Der Gefangene des Himmels

Erschienen: Januar 2000

Couch-Wertung:

85
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Kathrin Plett
Ein weiteres Puzzelteil

Buch-Rezension von Kathrin Plett Nov 2012

Auch in seinem dritten Band, der in der Entstehung befindlichen Tetralogie - um den Friedhof der verlorenen Bücher - nimmt Carlos Ruiz Zavón seine Leser mit auf eine Reise nach Barcelona. Seine Erzählung beschreibt die Lebensgeschichte Fermíns, der in der Buchhandlung der Familie Sempere beschäftigt ist. Zavóns Protagonist kann auf eine turbulente Vergangenheit zurückblicken: Nachdem er unter den Verhältnissen des spanischen Bürgerkriegs mehrere Jahre im Gefängnis saß, konnte er unter abenteuerlichen Bedingungen fliehen. Um die Flucht zu vertuschen, wurde er anschließend für tot erklärt und bekam somit die Chance, unterzutauchen und weiterzuleben. Quasi von den Toten "auferstanden" und immer noch ganz gefahrlos am gesellschaftlichen Leben teilnehmend, besitzt er den Schlüssel, der die Verbindung zwischen der Vergangenheit und Zukunft Daniel Semperes, dem Protagonisten des ersten Bandes, darstellt.

"Der Gefangene des Himmels" bildet nach "Der Schatten des Windes" und "Das Spiel des Engels" das dritte Puzzleteil in Zavóns Kosmos um Barcelona und die Geschichte rund um die verlorenen Bücher.

Der spanische Autor, der zunächst in einer Werbeagentur tätig war, widmet sich seit 1994 vollständig dem Schreiben. Er verfasst neben seiner Arbeit an den Romanen unter anderem Drehbücher und ist als Journalist für die spanischen Zeitungen El País und La Vanguardia tätig. Bereits sein erster Roman - "Der Fürst des Nebels" - verkaufte sich mehr als 150 000 Mal und auch seine folgenden Veröffentlichungen stürmten innerhalb kürzester Zeit die Bestsellerlisten in über 20 Ländern.

In seinem dritten Teil rückt der Autor die Geschichte Fermíns in den Mittelpunkt seiner Erzählung. Nachdem er in seinem ersten Werk, "Der Schatten des Windes", von der frühen Jugend und Erwachsenenzeit Daniel Semperes, dem Sohn des Buchhändlers Sempere, erzählt und sich in "Das Spiel des Engels" mit dem jungen Autor David Martín beschäftigt hat, verknüpft er die Handlungen dieser beiden Romane durch den dritten Band miteinander.

Viele Figuren aus den Vorgängerromanen tauchen in "Der Gefangene des Himmels" wieder auf. Die Protagonisten der ersten beiden Romane, Daniel Sempere und David Martín, haben wieder eine zentrale Bedeutung, obgleich dieses Mal die Geschichte Fermín Romero de Torres im Vordergrund steht. Fermín arbeitet mit Daniel Sempere zusammen in der Buchhandlung von dessen Vater. Als eines Tages ein mysteriöser Kunde gezielt eines der teuersten Bücher kauft, ohne es mitzunehmen, wird Fermín klar, dass er beginnen muss, über seine Vergangenheit zu sprechen. Auch, weil der Kunde eine Widmung für Fermín hinterlässt. Fermín begreift, dass Daniel selbst ein Teil der Vergangenheit ist. Fermín muss reden. Lange Zeit hat er, während des Bürgerkriegs, unter grausamen Bedingungen in einem Gefängnis gesessen, dort begegnete er David Martín, dem jungen Autor. Nach und nach wird deutlich, wie eng die Lebensgeschichten der drei Männer miteinander verbunden sind und die einzelnen Erzählstränge immer mehr miteinander verschmelzen.

Obwohl der Roman Teil einer vierbändigen Reihe ist, ist Zavón mit "Der Gefangene des Himmels" ein Werk gelungen, welches auch unabhängig von den weiteren Romanen zu lesen ist. Zwar bauen die Handlungen alle aufeinander auf und sind eng miteinander verbunden, doch da die Bücher keine chronologische Struktur aufweisen, lassen sie sich sowohl einzeln oder in beliebiger Reihenfolge verstehen. Der spanische Autor beschreibt eindrucksvoll und detailreich wie Fermín in die Geschichte um den Friedhof der vergessenen Bücher verstrickt ist.

Zavón gelingt es, Gegenwart und Vergangenheit zu verknüpfen. Dabei beweist er einmal mehr seine Kreativität, bringt unvorhersehbare Wendepunkte in seine Handlung ein und hält die Spannung konstant aufrecht. Die vielen Wechsel zwischen den Szenen, die verschiedenen Spielorte und handlungsrelevanten Figuren sorgen für Abwechslung, so dass das Buch auch über die komplette Distanz von 400 Seiten den Leser mitreißt.

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