In den Häusern der Barbaren

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • München: Piper, 2012, Titel: 'In den Häusern der Barbaren', Seiten: 496, Übersetzt: Ingo Herzke

Couch-Wertung:

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Andreas Kurth
Harmlose Episode bringt ganz Kalifornien in Aufregung

Buch-Rezension von Andreas Kurth Okt 2012

Scott Torres und seine Ehefrau Maureen Torres-Thompson führen nach eigener Auffassung eine ganz normale Ehe.  Er leitet eine Programmier-Abteilung, sie arbeitet tageweise in der Schule ihrer beiden acht und elf Jahre alten Söhne. Die 15 Monate alte Tochter wurde bisher von einem mexikanischen Kindermädchen betreut, doch weil es finanziell nicht mehr so gut läuft, entlassen die Eheleute neben dem Kindermädchen auch den Gärtner. Nur Araceli Ramirez, das Hausmädchen, darf bleiben und sich um den Luxushaushalt im großen Anwesen am Paseo Linda Bonita kümmern – und zusätzlich um die Kinder. Die Pflege des Gartens übernimmt Scott persönlich – mit der Folge, dass der Tropengarten vertrocknet. Maureen redet mit ihm über die Neuanlage des Gartens, er ist jedoch mal wieder abgelenkt und hört nicht wirklich zu. Eine Landschaftsgärtnerin legt daraufhin mit Kolonnen von Arbeitern auf Maureens Auftrag hin den gewünschten Kakteengarten an. Scott wundert sich zwar, schenkt dem neuen Garten jedoch zunächst keine Beachtung. Erst als er bei einer Firmenfeier für sein Team mit der Kreditkarte bezahlen will, wird diese nicht akzeptiert – er muss Bargeld holen. Bei seiner Rückkehr haben die Kollegen bereits bezahlt, was ihm überaus peinlich ist.  Im Büro überprüft er sein Bankkonto, und am Abend folgt der unausweichliche Streit mit Maureen, die er von sich stößt, woraufhin sie auf einen Glastisch stürzt, der dabei zerbricht.

Was nach einem gewöhnlichen Ehestreit mit heftigen Folgen aussieht, wird im Roman von Héctor Torres zu einem Politikum für den ganzen Staat Kalifornien. Die Eheleute beschließen nämlich jeder für sich, eine Auszeit zu nehmen. Scott verschwindet, und weil Maureen glaubt, er wäre bei der Arbeit, fährt sie mit ihrer Tochter in ein Wellness-Hotel in der Wüste. Araceli meistert die Situation zunächst bravourös, aber als die beiden nicht wieder auftauchen, und auch telefonisch nicht erreichbar sind, will sie die Jungen zu ihrem Großvater bringen. Die Irrfahrt endet im Desaster, es gibt juristische Folgen, Medienrummel, öffentlichen Aufruhr und politisches Gerangel um die ganze Affäre.

Ich muss zugeben, dass ich mich zunächst in die Geschichte einlesen musste. Spätestens nach dem Verschwinden der beiden Eltern wird man als Leser jedoch von der Handlung gepackt, weil man sich ständig fragt, wie es nun wohl weitergeht? Die Irrfahrt der illegalen Einwanderin mit den Kindern ihrer Arbeitgeber nimmt groteske Züge an. Torres schildert aber auch die Sichtweise der beiden Eltern, und durch die unterschiedlichen Perspektiven hat der Leser gegenüber den handelnden Personen einen Wissensvorsprung, der die Lektüre hochinteressant macht.

Das Buch von Héctor Tobar kann am ehesten als Gesellschaftsroman bezeichnet werden. "In den Häusern der Barbaren" enthält aber auch satirische Elemente, es geht um eine zarte Liebesgeschichte, Ehe- und Familienprobleme werden behandelt. Im Kern geht es aber um die Stellung der illegalen Einwanderer, und die Spannungen zwischen Nordamerikanern und Latinos in den USA. Der Autor zeigt auf, dass die als Kinder- und Hausmädchen arbeitenden Mexikanerinnen und anderen Latinas eine isolierte Gemeinschaft sind. Im Laufe der Nachforschungen merkt beispielsweise Maureen, dass sie im Grunde nichts über ihre Angestellte und deren Leben weiß, obwohl diese seit vier Jahren im Gartenhaus wohnt und im Haus arbeitet. Und Tobar bedient auch das Klischee, dass sofort die Latina verdächtigt wird, bevor nach dem Fehlverhalten der Eltern gefragt wird. Oder ist es gar kein Klischee? Entspricht es der gesellschaftlichen Realität in Kalifornien? Der Autor zeichnet auf jeden Fall ein buntes und auch widersprüchliches Bild von den Verhältnissen im amerikanischen Sonnenstaat, und sein Buch wirkt auf jeden Fall authentisch und gut recherchiert.

