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Andreas Kurth
Die Tiefen der menschlichen Einsamkeit

Buch-Rezension von Andreas Kurth Aug 2012

Der 72-jährige frühere Seemann Hans Larsen hat zehn Jahre im Gefängnis gesessen und wird nun vorzeitig auf freien Fuß gesetzt. Er mietet ein Hotelzimmer und geht zunächst in den Hafen, um dort seine alte Arbeit wieder aufzunehmen. Beim Finnen Salonen ist er willkommen, aber sein Leben muss Larsen völlig neu ordnen. Denn erst nach seiner Entlassung hat er sich getraut, einen viele Jahre alten Brief seiner Tochter Marianne zu lesen. Darin erfährt er, dass seine Frau schon lange tot ist, und ihm Marianne immer noch Vorwürfe macht. Larsens Tochter lebt als alleinerziehende Mutter ein eher ungeordnetes Leben. Er selbst lernt nach einem Verkehrsunfall im Krankenhaus das Ehepaar Almlie kennen, und eine höchst seltsame Beziehung entwickelt sich, vor allem zu Agnes Almlie.  Nach Arthurs Tod wohnt Larsen mit ihr zusammen – was sein Leben nicht gerade unkomplizierter macht.

Roy Jacobsen zeigt auch in seinem neuen Roman, dass er ein überaus intensiver Erzähler ist. Es wäre übertrieben, seinen Schreibstil minimalistisch zu nennen, aber wenn er Räume, Einrichtungen oder Aussichten beschreibt, dann ist das durchaus wichtig, denn es dient dazu, die Gemütslagen seiner Protagonisten zu beschreiben. Und die sind überwiegend düster, von Pessimismus und Resignation geprägt. Die Lektüre von "Die Farbe der Reue" ist kaum für dunkle Winterabende geeignet, sonst könnte sich die schwere Stimmung leicht auf den Leser übertragen. Der Roman ist dazu geeignet, tiefe Nachdenklichkeit auszulösen, denn es geht hier um menschliche Schicksale, die anrühren und kaum kalt lassen können.

Hans Larsen ist ein überaus kompliziert "gestrickter" Mensch, der als Vater offenkundig vollkommen versagt hat. Aber auch in den Beziehungen zu seinen Mitmenschen war er stets von Misstrauen, Jähzorn und Unsicherheit geprägt. Sucht er nun verzweifelt nach seinem späten Glück, oder sind seine Aktionen mehr oder minder hilflose Versuche, sein Leben aufzuarbeiten?  Wohl ein wenig von beidem, aber seine schier untauglichen Versuche, zwischenmenschliche Kontakte aufzubauen und zu pflegen führen stets in Sackgassen. Selbst mit Agnes Almlie verbindet ihn für die kurze Zeit ihres Zusammenlebens allenfalls eine ambivalente Beziehung. Kern seiner Überlegungen und seines Handelns bleibt in dieser Endphase seines Lebens das zerrüttete Verhältnis zu seiner Tochter Marianne. Der Leser muss sich fragen, welchen Schaden beide davon tragen – Antworten deutet der Autor allenfalls an.

Roy Jacobsen gilt vielen Kritikern als einer der wichtigsten Gegenwartsautoren Norwegens, und er hat bereits viele Preise für seine Werke bekommen. Seine ausgiebige Beschreibung der seelischen Qualen eines Vaters, der den Kontakt zu seiner Tochter für die letzten  Lebensjahre völlig verloren hat, ist allerdings durchaus schwere Kost. Nicht immer wird dem Leser deutlich, was der Autor eigentlich ausdrücken will. Es geht um zerstörtes Vertrauen und die Schuldzuweisungen der Tochter – aber den Inhalt des ominösen Briefs erfährt  man leider nicht. Und so beschreibt Jacobsen in eher distanziertem Stil die Leiden und Nöte seiner Protagonisten. Neben Hans Larsen und seiner Tochter Marianne hat dabei auch Agnes Almlie ihr Päcklein zu tragen, aber irgendwie bleibt sie doch allenfalls eine Randfigur. Zu oft ist sie abwesend, und ihre im Hintergrund gespielte Rolle für die Versöhnung zwischen Vater und Tochter wird nur in Ansätzen geschildert.

Dennoch tragen die drei Hauptfiguren, wenn man denn Agnes Almlie einbeziehen will, ziemlich schwer an den Konsequenzen früherer Entscheidungen. Vieles mag sich längst als Fehler gezeigt haben, den Betroffenen ist das jedoch nicht immer klar, oder es wird nicht deutlich zum Ausdruck gebracht. Vater und Tochter, auf deren Konflikt sich das Buch am Ende reduzieren lässt, scheinen aus ihrer individuellen Isolation nicht mehr heraus zu kommen. Larsen lebt zwar zunächst mit dem Ehepaar Almlie und später nur mit Agnes unter einem Dach, aber nahezu alle seine Handlungen sind das Resultat einsamer Entscheidungen. Gleiches gilt für seine Tochter, die offensichtlich von ihren familiären Erfahrungen geprägt ist, und auch Probleme hat, dauerhafte Beziehungen einzugehen und ihr Leben planvoll zu ordnen.

Roy Jacobsen arbeitet in seinem neuen Roman teilweise mit Stakkato-Sätzen, die Dialoge seiner Protagonisten sind in harte, direkte Worte gekleidet. Das Handeln der einzelnen Figuren und deren Gedankenwelt wirken überaus entfremdet, vom konventionellen Zusammenleben der Menschen förmlich abgekoppelt.  Marianne, Hans und auch Agnes Almlie leben einsam in einer  Welt, die anderen kaum zugänglich ist.

Im Gefängnisaufenthalt von Hans Larsen, in der Beschäftigung von Arthur Almlie mit seinen Buddelschiffen und auch in anderen Handlungen kann man viel Symbolik erkennen, wenn man unbedingt etwas in diese Teile der Geschichte hinein interpretieren möchte. Unabhängig davon wird jeder Leser von dieser Reise in die Tiefen der Vereinsamung seltsam fasziniert sein. Das lesenswerte Buch von Roy Jacobsen bietet viel Spielraum für eigene Gedanken und Überlegungen, es macht nachdenklich und fesselt den Leser. Aber nochmals sei betont, wer leichte und unkomplizierte Unterhaltung sucht, wird hier nicht fündig. Vielmehr wird schwere Kost geboten, aber auch die kann zuweilen munden. 

Die Farbe der Reue

Die Farbe der Reue

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