Apollonia

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • : Eichborn, 2012, Titel: 'Apollonia', Seiten: 384, Originalsprache

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Daniela Loisl
Temporeich, tiefgängig und etwas verschroben

Buch-Rezension von Daniela Loisl Nov 2012

Man sollte sich schon konzentrieren, will man den Gedankensprüngen und der unglaublich flotten Erzählweise der Protagonistin, Marie, folgen. Eigentlich geht es ja um Apollonia, ihre Großmutter, und Marie besucht sie am Friedhof, um ihr die geliebten Ranunkel mit etwas Wiesenkraut zu bringen und - vor allem deshalb - weil sie sehen will, ob es wahr ist, was man sich im Ort erzählt, dass das Grab ihrer Großmutter eingestürzt sein soll, wo auch ihre krumme, fingerlose und buckelige Verwandtschaft liegt.

Und dann lässt Marie ihre Gedanken schweifen, erzählt aber nicht in geordneter, chronologischer Reihenfolge, sondern genauso wie ihr die Gedanken in ihrer Erinnerung durch den Kopf gehen.

Obwohl etwas unorthodox erzählt und mit viel subtilem Humor untermalt, heißt dies noch lange nicht, dass das Buch oberflächlich ist. Im Gegenteil. Die innere Verbundenheit Maries zu ihrer Großmutter Apollonia ist spürbar, fast greifbar, und  es scheint, als wolle sich die Erzählerin über ihre tiefe Betroffenheit, die durch den Tod Apollonias eingetreten ist, mit den locker leichten Erinnerungswiedergaben selbst Trost spenden.

Annegret Held lässt ihre Protagonistin das Leben in den 70er Jahren, in denen sie aufgewachsen ist, so plastisch und bildhaft schildern, als hätte sie mit Marie selbst gesprochen oder zumindest ihr Tagebuch mit den intimsten Aufzeichnungen gelesen.

Da ist der junge, in Deutschland stationierte, Amerikaner Jim, in den sie sich Hals über Kopf verliebt. Weder ist Maries Englisch perfekt und schon gar nicht Jims Deutsch, aber sie verstehen sich dennoch wunderbar.

      -  Wi habe much … Dornschlehen here … they make … autsch!

-      What…

-      What?

-      Bei uns heißt What auch wott. What – wott. 

Apollonia spricht nicht gerne und schon gar nicht gut über ihren verstorbenen Mann Klemens. Warum? Was hat sich da ereignet?

Immer wieder streut Held in Maries Erzählung Happen von Apollonias Leben ein, und je neugieriger der Leser nun wird, was denn nun hinter alledem steckt, desto schneller schwenken Maries Gedanken wieder um Jim, ihre Jugendliebe. Als Apollonia krank wird, pflegt Marie sie, sie ist für sie da. Marie erzählt die Geschichte von ihrem Vater und ihrer Mutter, aber auch von Klemens, als das "Kartoffelunglück" passierte und was die Folgen davon waren. Erzählt, was sie mit Jim noch alles erlebte und natürlich, was sie von Apollonia weiß.

Eine tragisch heitere Geschichte. Leicht und duftig scheint´s schweben der Autorin die Worte zu und so wie sie ihr in den Sinn kommen, so hält sie diese fest und gibt sie weiter an den Leser. Nichts ist sortiert und exakt, alles so wie es im realen Leben erscheint, ob Ereignisse oder Sprache, Held hat das unglaubliche Talent, den Leser genau dort abzuholen, wo er steht, nämlich ganz nahe bei sich selbst, ohne Beschönigung und hochtrabende Worte. So innovativ diese Erzählung ist, so genial ist sie in ihrer Schlichtheit, die stets den Kern der Sache trifft. Ein lesenswertes Buch, das alles andere ist, als eine banale Lebensgeschichte einer alten Frau.

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