Die Liebende

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Berlin : Suhrkamp, 2012, Titel: 'Die Liebende', Seiten: 81, Originalsprache

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Wolfgang Franßen
Manche Männer sind nur mit einem Filter zu ertragen.

Buch-Rezension von Wolfgang Franßen Okt 2012

Albert Ostermaier kann dem Theater nicht entkommen. Sein Pariser Polizeikommissar Olivier sieht sich einer Tonbandaufzeichnung ausgesetzt, die an Krapps Monolog bei Beckett erinnert. Eine Frau gibt Auskunft über sich, verwandelt ihre Liebhaber nach dem Liebesakt in alle möglichen Gestalten, entstellt Rivalinnen und bringt sie um. Was anfangs wie das Vexierspiel einer immer währenden Beichte klingt, erweist sich als inneres Road Movie, durch Gefühle, Erwartungen und Enttäuschungen.

Olivier trifft während seines Verhörs auf eine Frau, die vorgibt, alles zu wissen, was wir, die wir die Liebe zu kennen vorgeben, nie zu ergründen wagen. Die Stimme ist hochtrabend, gönnerisch, lässt keine Überhöhung ihrer Person aus und sucht Zuflucht zu den Mythen der Antike. Sie weiß halt Bescheid und was ist mit Olivier? Jenem geduldigen Zuhörer, dessen Ausdauer zu bewundern ist? Leidet er etwa an einer Depression? Zu schwarz ist die Nacht, durch die Ostermaier sich da bewegt. Zu wenig Eigeninitiative legt Oliver an den Tag. Erschlagen von Pasiphae, die den Gespielinnen ihres Mannes Minos den Samen giftiger Schlangen, Skorpionen und Tausendfüßler einpflanzt, damit sie deren Eingeweide zerfressen.

Der 1967 in München geborene Albert Ostermaier schreibt Dramen, Libretti, Lyrik und Romane wie den 2011 erschienen "Schwarze Sonne scheine", in dem er einen angehenden Schriftsteller mit einer tödlichen Krankheit konfrontiert. Er degradiert ihn nicht zum Opfer zahlloser Ärzte, schickt ihn vielmehr auf die Reise zu sich selbst, lässt ihn seine Jugend durchforsten. Es geht bei diesem Autor immer um Leben und Tod. Um das Drama an sich.

So verwundert es nicht, dass das Pathos auch in der Erzählung "Die Liebende" um sich greift. Sprachgewaltig zerrt er eine "Liebes-Medea" aus der Kulisse und pflanzt ihre Stimme in ein Pariser Polizeikommissariat, um in salbungsvoller Sprache die Selbsterkundung zu zelebrieren. Das Gemenge aus Kriminalroman und mythischem Monolog greift nicht wirklich. Zwischen Rue Norvin, Sacre Coeur, der Avenue Junot und Place du Tertre wird Paris aufgesammelt, als fahre ein Touristenbus durch die Stadt. Olivier ist zwar ein genauer Beobachter, doch er wirkt in den realen Passagen wie ein Tagträumer, der sich zurückhält, wie unter der Glocke der Liebeserkundung eingesperrt.

"Die Liebende" ist gerade mal 82 Seiten lang und bietet genug Untiefen, die es Lesern ermöglichen, zu schürfen. So wie in Elfriede Jelineks Romanen und Erzählungen. Albert Ostermeiers lyrisch geschultes Ich, macht es einem schwer, sich wirklich den kriminellen Abgründen der Liebe zu überlassen. Mit einem Satz über das Laken ist eigentlich alles gesagt:

"Jeden Morgen war es übersät mit Alptraumküssen, für die er sich schämte wie damals als Junge für die ersten Samenspuren, wenn er im Traum nicht an sich halten konnte, wie er später die Frauen nicht halten konnte, von denen er träumte."

Eine Erzählung für Liebhaber der reinen Literatur, in der die Sprache alles ist, in der eine Geschichte immer wieder gebrochen werden muss, damit sie sich nicht von selbst erzählt.

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