Couch-Wertung:

70

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
0 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:0
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Andreas Kurth
Der Fußballgott aus Giesing

Buch-Rezension von Andreas Kurth Jun 2012

Anatol Hinueber ist relativ neu in der bayrischen Landeshauptstadt München. Und er kommt nicht gerade aus einem Nachbarland, sondern von einem Planeten in einer fernen Galaxie. Ein Mensch ist er schon gar nicht, aber er kann die Form des menschlichen Körpers relativ problemlos und täuschend echt annehmen. Von seinem Heimatplaneten Koho hat er einen ganz konkreten Auftrag mitbekommen. Er soll hochwertige DNA finden, um daraus perfekte Wesen klonen zu können, die dann exportiert werden sollen. Anatol richtet sich erst einmal ein, und beginnt Informationen über seine Umgebung und vor allem über die menschliche Lebensweise zu sammeln.

Allerdings stellt sich der Außerirdische bei seinen geheimen Recherchen zuweilen ziemlich dümmlich an. Die Bewegungsformen auf der Erde erlernt er erst nach und nach, dann läuft er viel zu schnell durch die Stadt und fällt auf. Das Aneignen von Wissen erfolgt durch Kopieren – was wiederum den Menschen auffällt, weil Anatol so rapide Wissen kopieren kann. Immerhin gelingt es ihm durchaus geschickt, Rezepte des offenbar renommierten Kochs Eckart Witzigmann nachzukochen, damit erkämpft er sich das Vertrauen eines jungen Fußballers und dessen Mutter.

Im Gegenzug träumt Hinueber nachts vom blauen Licht seiner fernen Heimatgalaxie. Dann wiederum beobachtet er seine Nachbarin ausgiebig durch das Küchenfenster. Um ihr Vertrauen zu gewinnen, lässt er sich auf den Austauscht von Körperflüssigkeiten ein -  Anatol hält das für ein notwendiges menschliches Ritual. Doch dann entwickelt der Alien völlig unerwartet Gefühle, ein auf seinem eigenen Planeten unübliches Verhalten. Schließlich besinnt er sich auf seinen Auftrag und sucht nach der perfekten DNA – die er in einem "Fußballgott von Giesing" genannten Menschen zu finden glaubt. Es dauert lange und erfordert einige Umwege, bis er den Fußballer Franz Beckenbauer endlich aufgespürt hat. Doch dann kommt es zu einem überraschenden Finale.

Armin Kratzert wirft in seinem kurzweiligen Roman einige interessante Fragen auf – die er zum Teil auch humorvoll beantwortet. Wie würde ein Alien diese Welt wahrnehmen und beurteilen? Speziell München und seine ganz normalen Bewohner? Hinter dem scheinbaren Blickwinkel eines Außerirdischen verbirgt der Autor seine höchst ironische Soziographie der bajuwarischen Metropole. Mit viel Wortwitz und unterhaltsamen Dialogen sorgt Kratzert für einen ganz anderen Blickwinkel auf diese spezielle Landsmannschaft und ihre Eigenarten. Als Beispiel sei hier nur die Beschreibung einer Berufsgruppe zitiert: "Hausmeister, habe ich gelernt, das sind im allgemeinen diese übellaunigen, vierschrötigen Gesellen in schmutziggrauen Arbeitskitteln, die immer irgendwelche Gegenstände über den Hof schleppen und einen Grund suchen, Kinder, Nachbarn oder Besucher zu beschimpfen."

Und der Fußball mit seinen zusätzlichen Schrullen bekommt dabei auch reichlich "Fett" ab. Denn wo auch immer der so genannte "Fußballgott aus Giesing" unter den Normal-Sterblichen wandelt, wird er glorifiziert – der Heiligenschein müsste selbst auf dem fernen Planeten Koho zu sehen sein. Ob es möglich wäre, mit der DNA von Beckenbauer ein nahezu perfektes Wesen zu bauen – diese Frage bleibt dann aber doch ohne Antwort. Aber immerhin lernt  Anatol Hinueber viele interessante Fakten. Der schöne  blaue Himmel über München erinnert den Alien zudem an seinen Heimatplaneten – so dass er schließlich auf der Erde bleiben will. Der Autor lässt zuweilen spüren, dass er die Stadt München und ihre Menschen im Grunde seines Herzens bewundert – und das überträgt Kratzert auf seinen Protagonisten. 

