Katzenmusik und Katerstimmung

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • : Edition Elke Heidenreich Bertelsmann, 2012, Titel: 'Katzenmusik und Katerstimmung', Seiten: 256, Originalsprache

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Wolfgang Franßen
Wenn man nachts vor lauter Katzenjammer nicht schlafen kann

Buch-Rezension von Wolfgang Franßen Okt 2012

Es geht nicht um Katzen, sagt Elke Heidenreich über den Band Kurzgeschichten in unserem Interview, in dem sie illustre Namen wie Wolfgang Joop oder Enoch von Guttenberg neben arrivierten Schriftstellern wie Kaminer, Noll, Steinfels und Sulzer versammelt. Nicht zuletzt sie selbst mit der Geschichte "Nächtliche Umarmung", in der es um eine liebeskranke Schriftstellerin auf Lesetour, deren Begegnung mit einem Kater und die Feinheiten nächtlicher Katzenmusik geht.

Neben dem Katzenjammer, dem Liebesklagen, anerzogener Hausmusik bei Bernd Schroeder steht die Suche im Mittelpunkt. Wer bin ich, was fange ich mit mir an, wie soll ich in dieser Welt zurechtkommen? Dimitri Schostakowitsch plagt sich mit Stalin in Hans Neuenfels Geschichte "Ich war der Kater von Dimitri Schostakowitsch" herum. Sein Haustier rettet ihm das künstlerische Überleben, in dem er dem Meister rät, wo er seine Partituren verstecken soll, damit sie nicht von den Häschern gefunden werden. Dass Katzen sprechen können, wird doch niemand ernsthaft bezweifeln wollen, oder?

Allerdings sind es nicht immer gute Zuhörer, gern gesehene Ratgeber, die wir zu uns in Haus lassen. Es gibt auch Quälgeister darunter. Wie in "Stirb Langsam". In ihr will so ein Mistvieh am Heiligabend nicht sterben, obwohl der Ich-Erzähler es sich erhofft. Der Arzt, der mitten in der Nacht mit dem Taxi aufgesucht wird, verweigert die erlösende Spritze, so dass der Katzenliebhaber dazu verurteilt wird, das verhasste Tier wieder mit nach Hause zu nehmen.

Da lebt eine Katze in Vera Nemirovas Geschichte "Die Katze Invanka" ihren Hang zur Oper hemmungslos aus und gibt die Rampensau so gnadenlos, dass sie das Opernhaus verlassen muss. Das Ensemble weigert sich, mit ihr länger aufzutreten, ein Aufstand gegen sie bricht los, so dass sie auf den Zug gesetzt wird, aus dem sie dann spurlos verschwindet. Das können diese Tiere nämlich auch, sich in Luft auflösen und uns mit einem schlechten Gewissen zurücklassen.

Immer wieder tauchen in den Geschichten Verweise auf, was die Welt der Musik den Katzen zu verdanken hat. Ein Paradies für wahre Musikkenner, selbst wenn es wie bei Enoch von Gutenberg keiner Katze bedarf, um mit der Passionsmusik eine sterbende Großmutter zu begleiten.

Neben der klassischen Short Story, ein Gedicht, ein Brief von Harry Rowohlt, immer wieder Zeilen und Verse. Der Band bietet einen Reichtum an Momenten, in denen wir innehalten und uns der Musik überantworten. Manchmal etwas schaurig, wenn wir miterleben müssen, wie eine Handvoll Kater um eine Katze balgen.

Und sogleich zeigen die Geschichten auch, welchen Reichtum es an Sprache und Bildern gibt, wenn Schriftsteller sich auf eine Vorgabe einlassen. Wie war das damals noch mit den Vieren von Annette Humpe, die zufällig und augenzwinkernd John, Paul, George und Ringo heißen? Kaminer, Heidenreich, Rowohlt kommen gegen ihren Witz nicht an und wollen und dürfen das auch nicht. Es gilt der Welt das Absurde abzuringen. Das geht nur mit einem Augenzwinkern oder einem hemmungslos befreiten Lachen. Nur so ist das Leben zu ertragen, egal ob in der Liebe oder der Politik.

Katzen denken nicht nach, lautet ein Credo der Herausgeberin. Vielleicht sollten wir uns nach diesen amüsanten Geschichten vornehmen, uns weniger mit der Liebe herumzuquälen, es den Schwänen zu überlassen, auf ewig vereint zu sein. Eines steht fest, die Welt der Katzen, so ehern sie auch dazusitzen vermögen, so majestätisch, sie uns auch anzusehen verstehen, so verständnisvoll sie der Musik auch lauschen wollen, solange sie klein sind, lassen sie sich streicheln und gestatten es uns, sie zu füttern. Nur ein klein bisschen größer und sie würden uns fressen.

Auch wenn ein Hitfabrikant wie in Jan Weilers Geschichte "Lieder, die die Sehnsucht schreibt" nur dann komponieren kann, wenn ein Kater in der Nähe ist.

Diese tierisch-musikalischen Geschichten illustriert von Rudi Hurzlmeier sind nur an der Oberfläche wie von einer säuselnden Lullekatze erzählt und versprechen Augenblicke der Kurzweil. Sie erzählen von Tierliebhabern, deren Einsamkeit sie dazu verführt, in einem Haustier einen Zuhörer zu finden, in magischen Momenten sie sogar sprechen zu hören. Allein ihre Anwesenheit besänftigt die Tragik. So vereinen sich Katzen und Musik in dem Moment, indem sie uns wunderbar eine Zuflucht bieten.

Für einen Moment lang ist dann alles gut.

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