Stadt der Clowns

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Wagenbach, 2012, Titel: 'Stadt der Clowns', Seiten: 192, Übersetzt: Friederike Meltendorf

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Wolfgang Franßen
Im Umbruch

Buch-Rezension von Wolfgang Franßen Dez 2012

Ein Land im Bürgerkrieg leidet nicht nur darunter, dass es zwischen zwei Fronten gerät und sich für oder gegen eine Revolution entscheiden muss, vorausgesetzt man lässt es überhaupt. Auch seine Identität gerät in Gefahr. Welcher Seite soll sich die Bevölkerung anschließen? Oder ist es nicht besser, sich wegzuducken, bis der ganze Spuk vorbei ist? Die revolutionäre Erhebung des leuchtenden Pfades in Peru löste für zehn Jahre bürgerkriegsähnliche Zustände aus, bei denen zehntausende Menschen ums Leben kamen. In denen die Kriegsverbrechen fließend seit den 80er Jahren mal von der einen, mal von der anderen Seiten begangen wurden. Daniel Alarcón begibt sich mit seinen Erzählungen in die Zeit des Präsidenten Fujimori zurück. Mitten in die mäandernde Millionenstadt Lima.

Schon in "Lost City Radio" hat er den dunklen Kapiteln Lateinamerikas seine Geschichten gewidmet. Mittels Radio wurde in diesem beeindruckenden Debüt nach Vermissten gesucht. Auch in seinen neuen Erzählungen "Stadt der Clowns" erscheinen die Helden, als seien sie zwar immer noch an Ort und Stelle - dort, wo sie hin gehören - aber doch längst in sich verloren gegangen. 

"Peru, Lima, den 28. Juli 1979" ist sicher einer der beeindruckendsten Momente dieses Kaleidoskops. Es gibt kein Entrinnen. Im besten Sartre’schen Sinne sind die Bewohner Limas dabei, sich selbst die Hölle zu bereiten. Da beschließen zwei Künstler, als ersten revolutionären Akt, Straßenköter abzustechen und an die Laternen zu hängen. Als Mahnmal, als Aufschrei gegen die kapitalistischen Hunde, die das Land ruinieren und in den Bürgerkrieg geführt haben. So schleichen sie durch die Stadt, um aus ästhetischen Gründen die toten Tiere schwarz anzupinseln. Als sich endlich ein Köter dem Ich-Erzähler anvertraut und sich abstechen lässt, taucht ein Polizist auf. Ein "cholo". Eigentlich einer von ihnen. Einer, der ein Revolutionär sein müsste. Einer allerdings, der es geschafft hat, eine Sprosse der gesellschaftlichen Leiter nach oben zu erklimmen. Und was macht er?  Er schließt sich nicht etwa der Revolution an, er will den Ich-Erzähler festnehmen. Vorbei ist es mit dem gesellschaftlichen Aufbegehren. Das Gefängnis droht. Es wird gelogen, Vertrauen erschlichen, Tollwut bei dem Tier vorgeschützt, bloß um der Verhaftung zu entgehen. Am Ende wird ausgerechnet der Polizist sterben, weil er vertraut und geglaubt hat.

Alarcon erzählt davon, wie die Schuld in einen hineinwächst. Wie Zehnjährige zum Betteln auf die Straße geschickt werden, weil das Geld, das der Vater nach Hause bringt, nicht ausreicht, um die Familie durchzubringen. Selbst wenn es einem auszubrechen gelingt -  wie in "Der König steht immer über dem Volk" - muss er sich seine neugewonnene Freiheit erschleichen, mit Lügen füttern, mit falschen Papieren sich eine Arbeit erschleichen. Um am Ende nur wieder wegzulaufen, weil er die Kraft, das Leben durchzuhalten, nicht in sich hat.

Mit Daniel Alarcón gilt es, seit "Radio Days" einen aufregenden Autor zu entdecken, der seinem Land in die dunklen Ecken seiner Geschichte folgt.

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