Wie Blumen im Winter

Erschienen: Januar 2000

Couch-Wertung:

75
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Kathrin Plett
Zwei Schwestern zwischen Zukunft und Vergangenheit

Buch-Rezension von Kathrin Plett Jan 2013

Iris und Hazel führen beide total unterschiedliche Leben und scheinen kaum Gemeinsamkeiten zu haben, obwohl sie früh zu Waisen wurden und sich somit als Kinder besonders nahe standen. Außer der Liebe zueinander bekamen sie keine Wärme und Geborgenheit und könnten doch kaum unterschiedlicher sein. Während die eine trotz zweier Kinder vor allem auf Partys und Alkohol aus ist und immer wieder an die falschen Männer gerät, lebt die andere ruhig und zurückgezogen und arbeitet trotz Ausbildung zur Krankenschwester als Näherin. Da wundert es wenig, dass das Verhältnis der beiden zueinander schwierig ist und es häufig zu Auseinandersetzungen und Streits kommt.

Als Hazel durch die Beziehung zu einem Kriminellen der Verlust der Söhne droht, ist es Iris, die ihr hilft und einspringt. Die Situation eskaliert. Hazel fühlt sich mit einmal von ihrer großen Schwester bevormundet. Unüberlegt reißt sie alte Wunden auf, die nicht nur Iris Vergangenheit, sondern auch ihre eigene betreffen. Iris verließ ihren Mann und ließ den gemeinsamen, wenige Monate alten Sohn zurück.

"Wie Blumen im Winter" ist der zweite, in Deutschland veröffentlichte Roman der in Dublin geborenen Schriftstellerin Carol Coffey. Sie beschreibt die schwierige Beziehung zweier Schwestern, die sich eigentlich sehr nahe stehen. Geprägt durch eine schwere Kindheit unter einer alkoholabhängigen Mutter, die nicht in der Lage war, sich um die Kinder zu kümmern.

Obwohl jede auf ihre eigene Art versucht, dieses Trauma los zu werden und ihre Vergangenheit abzustreifen, beeinflussen die alten Verletzungen das Leben der beiden. Als Iris schwer erkrankt, muss sich Hazel ihrer Verantwortung als Mutter stellen und endlich ihr Leben in den Griff bekommen. Die Schwestern werden gezwungen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und anderen zu verzeihen, um endlich ein befreites und glückliches Leben ohne Schuldgefühle führen zu können.

Coffey erzählt die Geschichte abwechselnd aus der Sicht der beiden Frauen. Durch ihre Gedanken, Sehnsüchte und Sorgen gelingt es, sich in die beiden hineinzuversetzen und mitzufühlen. Erscheinen die Erzählstränge zu Beginn noch relativ unabhängig voneinander, so laufen sie gegen Ende des Romans enger aufeinander zu und verweben sich vollständig. So unterschiedlich die Schwestern zu Anfang des Werkes wirken mögen, am Ende wird deutlich, wie stark die Gemeinsamkeiten sind. 

Coffey ist ein unterhaltsamer Roman gelungen, der durch seine einfühlsame aber nicht sentimentale Erzählweise überzeugt. Mit viel Gefühl und einer Thematik, die nachdenklich macht.

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