Die Apokalypse nach Richard

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Aufbau, 2012, Titel: 'Die Apokalypse nach Richard', Seiten: 189, Originalsprache

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Wolfgang Franßen
In dulci jubilo

Buch-Rezension von Wolfgang Franßen Okt 2012

Weihnachten strömt alles in die Familie zurück. Egal, aus wem sich diese auch zusammensetzt. Und da wir nun im Januar sind, es erst ein paar Tage her ist, sind die Erinnerungen noch frisch. Fürs nächste Weihnachten plant der eine, es erst gar nicht zu feiern, der andere höchstens fernab vom familiären Nest, der nächste wiederum, rechtzeitig eine eigene Familie zu gründen, um das Fest so zu feiern, wie er oder sie sich das schon immer vorstellen. Die eingeschworenen Lamettafans hingegen überlegen sich jetzt, ob sie bereits im September die ersten Geschenke kaufen sollen, damit der Schmuck stimmt.

Dass Matthias Matussek dem heiligen Fest der Deutschen mit einem bissigen, aber unterhaltsamen Ton begegnen würde, war abzusehen. Doch dass er seine Geschichte gleich mit einem Wunder beginnen lässt, einen Blinden zum Sehenden macht, der graue Star über Nacht weicht, überrascht dann doch. Zumal der Autor gleich die Schraube ein wenig mehr anzieht und das vergreiste Familienoberhaupt Richard in der Erwartung sein Tageswerk beginnen lässt, dass da womöglich noch ein viel größeres Wunder auf ihn warten könnte.

Wer ehrlich ist, weiß, dass das Auspacken von Geschenken mitunter weniger an ein Fest der Liebe erinnert. Und so stehen auch in "Die Apokalypse nach Richard" Schwangerschaft, drohende Trennung, die Enttäuschungen darüber, dass das Leben sich nicht so entwickelt hat, wie man es seit der letzten Zusammenkunft erwartet durfte, im Mittelpunkt. Dabei will man als Leser erst gar nicht darüber nachdenken, ob Roman, der Journalist, womöglich einem ehemaligen Feuilletonchef des Spiegels nachgezeichnet ist. Die Versuchung ist sicher groß.

Der eigentliche Held ist erst vierzehn. Er büchst aus, vergisst, bei seinem plötzlichen Aufbruch das Portemonnaie einzustecken, und wird auf der Zugfahrt von einem Schaffner vertrieben, dem nun gar nicht weihnachtlich ums Herz ist. Schließlich muss er arbeiten, und wahrscheinlich wartet Zuhause auch eine Familie auf ihn, bei der er den Braten anschneiden soll. Nick findet sich plötzlich ausgesetzt und begegnet einem philosophischen Penner, der ihm hilft, damit er aus seiner Notlage befreit wird.

Doch Nick zieht es eigentlich in die falsche Richtung. Nicht gen Süden sondern in den Norden nach Hamburg. Nicht zur neuen Familie mitsamt Stiefvater, sondern zum Großvater. Das ist amüsant beschrieben. Alles an Realität wankt eher augenzwinkernd daher. Schließlich kennt sich Matthias Matussek da aus und zitiert gleich aus seinen frühen Schriften, Bd. 1:

                       "Zum Teufel mit der Wirklichkeit."

Wie eine Deuce ex machina wird es gegen Ende des gerade mal 190 Seiten umfassenden Romans einen Theaterdonner und jede Menge Trockeneis für einen unvergesslichen Auftritt geben. Mit sicherer Hand hat der Autor seine Familie bis dahin durch manchen Engpass und Delle in ihrem Leben geführt. Und im Finale, wie das Weihnachten so ist, wird geduscht, gekämmt, wird ein Parfüm aufgelegt und sich über das unpassende Geschenk gefreut.

Fast erweckt es den Anschein als wolle Matussek sagen, wir wissen doch alle, wie es um Weihnachten steht; es ist so wie beim Leben: Eigentlich überrascht es nicht, und nur der Glaube versetzt Wunder. Verliere ich den, brauchen wir keinen Baum mehr aufzustellen. Denn es geht letztlich weniger um den Glauben an Gott als an uns selbst.

Wenn schon "Eine festliche Geschichte", einen ZDF-reifen Unterhaltungsroman über "Last procedure as every year", dann Mathias Mattuseks "Die Apokalypse nach Richard". Schreiben Sie ihn sich auf den Wunschzettel oder merken Sie ihn sich für die Hetzjagd durch die frühwinterlichen Buchhandlungen vor.

Die Geschichte wird dann noch nicht überholt sein. Vielleicht fällt auch rechtzeitig Schnee. Das wäre auch ein Wunder.

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