Kuckucksmädchen

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • München: Piper, 2012, Titel: 'Kuckucksmädchen', Seiten: 176, Originalsprache

Couch-Wertung:

75

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

2 x 91-100
0 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:96.5
V:1
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":1,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":1}
Andreas Kurth
Ein Mann fürs ganze Leben?

Buch-Rezension von Andreas Kurth Dez 2012

Wanda hat ihren 30. Geburtstag hinter sich, ebenso wie ihr Architekturstudium. Was nämlich als Nebenjob begann, ist mittlerweile zu einer festen Arbeit geworden.  Sie löst Wohnungen auf – und löscht damit Existenzen aus. Aber sie ist eben nicht so schnodderig und rücksichtslos wie manche ihrer Kollegen, sondern interessiert sich für das Leben der Verwandten oder Freunde ihrer Kunden. Respekt, Fein- und Mitgefühl führen dazu, dass sie und die Firma weiterempfohlen werden. Der Chef ist zufrieden – und Wanda macht diese Arbeit gerne. Der aktuelle Auftrag macht ihr allerdings dann doch zu schaffen, immerhin hat ihr Vater sie beauftragt, die Wohnung ihrer verstorbenen Großeltern aufzulösen.

Das Domizil in Ottensen will ihr Vater dann Wanda schenken – sie soll dort mit ihrem aktuellen Freund Jonathan einziehen und ihr eigenes Nest bauen. Und da beginnen für die junge Frau die ernsthaften Probleme. Sie ist sich nämlich überhaupt nicht sicher, ob Jonathan der richtige Mann für den Rest des Lebens ist – oder wenigstens für die überschaubaren nächsten Jahre. Bisher hat sie es immer geschafft, ihre Beziehungen zu beenden, bevor es zu konkret wurde. Aber jetzt gelingt ihr das aus unbegreiflichen Gründen nicht. Vor allem hat Wanda richtig Angst, einen Fehler zu machen, den sie dann nicht mehr korrigieren kann. Was ist, wenn sie Jonathan in die Wüste schickt – und er wäre doch der richtige Mann gewesen, um mit ihm eine Familie zu gründen? Das will Wanda unbedingt herausfinden, und so begibt sie sich auf eine persönliche Zeitreise, indem sie eine Reihe von Ex-Freunden besucht. Dabei will sie feststellen, ob etwas aus der jeweiligen Beziehung hätte werden können. Das ungewöhnliche Projekt bringt ihr viele Erkenntnisse – überraschende und auch unangenehme.

Eva Lohmanns Debütroman "Acht Wochen verrückt" war überwiegend autobiografisch inspiriert und nur wenig ausgedacht, nach Angaben der Autorin ist es bei "Kuckucksmädchen" umgekehrt. Welche Teile des neuen Romans nun Rückschlüsse auf Eva Lohmann zulassen, kann nur die Autorin selbst sagen. Auf jeden Fall hat sie den lockeren und höchst unterhaltsamen Erzählstil beibehalten. Und das Buch bringt nicht nur Frauen einige Aha-Erlebnisse, sondern auch Männer dürften an vielen Stellen herzlich lachen, weil ihnen die geschilderten Situationen und Dialoge höchst vertraut vorkommen.

Ein besonderes Stilmittel, um die inneren Zweifel der Protagonistin zu verdeutlichen, sind Wandas Gespräche mit ihrem Herzen. Meist meldet sich das Organ in kritischen Situationen, und die Dialoge zeigen dann, worum die Gedanken der jungen Frau aktuell kreisen. Da geht es um ihre nach unten gerutschten Brüste, und um die Langeweile, die sich seit einiger Zeit breit macht – und vieles mehr. Irgendwann hat das Herz genug von Wandas "Gezappel". Das Organ redet Tacheles mit ihr - sie soll sich von Jonathan ein Kind machen lassen und mit ihm eine Familie gründen. Oder konsequent sein, und sich einen anderen Mann suchen, damit es mit der Langeweile endlich vorbei ist. Jonathan macht Wanda im Gespräch etwas ungeschickt deutlich, dass sie zu seinen Plänen für die Zukunft gehört, und löst damit bei der jungen Frau einen wahren Panik-Schub aus. Als sie nach dem unvermeidbaren Streit einen ihrer Ex-Freunde im Supermarkt trifft, löst die absurde Situation bei ihr den Plan für ihr Test-Projekt aus. Die Supermarkt-Szene gehört zu den besten im ganzen Roman. Wanda ist schlampig angezogen, ungeschminkt und sieht insgesamt etwas daneben aus. Ihr Ex ist wie aus dem Ei gepellt und so fängt sie sich mitleidige Blicke ein.

