Liebe und andere Versprechen

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  • Erschienen: Januar 2000
Liebe und andere Versprechen
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Britta Höhne
62

Belletristik-Couch Rezension vonJul 2012

Dastehen wie ein Defekt

Andrea Bajani ist unweigerlich talentiert. Er schreibt in Bildern, sensibel, präzise, schön. Nur, dann geht es nicht weiter. Die Geschichte stockt an zahlreichen Stellen, was so schade ist, weil die Idee begeistert. "Liebe und andere Versprechen" heißt der Roman, der jetzt von dem 1975 in Rom geborenen Autor erschienen ist. 

Im Ansatz gut, könnte man sagen: Da ist die Geschichte um Pietro, seine zerbrochene Liebe zu Sara, einem Kind, das nicht zum Ich-Erzähler Pietro gehört, einem weiteren Kind im Wohnblock und um Mario. Der stirbt im Laufe des Romans - und irgendwie nicht nur einmal.

Bajani braucht unzählige Anläufe für seine Geschichte um Krieg und Frieden, um Liebe und Verachtung, um Leben und Tod. Schade ist das, zumal der Roman unglaublich stark beginnt.

Pietro und Sara sind ein Paar. Ein Paar mit Kinderwunsch, der sich nicht erfüllt. Der Autor beschreibt erschreckende Szenen, von innerlich zerfressene Frauen, die an jeder Ecke ungeborene Kinder sehen. Der Nachwuchs sammelt sich, rottet sich zusammen, wird zum Haufen, der in den Wohnungsecken liegt und immerzu schreit: "Hallo hier bin ich, bring mich zur Welt." Die Bilder sind stark. Zerstörend stark, erinnern an Stephen King.

Das Paar trennt sich. Die Bilder werden schwächer, nehmen auch dann keine Farbe mehr an, als Sara schwanger wird - von einem anderen Mann. Mitten in das Schwinden der Farben wird ein Satz geworfen, der leider nicht zum Neustart führt, wenngleich er der Geschichte eine Wendung verleiht. "Ruf deine Mutter an, Mario ist tot."

Mario ist Pietros Großvater, der Vater seiner Mutter. Ein von Kriegserlebnissen zerrütteter Mann - nein - mehr noch, ein zerfressenes Skelett. Allein Marios Erscheinung macht Angst. Mit dem Tod Marios beginnt Autor Bajani zu springen. Hin und her geht der Verlauf seines Romans. Mal spielt die Geschichte im Hier und Jetzt, dann blickt er zurück und greift gleich mehrere Erzählstränge wieder auf. Verstehbar zweifelsohne, aber lästig.

Dann betritt Olmo die Bühne. Kriegsveteran wie Mario, lebend und doch tot. Pietro reist nach Russland, zum Schauplatz des längst vergangenen Krieges, lernt interessante Menschen kennen und bleibt doch in den Wirrnissen der Erlebnisse hängen, die der alte Olmo seit Jahrzehnten mit sich herum trägt. Als schwere Bürde. 

Bajani reißt nur an. Er bringt auf den Weg und biegt dann selber ab. Lässt den Leser allein, mit einem Hinweis, einem Wink und steigt woanders wieder ein. Dabei hat die Geschichte Potenzial. Die Traumata der Kriegsgeneration sind längst nicht aufgearbeitet. Alpträume quälen und Geschichten verblassen nicht.

Was Andrea Bajani aber durchaus gelingt, ist, für die grausamen Geschehnisse des Krieges eine sanfte Sprache zu finden. Seine Bilder bleiben hängen, er greift Motive auf und hält sie fest, oft in sich einfach nur wiederholenden Sätzen. Er vergleicht und das durchaus gelungen, dass der Plot zuweilen der Schönheit der Sprache zu weichen scheint.

Der Roman wirkt dennoch wie eine Aneinanderreihung von Anfängen, die Sprache ändert daran nichts: Nicht genug, um einen wirklich guten Roman daraus zu machen.

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