Es geht aber auch um die fehlerhafte oder mangelnde Kommunikation in einer Familie der amerikanischen Mittelschicht, die ihre wirklichen Probleme zunächst gar nicht als solche wahrnimmt. Mit seinen gekonnt formulierten Dialogen und kleinen Anmerkungen macht Torres die Situation für den Leser überaus plastisch.  Und er zeigt, wie kleine Irrtümer und eine im Grunde harmlose Episode durch die Macht der Medien und die hysterische Reaktion der Öffentlichkeit, gepaart mit dem Eingreifen ehrgeiziger Justizangestellter den ganzen Staat in Aufruhr bringen können.

"In den Häusern der Barbaren" ist ein wirklich lesenswerter Roman, mit einer gut erzählten Geschichte. Der Autor zeigt viel Wortwitz, vermag eindringliche Botschaften gut zu verpacken und baut durchaus auch Spannung auf. Wie bei vielen  guten Bücher gilt auch hier die Empfehlung, das Buch ruhig zweimal zu lesen, die eine oder andere Nuance wird man erst dann komplett genießen können. Ich freue mich jedenfalls schon auf das nächste Buch aus der Feder von Héctor Tobar.

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Letzte Kommentare:
23.06.2015 18:56:04
uknig

Ein großartiger Roman und eine packende Gesellschaftsstudie aus Kalifornien. Quasi ein „Clash der Kulturen“ – auf der einen Seite die reiche liberale amerikanische Familie mit den gutgemeinten Idealen, auf der anderen Seite die mexikanische Haushälterin. Nur dass Aracali nicht das ungebildete Mädchen vom Lande ist, sondern eine ehemalige Kunststudentin aus Mexico City ist.
Schon diese Milieu-Schilderung gelingt Torbar ungemein präzise und als dann nach einem Ehestreit Aracali mit den beiden Söhnen den Großvater sucht, nimmt die Geschichte richtig Fahrt auf. Fast 500 Seiten ohne jegliche Längen – „In den Häusern der Barbaren“ ist hoch spannende zeitgenössische Lektüre und erinnert ein wenig an Tom Wolfe in guter Form. Mich würde es nicht wundern, wenn das Buch schnellstens verfilmt wird.

30.10.2014 10:24:12
rasa

Scott und Maureen Thompson, Vorzeigeehepaar im Wohlstand mit ihren Söhnen Branden und Keenan und Tochter Samantha leben als Vorzeigefamilie in einem unglaublich tollen und großen Haus in Californien. Großartiger Job für den Mann, viele Freunde, perfekte Gartenpartys und mexikanische Hausangestellte runden das Bild ab. Aber auch sie werden von der Krise geschüttelt. Übrig bleibt nur noch eine Hausangestellte. Araceli Ramirez. Superpatent. Und etwas seltsam. Da es nun kein Kindermädchen mehr gibt kümmert sie sich nun auch noch um die Kinder. Nach einem ausufernden Streit fährt Scott frühmorgens weg um einen klaren Kopf zu bekommen. Maureen beschließt wenig später mit der kleinen Tochter eine Auszeit in einem Wellnesshotel zu nehmen. Sollen doch Mann und Jungs sehen, wie sie allein klar kommen. Araceli ist mit den Jungen allein. Und das vier Tage lang, ohne Nachricht und schließlich auch ohne Geld. Sie beschließt, die Jungs zu ihrem Großvater nach Los Angeles zu machen. Und schiebt damit ungewollt tragische Ereignisse an.
Gut geschrieben. Und auch spannend. Die Gegensätze der Familie und deren Angestellten erinnerten mich oft an „America“ von Boyle. Auch sprachlich und stilistisch fand ich Ähnlichkeiten. Wobei Hector Tobar bei mir nicht den Abscheu erzeugte wie Boyle. Auf der Umschlagseite wird Gabriel Garcia Marquez erwähnt….. Den kann ich dort gar nicht finden. Betroffen war ich von den Lebensumständen, fast Versklavung der mexikanischen Arbeitskräfte. Irritiert war ich von der Oberflächlichkeit der amerikanischen Familie und deren Freunde. Hector Tobar konnte das alles gut transportieren. Empfehle ich unbedingt weiter. ….und freue mich auf sein zweites Buch!

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