Die Besuche bei Wandas Verflossenen bringen dann reichlich Heiterkeit für die Leser – und schmerzliche Erkenntnisse für Wanda. Es bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen, welche Station man als Leser am amüsantesten findet. Da ist Phillip, der mit seiner schwangeren Freundin immer noch in der Wohnung lebt, die Wanda einst für die beiden gestaltet hat. Und da ist Max, der mit seiner Frau und den Kindern in einer wahren Idylle lebt, von Wanda nur "Bullerbü" genannt. Jugendfreund Ilya steckt selbst gerade in einer Beziehungskrise und ist erstmal wieder bei Mama eingezogen. Diese Besuche sorgen – zusammen mit dem Dialog zwischen Wanda und ihrem Herz – für einige Veränderungen im Bewusstsein der jungen Frau.

Eva Lohmann nennt "Kuckucksmädchen" einen Roman über die "Generation Option". Die Menschen dieser Altersgruppe um 30 haben heute vielfältige Wahlmöglichkeiten. Aber sie haben es nicht gelernt, sich zu entscheiden – und dabei das Risiko des Scheiterns in Kauf zu nehmen. Viele, und das ist keineswegs typisch für Frauen, lassen sich lieber treiben, in der Hoffnung, der richtige Weg für das weitere Leben werde sich schon von selbst ergeben. Die Autorin hat einen bewegenden Roman vorgelegt, der nachdenklich macht, dabei aber den Leser auch unterhält zu zuweilen amüsiert. Ein lesenswertes Buch, das von mancher Leserin sicher auch mehrfach zur Hand genommen werden wird.

Deine Meinung zu »Kuckucksmädchen«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
20.04.2016 14:06:31
Literameer

Wanda ist 30 und wartet immer noch darauf, dass ihr Leben endlich so richtig beginnt. Doch irgendwann begreift sie, dass sie längst mitten in ihrem eigenen Leben steht und es von ihr selbst und ihren Entscheidungen abhängt, wie sich ihr Leben zukünftig entwickeln wird. Als es zwischen Wanda und ihrem Freund Jonathan ernst wird und darum geht, eine gemeinsame Wohnung zu beziehen und vielleicht auch eine Familie zu gründen, beginnt Wanda zu zweifeln. Um ihre Zweifel auszuräumen, stattet sie ihren Ex-Freunden einen Besuch ab um zu schauen, wie vielleicht auch ihr Leben hätte verlaufen können, wenn sie mit einem der Männer noch zusammen wäre…

Nachdem ich Eva Lohmanns ersten Roman „Acht Wochen verrückt“ gelesen habe, welcher mir sehr gut gefallen hat, stand für mich fest, dass ich auch ihr neues Werk „Kuckucksmädchen“ lesen möchte. Erneut ist es Eva Lohmann gelungen, mich bereits nach wenigen Seiten völlig in den Bann der Geschichte zu ziehen, so dass ich das Buch erst wieder weglegen konnte, nachdem ich es ausgelesen hatte. Doch auch nach dem Lesen hat mich die Geschichte noch lange gepackt und beschäftigt.

Wandas Gedanken und Gefühle wirken auf mich sehr wahr und wie mitten aus dem Leben gegriffen. Sehr häufig konnte ich mich in Wandas Gedanken wiederfinden und musste erkennen, dass ich diese Gedanken so oder so ähnlich auch schon gedacht habe. Dadurch war das Buch für mich eine wahre Achterbahn der Gefühle; stellenweise hat es mich so traurig gemacht, dass ich weinen musste, es hat mich jedoch auch zum schmunzeln und lachen gebracht.

Die Protagonistin, Wanda, fand ich sehr sympathisch. Sie ist in ihren Gedanken sehr ehrlich und offen, hat jedoch auch Ecken und Kanten. Dadurch erscheint sie sehr menschlich, was sicherlich dazu beigetragen hat, dass mir die Geschichte so nahe gegangen ist. Im Laufe der Geschichte beginnt Wanda, Dialoge mit ihrem Herzen zu führen. Als der erste dieser Dialoge erschien, war mein erster Gedanke „WTF?!“. Doch der Schreck hat sich schnell gelegt und die Dialoge haben mir richtig gut gefallen, weil sie einfach eine gelungene Art sind, Wandas Gefühle und Gedanken zum Ausdruck zu bringen.

Wandas Idee, sich anzuschauen, wie ihr Leben hätte verlaufen können, indem sie sich das momentane Leben ihrer Ex-Freunde anschaut ist für mich neu und sehr gelungen. Ich selbst kann mir aber nicht vorstellen, in so einer Situation meinen Ex-Freunden einen Besuch abzustatten und würde mich ebenso bedanken, wenn sich eine der Ex-Freundinnen meines Freundes hier anmelden würde. Dennoch finde ich die Idee gelungen und gut umgesetzt, denn diese Besuche bieten nicht nur Wanda genügend Stoff zum nachdenken, auch ich kam hier immer wieder ins nachdenken.

