Verdis letzte Versuchung

  • : Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann, 2012, Titel: 'Verdis letzte Versuchung', Seiten: 272, Originalsprache
Verdis letzte Versuchung
Verdis letzte Versuchung
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Birgit Stöckel
63

Belletristik-Couch Rezension vonDez 2012

Eine musikalische Dreiecksbeziehung in holpriger Umsetzung

Lea Singers Roman "Verdis letzte Versuchung" ist ein Perspektivenroman, in dem die drei Protagonisten, Guiseppina Verdi, Guiseppe Verdi und Tereza Stolz, abwechselnd ihre Sicht der Dinge schildern, vor allem ihr Innenleben, und so dem Leser einen Einblick in ihr Innerstes gewähren.

Dabei werden die Unterschiede zwischen ihnen und auch die Gemeinsamkeiten der drei gut herausgearbeitet. Verdi ist ein Bauernsohn und wird es immer bleiben. Er ist stolz darauf und gibt sich auch keine Mühe, sich zu ändern,  ja, er kokettiert richtig gehend damit, dass er unsensibel, laut, kompromisslos und völlig ohne diplomatisches Geschick ist. Das Komponieren ist keine Leidenschaft für ihn, wenn er etwas anderes könnte, dann würde er das sofort tun, zumindest behauptet er das.

Er ist auch sehr anspruchsvoll und wenn er eine Idee oder einen Plan hat, dann Gnade dem, der sich ihm in den Weg stellt, der hat es sich leicht mit ihm für immer verscherzt.

Seine Frau, von ihm Peppina genannt, ist das Gegenteil. Sie ist die Ruhige, die Sanftere und vor allem die Diplomatische, die es versteht, die Wogen zu glätten, die Verdi aufwirft und die mit seinen Macken und Fehlern umgehen kann und ihn wirklich liebt. Deshalb braucht er sie und hängt an ihr.

Doch als Tereza Stolz in sein Leben, und damit auch in das seiner Frau tritt, spielt sie für ihn  bald eine wichtige Rolle und dadurch gerät das Leben von allen dreien in eine gewaltige Schieflage, zumindest eine Zeitlang. Tereza singt in seinen Augen seine Opern nicht nur am besten von allen, sondern sie ist ihm ähnlich: Ebenfalls aus einfachen Verhältnissen stammend, sagt sie öfter direkt, was sie meint, hat auch kein ausgeprägtes diplomatisches Geschick und besitzt nicht die Fähigkeit, überaus geistreiche Unterhaltungen zu führen. Deshalb braucht er sie und mag sie.

Doch obwohl die Konstellation interessant ist und es sehr reizvoll ist, die unterschiedlichen Sichtweisen der Protagonisten zu erfahren, so hat das Buch durchaus seine Längen. Es steckt voller Wiederholungen, denn an Handlung passiert nicht viel, so dass sich die Gedanken der Figuren um das eigentliche Problem drehen: Ein Mann – zwei Frauen. Besonders Peppinas Gedankengängen ähneln sich häufig, nur jedes Mal etwas anders formuliert, doch bei Verdi und Tereza kommt das ebenso vor. Das ist dann für den Leser ermüdend, man hat das Gefühl, dass die Geschichte nicht weiter geht, wenn man immer dasselbe in anderen Worten liest.

Viele Dinge, die die Rahmenhandlung bilden, werden nur angeschnitten: Die Entstehung der "Aida", die Querelen unter den verschiedenen Komponisten, Dirigenten, Sängern und ihren jeweiligen Anhängern. Dabei sind es gerade sie, die dafür sorgen, dass man als Leser bei der Stange bleibt und nicht das Handtuch wirft, denn es ist wirklich interessant, etwas über die damalige Musik"szene" zu erfahren. Davon hätte es gerne mehr sein dürfen. 

Es ist immer eine schwierige Gratwanderung, einen Perspektivenroman zu schreiben, der nur aus den Gedanken der erzählenden Figuren besteht, die richtige Mischung zwischen dem Innenleben und der äußeren Handlung zu finden und natürlich liegt in so einem Fall die Gewichtung eher auf Seiten des Innenlebens, doch in "Verdis letzte Versuchung" führt es dazu, dass sich immer wieder Passagen aufgrund der Wiederholungen zäh lesen lassen.

Insgesamt ist "Verdis letzte Versuchung" ein sehr ruhiger Roman voller leiser Töne, der auf einer sehr interessanten Grundidee- und konstellation aufbaut, dessen Umsetzung aber leider nicht ganz geglückt ist.

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