ErdbeerSchorsch

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • München: Piper, 2012, Seiten: 272, Originalsprache

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Wolfgang Franßen
Das Leben kickt nicht mehr

Buch-Rezension von Wolfgang Franßen Sep 2012

Der deutsche Humor im Roman tummelt sich im Sandkasten von Beziehungsproblemen, Singelsuche und Nachbarschaftsstreits oder kupfert gleich den schrägen Witz bei der Comedy im Fernsehen ab. Er ist nicht gerade feingestrickt und geht nicht selten im weiten Feld der Frauenunterhaltung in Serie. Als Paar mit Problemen, als Single auf der Suche.

Nun entführt Joachim Seidel seinen Helden, den ehemaligen Punk Toni, in die spätmusikalische Trockenphase eines Familienvaters ohne Trauschein. Das würde er gerne ändern. Er macht seiner Traumfrau Ada einen Heiratsantrag und muss wie viele Männer der Nach-Alice-Schwarzer-Zeit feststellen, dass Frauen nicht unbedingt einen Mann zu ihrem Glück brauchen. Vor allem keine amtliche Bestätigung, die ihr womöglich beim Sorgerecht Schwierigkeiten macht.

In  "Erdbeer-Schorsch", in dem es in Tonis Leben weitergehen wird wie in dem Vorgänger "Himbeer-Toni", kann der Held froh sein, wenn er morgens aufwacht und die Welt ihm für ein paar Stunden vorgaukelt, dass noch alles so ist, wie er es gestern beim Schlafengehen verlassen hat. Gegen Ende des Romans jedoch wird sich Adas Grund, warum sie lieber unverheiratet bleibt, mittels einer wissenschaftlichen Erklärung von Wikipedia aufklären und seine Welt erschüttern. Vorher werden Kindergeburtstagsschlachten bei Ikea ausgetragen, die Abschiebung von Freund Radulescu in den Kosovo in letzter Sekunde verhindert und ein Kampf gegen eine Immobiliengesellschaft ausgefochten werden. Sogar ein totgesagtes Mitglied der Band Remo Smash erwacht wieder zum Leben und präsentiert unbezahlte Rechnungen. Das Leben als ständiger Tumult. Nach dem Punk kann man als Punk nur in innerer, musikalischer Immigration überleben.

Dass Ada, die für Toni umwerfend aussehende Karrierefrau, dabei mit ihrem Gehalt gleich eine mehrköpfige Familie über Wasser hält, ist schon schwierig genug. Der Hausmann Toni neigt dazu, den Kopf in den Sand zu stecken. Er wandelt als Berufsoptimist durch die Welt und bekommt die Löcher nie so schnell gestopft, wie sie sich vor ihm auftun. Dabei begleiten ihn Bands wie "Element of Crime", vergessene Stars wie Alvin Stardust. Titel einiger Songs dienen gleich als Überschriften für die einzelnen Kapitel. Alles dreht sich um Musik. Sie pocht in den Adern, sie gibt das Tempo, die Sprache und den Humor vor. Schnell, pointiert, manchmal brachial. Wobei die Querverbindungen sich nur jenen erschließen, die den Vorgängerroman kennen.

Es ist halt eine Fortsetzung. Und mit Hannes Waders Lied: "Heute hier, morgen dort" sicher noch nicht zu Ende. Sven Regener ist da bissiger im Ton. Bei Seidel menschelt es gewaltig. Sein Toni zerreißt sich auf Grund der Einsicht über seine eigene Unzugänglichkeit für seine Ada. Die Überfrau, die schillernde Punkmadonna, die die Familie mit klaren Anweisungen zusammenhält. Toni reist ihr sogar in das für ihn ungeliebte Sylt nach. Der Kinder wegen. Der Frau wegen. Man kann ja nicht immer Punk sein. Oder etwa doch? Will man etwa enden wie Jim Morrison, Janis Joplin, Kurt Cobain?

Schließlich gibt es da einen Wasserschaden zu beheben. Einen von der Abschiebung bedrohten Freund zu bewahren. Wie retten wir unser Leben, wenn wir nicht darin untergehen wollen, fragt Seidel immer und immer wieder. Mit dem Strom schwimmen, lautet die Antwort. Hauptsache schwimmen, lautet die Antwort. Bloß nicht stehen bleiben, bloß nicht absaufen.

Wenn Freund Holgi dann die Punkband in The "Dors" – wie gesagt mit einem "o" – umbenennen will, um Coversongs zu bringen, dann steht die Welt allerdings am Abgrund. Egal welche Kriege gerade geführt, welche Umweltkatastrophen gerade hereinbrechen, das ist der blanke Verrat.

Joachim Seidel hat einen amüsanten Roman geschrieben, der den Mikrokosmos eines ewigen Jungen offenbart. Wie das Leben funktioniert, wenn es denn funktionieren muss. Im Chaos. Auch wenn die Botschaft dahinter mitunter "postgigmäßig" dem christsozialen Bild der heilen Familie nahesteht, in der wir alle gut aufgehoben sind, wenn das Leben nicht mehr kickt.

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