Fazit:

„Kuckucksmädchen“ hat mich sehr berührt und unheimlich zum nachdenken gebracht. Ich find das Buch wirklich großartig und hoffe sehr, dass dies nicht Eva Lohmanns letztes Buch gewesen ist.

03.02.2015 13:07:45
Mareike

Eines Morgens ist es so weit: Wanda fühlt sich alt. Ist das da ihr Körper im Spiegel? Und überhaupt: was ist aus ihr geworden – und vor allem: was wird aus ihr? Ist das das Leben, das sie haben will? Wanda hat Innenarchitektur studiert, jetzt arbeitet sie seit Jahren für eine Firma, die Haushaltsauflösungen macht; irgendwie ist sie da so hängengeblieben, obwohl es eigentlich nur ein Nebenjob war. Bei Männern hingegen ist Wanda nie einfach so “hängengeblieben”: Wenn ihr einer zu komisch wurde, war sie weg. Der Richtige war einfach noch nicht dabei! Vielleicht ist es ja Jonathan, mit dem sie nun schon eine ganze Weile zusammen ist? Er würde sich gern mehr an Wanda binden, aber sie weiß nicht so recht. Was, wenn es noch einen besseren Mann gibt? Einen, mit dem das Leben aufregender ist? Wann hat sie schließlich mit Jonathan das letzte Mal einfach spontan Sex gehabt? Ewig her! Wenn sie sich jetzt treffen, kochen sie und dann sehen sie fern. Schließlich fallen sie müde ins Bett und schlafen ein. Liebesleben? Hm. Irgendwie war da ja mal was. Denn am Anfang der Beziehung war doch alles ganz gut…
Und nun, ausgerechnet jetzt, als es darum geht, mit Jonathan vielleicht zusammenzuziehen, weiß Wanda gar nicht mehr, was sie will. Und vor allem nicht, wen sie will. Und so beschließt sie, ein paar ihrer Exfreunde aufzusuchen um mal festzustellen, was aus denen geworden ist. Vielleicht wäre es ja auch viel besser gewesen, bei einem von ihnen zu bleiben? Wanda begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit, schaut in fremde Nester und guckt, ob es sich dort besser lebt als in ihrem Leben. Aber irgendwann wird auch das “Kuckucksmädchen” mal ein eigenes Nest brauchen – oder?

Erwartet habe ich, dass mir hier ein netter Frauenroman begegnet, den man liest, zur Seite legt und abhakt. Das war es. Aber ich habe festgestellt, dass “Kuckucksmädchen” doch mehr ist. Es ist ein kurzer Roman, aber ein schöner, der mir gut gefallen hat, weil ich mich mit Wanda ganz gut identifizieren konnte.
Ich glaube, dass das Gefühl, dass alle Anderen irgendwie angekommen sind und man selbst noch gar nicht so erwachsen ist, wie man sein sollte, viele Menschen kennen und ich nehme mich da nicht aus. Deswegen fand ich Wandas Gedanken dazu, wie das Leben eigentlich sein soll, wirklich ehrlich und sehr interessant. Auch ihre Idee, die verflossenen Männer aufzusuchen um mal zu schauen, was das eigene Herz dazu sagt, fand ich lustig und das wird hier sehr gut umgesetzt. Wandas Exfreunde sind mittlerweile in Leben angekommen, die wir von unseren Freunden, uns selbst oder einfach von Menschen unseres Alters kennen – herrlich klischeeig verzerrt zum Teil und doch so realistisch.
Was mir gut gefallen hat, ist, dass es hier nicht um Lacher geht, um billige Witze oder einfach darum, dass eine Frau loszieht und die große Liebe auf irgendwelchen Umwegen findet, sondern hier geht es wirklich um Wanda und darum, dass sie ihr Leben ordnen will und dass sie endlich wissen will, wie sie sich ihr Leben vorstellt und wohin die Reise gehen soll. Das ist mal lustig und mal traurig und mal sentimental und mal nachdenklich, und das Ergebnis ist ein wirklich schöner Roman, den ich am liebsten einer Freundin in die Hand drücken will. “Schau, solche wie uns gibt’s auch in Büchern…”

Film & Kino:
The Crown - Staffel 3

Die Queen in ihrer vordergründig repräsentativen Rolle ist eine zeitgeschichtliche Ikone, sodass der Erfolg der seit 2016 bei Netflix laufenden Serie „The Crown“ nicht verwundert. Die dritte Staffel markiert allerdings einen Umbruch: Die Royal Family ist in den 60er-Jahren angekommen und viele Rollen werden neu besetzt, da auch die Blaublüter nicht vor dem Altern gefeit sind. Titel-Motiv: © Des Willie / Netflix

zur Film-Kritik