Brot und Unwetter

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Wagenbach, 2012, Titel: 'Brot und Unwetter', Seiten: 288, Übersetzt: Mirjam Bitter

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Rita Dell'Agnese
Wie sie das Böse besiegten

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Dez 2012

Die Sport-Bar in Montelfo ist bedroht: Die Entwicklung macht auch vor diesem an sich unbedeutenden Dorf nicht halt. Doch die Menschen, die in der Bar ihre zweite Heimat gefunden haben, möchten sie nicht aufgeben. Mehr und mehr regt sich der Widerstand von zahlreichen verkrachten Existenzen, die in der Bar eine Art normales Leben gefunden haben. Vom Opa bis zum Teenager entsteht eine breite Front, die bereit ist, sich dem Bösen entgegen zu stellen und den Untergang der Bar zu verhindern. Aber sind die paar Menschen mit ihren so verschiedenen skurrilen Geschichten stark genug, um die Bar in ihrer ganzen Eigenart zu retten – so wie sie sie schon mal gerettet haben?

 Autor Stefano Benni zeigt sich gnädig und stellt den verzweifelten Bar-Besuchern eine ganze Zahl von ungewöhnlichen Wesen zur Seite. Von der Hundehexe bis zum Waldgnom mischen sich Fabelwesen unter die Kämpfenden und geben da und dort den Ausschlag für einen gelungenen Hieb. Mit der Kombination des existenziellen Überlebenskampfes und der nicht greifbaren Fabelwesen geht Benni ein großes Risiko ein. Und er gewinnt dabei nicht nur. Die Geduld der Leser wird durch die Gnome, Geister und Co. stark gefordert. Nicht jeder mag sich darauf einlassen, nach einer tieferen Bedeutung für diese oder jene Figur oder Handlung zu suchen.  Der Lesefluss gerät dadurch immer wieder ins Stocken.

Stefano Benni hat viel zu erzählen. Er hat eine ganze Sammlung von Menschen angelegt, die jeder Norm spotten. Dazu kommt eine zynische, manchmal bitterböse, Note des Autors, die ihren Niederschlag in Provokationen findet. Wer Zugang zu diesem Zynismus findet, wird sich herrlich unterhalten fühlen – alle anderen lässt Benni ohne Umschweife stehen und an ihrem abstrakten Denkvermögen zweifeln. Wer sich bereits mit Stefano Benni auseinander gesetzt hat, Weiß, dass ihn ein absonderliches Stück Unterhaltung erwartet und wird sich darauf einstellen. Wer dem Autor erstmals begegnet, dürfte es als schwierig empfinden, den Autor auf seinen satirischen Höhenflügen zu begleiten.

Im Grundsatz greift der Italiener, der in seiner Heimat mehrere höchst erfolgreiche Romane veröffentlicht hat, eine Geschichte auf, wie sie in fast jedem kleineren Ort geschehen könnte. Die über Jahrzehnte hinweg gewachsene Ordnung wird durch den Fortschritt bedroht. Ein Fortschritt, von dem kaum jemand weiß, ob es ihn hier überhaupt braucht. Denn klar ist, dass künftig nur noch Platz haben wird, wer der Norm entspricht. Wie absurd diese Normen oft sind, wird durch eben jene Skurrilität deutlich, mit der Stefano Benni auch diesen Roman spickt.

So pointiert der Autor die Hintergründe des drohenden Verschwindens der Bar darstellt, so fein gearbeitet sind auch die einzelnen Figuren, die in dieser Bar gestrandet sind. Jede Figur für sich ist zwar deutlich überzeichnet, trägt aber unverkennbar die Züge jener Persönlichkeiten, mit denen nahezu jede Familie gesegnet ist. Eine verschrobene Denkweise, die in ein kämpferisches für einander da Stehen mündet, wird von Stefano Benni zu einem Reigen von Absurditäten entwickelt. Benni lässt dabei nichts aus, spielt mit Ekelgefühlen, Voyeurismus und Neugier. Dass immer wieder sehr feine Beobachtungen einfließen und die Figuren trotz ihrer schrägen Charaktere sehr viel Herz besitzen, mag jene Leser etwas versöhnen, wie von der Erzählweise ohne Bodenhaftung überrascht werden.

Stefano Benni wirft die Frage auf, welchen Preis Fortschritt einfordern darf und wie man sich als Gruppe von Randständigen gegen das Böse, das in einer gesellschaftlich akzeptieren Form daher kommt, auflehnen kann. Er zeichnet und überzeichnet Figuren, die gleichermaßen faszinierend wie abstoßend sind und fordert genau deshalb die Leser zum Nachdenken heraus. Eine bemerkenswerte Art zu schreiben!

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