Das rote Zimmer

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • : Manesse, 2012, Titel: 'Das rote Zimmer', Seiten: 576, Übersetzt: Peter Henning (Nachwort), Renate Bleibtreu

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Christine Ammann
Bitterböse Gesellschaftssatire aus Schweden

Buch-Rezension von Christine Ammann Jun 2012

August Strindberg (1849-1912) kennt man in Deutschland vor allem als Wegbereiter des modernen Theaters. Dass er auch den schwedischen Roman revolutionierte, ist weniger bekannt. Aber es war "Das Rote Zimmer", 1879 erschienen, mit dem Strindberg den Realismus in die schwedische Literatur einführte und mit dem ihm der Durchbruch gelang.

Zum 100. Todestag von August Strindberg hat der Manesse Verlag "Das Rote Zimmer" nun in der schönen Reihe "Bibliothek der Weltliteratur" herausgebracht, in einer Neuübersetzung und mit zahlreichen Anmerkungen und einem informativen Nachwort von Peter Henning versehen.

"Es war an einem Abend Anfang Mai". So poetisch, leicht und klar beginnt "Das Rote Zimmer" in der Neuübersetzung von Renate Bleibtreu, die die lyrischen Qualitäten der Strindbergschen Prosa jetzt auch im Deutschen wunderbar zum Klingen bringt. Und in dem berühmtesten Romananfang der schwedischen Literatur deutet sich schon Strindbergs Sinn für Ironie an. Denn "Das Rote Zimmer" ist alles andere als romantische Naturidylle, es ist eine satirische Abrechnung mit der Stockholmer Gesellschaft des 19. Jahrhunderts, die allerdings der unseren nicht unähnlich scheint.

Gleich zu Beginn des Romans schmeißt Arvid Falk, der Held, seine Beamtenlaufbahn hin und macht sich auf, als Literat der Wahrheit zu dienen. Der Treffpunkt der Künstler- und Philosophenkreise, in denen er ab nun verkehrt, ist das sogenannte Rote Zimmer in einem beliebten Stockholmer Vergnügungslokal. In 29 Episoden fächert Strindberg die verschiedenen Milieus, in denen sich sein Held bewegt, kaleidoskopartig vor den Augen des Lesers auf: Da ist Falks Bruder, Großhändler, der den Held um sein Erbe bringt, der Journalist, der privat Anvertrautes für einen Artikel verwendet, der Verleger, der nicht an Falks literarischen Werken interessiert ist, sondern ihn als Werbetexter oder Predigerbiograph einspannen will, der Künstlerkollege, der für ein bisschen Geld bereit ist, alles zu schreiben, was man von ihm verlangt. Und als Zeitungsjournalist muss Falk erleben, wie politische Debatten je nach Ausrichtung des Blattes tendenziös wiedergegeben werden und die Belange der Armen in allen Zeitungen außen vor bleiben. Da sind die Kleinaktionäre, die bei der Auflösung der Aktiengesellschaft die Dummen sind und natürlich, wie könnte es bei Strindberg anders sein, die Frauen, die die Männer an der Nase herumführen.

Opportunismus, Falschheit, Lüge, Betrug, bürokratische Verkrustungen und gieriges Taktieren regieren die Welt, in der sich Falk bewegt – egal ob Behörden, Verlage, Kirche, Politik, Wohltätigkeitsorganisationen, Presse oder Künstlerkreise. Es gibt keine Nische, die davon ausgenommen wäre. Besonders großen Raum nimmt in Strindbergs Roman die Medienwelt ein, in der sich der Autor gut auskannte, wie "Das Rote Zimmer" überhaupt viel Autobiographisches verarbeitet. Am Ende muss Falk erkennen: "Die Öffentlichkeit will kein Urteil, sie will, dass ihre Wünsche in Erfüllung gehen." Er sieht das Scheitern seiner Ideale ein, wird Lehrer und spielt das gesellschaftliche Spiel mit: "Falk hat so gar keine Ansichten, er ist der liebenswerteste Mensch, beliebt und geschätzt bei Vorgesetzten und Kollegen." 

Das alles erzählt Strindberg mit großem Sarkasmus und scharfem Blick für sein Personal. Seine Figuren sind Typen, die bis heute Gültigkeit haben:

"Von der Veranda trat ein kleiner Mann auf ihn zu, ..., mit immerfort freundlichem, geradezu jovialem Ausdruck um den boshaften Mund, ... , im Gang Sicherheit und Scheu zugleich andeutend. ... Die Gesellschaft der Person, auf die er zuging, schmeichelt ihm allerdings nun sichtlich, denn er lüpfte den ausgebeulten Hut ungewöhnlich hoch und bemühte sein jovialstes Lächeln.

´Herr Assessor haben doch nicht gewartet?’"

Knappe, spritzige Dialoge und Szenen, ironische Nadelstiche und feine Satire, die frische Sprache in der Neuübersetzung von Renate Bleibtreu, die, wie sie sagt, "den bewundernswert lyrischen Formenreichtum des schwedischen Autors ins Deutsche hinüberretten wollte" – machen "Das Rote Zimmer" zur vergnüglichen Lektüre und einer echten Entdeckung. 

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