Neben Gedichten reflektiert nach wie vor besonders Die Glasglocke, deren offensichtlichen autobiographischen Züge bewegen, das Stimmungsbild einer Generation, die sich zwischen Vision und Resignation wiederfindet. Eine Tiefgründigkeit, die sich in den Werken der Sylvia Plath widerspiegelt und Anstoß zum Nachdenken gibt, ist unbestreitbar.

Ein von intensiven Gedanken und Gefühlen bestimmtes Buch, das seit Generationen polarisiert, gelang der Autorin mit ihrem einzigen Roman. Das Streben nach Selbstständigkeit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung prägen die positive Seite der Waagschale, während das Gefühl von Ausgeschlossenheit, Verzweiflung und eine depressive Niedergeschlagenheit die dunklen Seiten charakterisieren.

Das Schicksal der Protagonistin Esther ist stellvertretend für das vieler (junger) Menschen zu sehen, die auf dem Weg der Selbstfindung sind. Besonders herauszuheben ist hierbei der unverkennbare innere Konflikt, dem sich die Hauptfigur zu stellen hat. Dieses Ringen mit sich selbst stellt die Kernkomponente des Romans dar und weist dabei deutliche Parallelen zum Leben der Autorin selbst auf. Wird Esther anfangs noch als lebenshungrige, zielstrebige Frau gezeigt, "'Wahrscheinlich kann ich noch einen von diesen Intensivkursen Deutsch einschieben, die da jetzt angeboten werden.' Damals glaubte ich, ich könnte das wirklich schaffen.", wandelt sich das Blatt bis zum nahezu äußersten Schlussstrich: "... und trotzdem ließ mich die Frage nicht los, wie es wäre, die Nerven entlang bei lebendigem Leib zu verbrennen."

Stilistisch greift Sylvia Plath auf die Perspektive der Ich-Erzählerin zurück, was die Intensität der sich auftürmenden Schmerzanfälligkeit und Aussichtslosigkeit stetig untermauert: "Ich spürte die Dunkelheit, aber sonst nichts, und mein Kopf hob sich wie der Kopf eines Wurms." Die Sparche kommt schlicht und zugleich bildhaft à la "Ein Meißel machte sich über mein Auge her, und ein Lichtschlitz öffnete sich wie ein Mund oder eine Wunde, bis die Dunkelheit ihn wieder zurückdrückte." daher. Die psychische Labilität der Protagonistin verkörpert eine der Kernkräfte des Romans und wird seitens der Autorin in ausweglosem Facettenreichtum geschildert: "An diesem Nachmittag hatte mir meine Mutter die Rosen gebracht. 'Heb sie für meine Beerdigung auf' hatte ich gesagt. Das Gesicht meiner Mutter knitterte, sie war den Tränen nahe."

Mit markanter Feinfühligkeit und Präzision kreierte Sylvia Plath die Geschichte einer gebrochenen Frau, die viel zu früh in eine Welt entlassen wurde, der sie sich nicht stellen konnte und wollte. Ein Werk, das sensibilisieren sollte, mehr auf uns selbst und unsere Mitmenschen Acht zu geben. Denn wie sehr die beschriebene Glasglocke der Realität entsprechen kann, beweist das eigene traurige Schicksal der Autorin.

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