Die Rückkehr der Jungfrau Maria

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • : Tropen, 2012, Titel: 'Die Rückkehr der Jungfrau Maria', Seiten: 172, Übersetzt: Tina Flecken

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Britta Höhne
Liebesakt auf Drahtseil

Buch-Rezension von Britta Höhne Aug 2012

Wer bis dato nicht an "Höheres", nicht "Fassbares" geglaubt hat, möchte es vermutlich nach der Lektüre von Bjarni Bjarnasons "Die Rückkehr der Jungfrau Maria". Schön ist sie nämlich, die Maria, aufregend, überaus intelligent, ohne Spiegelbild allerdings und ohne Dokumente, die belegen, dass es sie gibt. 1996 bereits ist der Roman des isländischen Autors Bjarni Bjarnason erschienen, aber erst 2012 fand der ungemein gelungene Roman – in einer Übersetzung von Tina Flecken – Einzug in die deutschen Buchläden.

Die Geschichte ist so skurril wie genial. Da ist der junge Varietékünstler Michael von Blomsterfeld, dessen Großvater beschuldigt wird, Falschlehren zu verbreiten. Theologe war er, mit Leib und Seele, und er hat vorher gesagt, was irgendwann Tatsache werden würde: Die Rückkehr der Mutter Maria. Irrlehren habe er verbreitet, teilte sein Arbeitgeber die Universität mit, aus deren Dienst er schließlich ausscheiden musste.

Dabei ist Maria alles andere als ein Mütterchen mit einem Jesuskind im Arm. Sie ist wunderschön, jung, klug, studiert Theologie, steht kurz vor der Promotion, als all ihre Arbeiten, Dokumente, selbst die Beweise, die für Marias Existenz stehen, sich im Wohlgefallen auflösen. Auch ihr Spiegelbild verschwindet. Ein schwerer Verlust, den nur ein Vater gut zu heißen weiß: "Weil Spiegelbilder immer ein umgekehrtes Bild dessen sind, was nicht eben und gleichmäßig ist. Aber die vollkommene Form kann kein umgekehrtes Bild haben. Deine Formen sind vollkommen, und wenn du dein Bild im Spiegel sehen würdest, dann wäre es kein Spiegelbild, sondern eine Nachahmung." Maria hinterfragt: "Bin ich zu schön, um ein Spiegelbild zu haben?" Des Vaters Antwort ist klar. "Ja", sagt dieser und macht seiner Tochter Mut.

Verstört von Geschehenem nimmt sie ihre Geschichte selbst in die Hand. Nimmt Reißaus und schließt sich dem  Varietékünstler Michael an. Michael ist fasziniert von Maria – und stets bemüht, sie nicht zu lange anzuschauen. Irgendwann nämlich beginnt ihre Kleidung sich zu verflüchtigen, durchsichtig zu werden, all ihre Reize zur Schau zu stellen. Michael ist ihr ergeben. Maria ahnt und hat Angst.

Die Sache ist verzwickt. Dr. Peter, Marias Doktorvater, glaubt an sie. Eine Sekte wird gegründet, festhaltend an Marias Zerrbild. Die Angebetete indes, lässt sich in einem zunächst akrobatischen und schließlich sexuellem Akt aus dem Turm einer Burg befreien, in der sie aufgrund ihrer besonderen Persönlichkeit von Kirchenleuten festgehalten wird. Befreit ist Maria – frei jedoch nie. Ein fanatischer Bischof setzt auf eine Hatz an und Maria verschwindet. Keiner weiß wohin – und wie.   

Der Autor spielt nicht mit dem Glauben. Er macht sich nicht lustig oder belächelt gar Menschen, denen der Glaube etwas bedeutet. Ganz im Gegenteil, er zeigt auf, wie Geschichten, auch biblische, verlaufen könnten, würde man sie in die Neuzeit verfrachten. Bjarni Bjarnason hinterfragt ohne Augenzwinkern – zumindest meistens – was passiert, wenn wir dem Absoluten, dem Nicht-Fassbaren, dem Göttlichen begegnen. Und all das verpackt er in eine Geschichte, die eine Mischung aus Arthur Schnitzlers "Traumnovelle" und  Jostein Gaarders "Sophies Welt" ist. Gerade in den Passagen, in denen es um die göttliche Ordnung geht. Um einen Zirkus, der mehr beinhaltet als Klamauk, der das große Ganze darstellt. 

Alles in diesem Roman ist mysteriös. Michael wächst bei seinem Großvater auf, der verkündet, dass er sterben werde, sobald sein Enkel siebzehn Jahre alt ist. So geschieht es auch. Auch das verruchte Werk seines Großvaters, dessen Existenz dafür sorgte, dass er von der universitären Lehre entbunden wurde, tauchte wieder auf. Bei Michael. Die Geschichte als Zerrbild, wenn nicht gar als Vexierbild. Vielleicht möchte Bjarni Bjarnason auch einfach nur darauf aufmerksam machen, dass sich lieben und leben lohnt. Sei es auch noch so kompliziert und scheinbar aussichtslos. Denn: Immerhin ist es schöner, kurz intensiv geliebt und gelebt zu haben, als lange Zeit gar nicht.

Auffällig ist die Akribie, mit der der Autor die Namen seiner Figuren wählt. Thomas Mann wird nachgesagt, dass er stunden-, gar tagelang über der Namensgebung seiner Protagonisten gebrütet habe. Und heute? Haben viele Romanfiguren gar keinen Namen mehr, werden Mann, Frau, Mutter, Vater genannt. Dass Maria Maria heißt, liegt auf der Hand: Sie soll es eben sein. Einem jungen Mädchen, das tot aufgefunden wird, hat Bjarnason den Namen Salome gegeben. Die Ziehmutter Marias heißt Judith – alles Namen deren Träger Geschichte sind. Nur als aus Michaels "Zirkus der göttlichen Ordnung" "Michaels und Marias Zirkus" wird, verfällt die Episode dem Kitsch. Michael und Maria klingt nach schnulzigem Gesangsduo, nicht nach Liebespaar, das sich auf dem Hochseil liebt. 

Ein großartiger Roman. Nicht komplett, nicht immer logisch aufeinander folgend, aber lesenswert. Ungemein lesenswert, weil Bjarni Bjarnasons Fantasie ein Mischung aus kindlicher Naivität und religiöser Weltanschauung ist, immer auf der Suche nach dem Einen: Der Liebe. 

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