Höchst bemerkenswert sind die Erkenntnisse über den Fußball, die der Autor dem Außerirdischen in den Mund legt: "Das atemlose Gerenne auf dem Platz, das Pfeifen des Schiedsrichters, die Stürze, das Gestikulieren des Trainers dienen allenfalls der Verschleierung. Denn wie gespielt wird, wer ein Tor schießt, wer gewinnt, das wird vorher genau ausgemacht, und zwar an der Säbener Straße, dem Mittelpunkt der Welt", glaubt Hinueber zu wissen. Ob Kratzert das auch noch nach der Niederlage der Bayern gegen Chelsea so geschrieben hätte, kann gerne in Zweifel gestellt werden. Der Unterhaltungswert dieses netten Romans wird jedoch durch das profane Resultat eines Fußballspiels kaum geschmälert. Ein Ärgernis ist allenfalls der Preis, der für 169 Seiten voller Unsinn auf hohem Niveau ziemlich happig ist.

Beckenbauer taucht nicht auf

Beckenbauer taucht nicht auf

Deine Meinung zu »Beckenbauer taucht nicht auf«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
09.07.2015 18:24:47
someone

Zugegegen: Die Idee hat Potenzial. Da kommt ein Alien und soll den Beckenbauer aus Giesing mit auf den fremden Planeten bringen, da er die weltbesten Gene haben muss: Er hat sich vom Giesinger Burschen zum Weltklasse-Fußballspieler entwickelt, seine Geschäfte laufen auch nach seiner aktiven Karriere noch prima - und offensichtlich kann er sich auch bestens reproduzieren. Kratzert kombiniert Münchner Klischees geschickt und baut lustige Episoden ein: So merkt der Alien, der die Form eines normalen Bürgers eingenommen hat, auf seinem Weg zur Säbener Straße erst recht spät, dass sich die Menschen zu Fuß nicht mit 60 km/h, sondern deutlich langsamer bewegen. Oder das erste Kicken mit dem Nachbarsjungen, als der vom Alien getretene Ball hoffnungslos im All verloren geht. Nebenbei wird dann endlich auch der immer haltende Fußball erfunden, der nicht mehr mit Luft aufgepumpt werden muss.
Das ganze Buch ist eine schöne Idee, sprachlich etwas spröde aber dadurch sehr passend zum halbwegs gefühllosen Alien umgesetzt. Wer München und Fußball mag, wird die etlichen Seitenhiebe auf den großen Star sicher gerne lesen.
Abzug gibt es aber dennoch: Leider greift Kratzert auf die Stilmittel zurück, die ein Buch offensichtlich immer verkaufen. Gleich in der ersten Szene beobachtet der Avatar seine schöne Nachbarin bei der Selbstbefriedigung. Immerhin ist später nur noch von diversen Körpersäften die Rede. Schade, denn die Idee trägt sich eigentlich selbst und hätte diesen billigen Ausflug gleich zu Anfang gar nicht gebraucht. Zudem ist das Buch für ein Lesevergnügen von gerade mal einer guten Stunde doch happig teuer.

Fazit: Wer den Rummel um Beckenbauer schon immer kritisch beobachtet hat sollte das Buch lesen: Am Ende wird einem alles klar... Wer lieber auf billige Stilmittel verzichten und zudem mehr "Value for money" bekommen möchte, sollte nicht zugreifen. Knapp 20 EUR sind zuviel für eine gute Stunde Lesen.

Film & Kino:
The Crown - Staffel 3

Die Queen in ihrer vordergründig repräsentativen Rolle ist eine zeitgeschichtliche Ikone, sodass der Erfolg der seit 2016 bei Netflix laufenden Serie „The Crown“ nicht verwundert. Die dritte Staffel markiert allerdings einen Umbruch: Die Royal Family ist in den 60er-Jahren angekommen und viele Rollen werden neu besetzt, da auch die Blaublüter nicht vor dem Altern gefeit sind. Titel-Motiv: © Des Willie / Netflix

zur Film-Kritik