Liebe und Sommer

  • München: dtv, 2012, Seiten: 224, Übersetzt: Hans-Christian Oeser
  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 2009, Seiten: 222, Übersetzt: Hans-Christian Oeser
Liebe und Sommer
Liebe und Sommer
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Daniela Loisl
80

Belletristik-Couch Rezension vonMai 2012

Dinge enden

Der irische Autor William Trevor, hat den 2009 in England erschienenen Roman "Love and Summer", im Alter von stolzen 81 Jahren verfasst.

Auszeichnungen hat der Autor beinah ebenso viele erhalten wie er Romane, Erzählungen oder Theaterstücke schrieb. Mit seinem letzten Buch "Liebe und Sommer", hat er sich eines sehr beliebten - und man möchte fast sagen, banalen – Themas angenommen, der Liebe.

Nun, Liebesromane gibt es in Hülle und Fülle und ob einer mehr oder weniger – was macht das schon für einen Unterschied. Liest man die Kurzbeschreibung des Buches, wird man sich in der Annahme, dass es sich um einen ganz einfachen Liebesroman handle, sogar noch bestätigt fühlen. Aber ganz so einfach und trivial wie es scheint ist Trevors Werk bei Weitem nicht.

Zeit sollte man sich nehmen für das Buch und Muße haben für eine ruhige und leise Erzählung, die nur ab und an mit einem lauten Knall die Stille unterbricht, wenn die Szene es erfordert. Trevor, bekannt für stets melancholische und meist auch hoffnungslose Zukunftsaussichten eines sich liebenden Paares, agiert auch hier mit stiller Sprachgewalt. Schon Theodor Fontane zeigte - ganz besonders mit "Effi Briest" - was es heißt, etwas so klar und deutlich zu zeichnen, dass der Leser die Situation vor Augen hat, aber dennoch die eigentliche Handlung mit keinem Wort zu erwähnen. Diese geschickt in Szene gesetzten Andeutungen, das Lesen zwischen den Zeilen, steht im krassen Gegensatz zu den feinen, subtilen und manchmal sogar ausschweifenden Beschreibungen der ganzen Szenerie.

Ellie und Florian sind es, die in dem bewussten Sommer ihre Liebe auf leisen Sohlen entdecken. Leise deshalb, weil Ellie verheiratet ist und einerseits diese Ehe und der damit verbundene Treueschwur ebenso wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der beiden schwebt, wie Florians vorerst verheimlichtes Ziel, Ende des Sommers aus Irland fortzugehen.

Rathmoye in den 50er Jahren ist der Ort des Geschehens. Hier treffen die beiden jungen Leute aufeinander. Ellie fasst zu Florian so schnell Vertrauen, dass sie ihm auf ihren gemeinsamen Spaziergängen von ihrem Leben und auch all ihre Sorgen erzählt. Ellie, die als Findelkind im Heim aufgewachsen war und jetzt mit dem wortkargen und gutmütigen Farmer Dillahan verheiratet ist, erlebt das erste Mal in ihrem Leben Geborgenheit und Liebe. Aber nicht nur sie, sondern auch Florian Kilderry genießt die gemeinsame Zeit in vollen Zügen. Sie fühlt sich verstanden und er sich in ihrer Nähe wohl. Eine trügerische, aber wundervolle Zeit, von der beide wissen, dass sie in absehbarer Zeit ein Ende hat. Doch dieses Ende wird beiseite geschoben, ignoriert und möglichst vergessen. Der Augenblick zählt, obwohl der näher rückende Abschied ihnen stets wie ein dunkler Schatten folgt.

Prosa in der eleganten Art, fein, empathisch und dennoch glasklar zeichnet Trevor die Begegnung zweier Menschen die einen Sommer lang glücklich miteinander sind. Schwülstige Liebesszenen, große Treueschwüre oder gar detaillierte Sexszenen, wie man sie von tausenden banalen Liebesromanen kennt, sucht man bei William Trevor vergebens.

Trevors Sprache ist bewusst einfach und leicht, doch keineswegs platt oder trivial. Die schlichte Einfachheit ist es, mit der der Autor die ganze Szene festhält und es dennoch schafft, diese differenziert und profund auszumalen. Man sieht nicht nur das kleine Dorf, die weiten Wiesen mit den Schafweiden oder die Wälder vor sich - was sich jetzt vielleicht etwas gar allzu anheimelnd und idyllisch liest – sondern spürt auch förmlich die Blicke der misstrauischen Bewohner, die Eindringlinge in ihre Welt gar nicht gerne sehen. Wie nebenbei skizziert Trevor auch das soziale Milieu Rahmoyes, gibt Einblicke in die manchmal schon etwas entrückte Welt der Bauern und Frauen im Dorf. Schnell gibt es Getratsche und jeder meint mehr zu wissen als der andere. Aber dies alles ist nichts Neues, denn jeder auf dem Land Lebender kennt solche Szenen, die sich in all den vergangenen Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten nicht ein bisschen verändert haben.

Eine trügerisch leicht erzählte Roman, der mehr Tiefgang hat als man vermuten möchte.

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