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Daniela Loisl
Etwas zu viel der Qual

Buch-Rezension von Daniela Loisl Mai 2012

Anne Brontë, die jüngste der Brontë-Schwestern, veröffentlichte ihren Debütroman "Agnes Grey" 1847. Unverkennbar, dass Anne Brontë sich in der Protagonistin selbst sieht und ihre eigenen Erfahrungen als Gouvernante in die Geschichte mit einfließen lässt.

Man möge meinen, in "Agnes Grey" eine Anlehung an den viel bekannteren Roman "Jane Eyre" zu finden, der von ihrer Schwester Charlotte geschrieben wurde und der im selben Jahr wie "Agnes Grey" und "Wuthering Heights" - von Emilie Brontë unter einem Pseudonym verfasst - erschien.

Wie auch im Roman "Jane Eyre" geht es in diesem Buch um das Leben einer jungen Gouvernante. Agnes, wie die Autorin selbst als Pfarrerstochter aufgewachsen, will nach dem Tod ihres Vaters einen Beitrag zum Familienunterhalt leisten und sucht sich eine Stelle als Erzieherin.

Anne Brontë pflegt einen leichteren Erzählstil als ihre Schwestern und auch die Sprache wirkt unausgereifter. Dennoch ist es zweifelsfrei ein unterhaltsamer Roman, der einen sehr guten Einblick  in die Hierarchien des damaligen Gesellschaftslebens zeigt. Man musste nicht von Adel sein, um sich Dienstboten leisten zu können, wenngleich die sogenannten "Neureichen" von der adeligen Gesellschaft nicht gerade geachtet wurden, so kam man dennoch nicht umhin, sie in den gehobenen Kreisen zumindest zu akzeptieren.

Diese feinen Unterschiede von der vermeintlich besser gestellten Gesellschaftsschicht in Bezug auf Wertigkeit und Achtung, aber auch das extreme Herabsehen bis hin zur Ignoranz auf die untere Schicht, die arbeitende Klasse, veranschaulicht Brontë treffend und mit viel Feingefühl. Es war auch Sinn und Zweck der Autorin, die extrem schlechte Stellung einer Gouvernante zu veranschaulichen. Viele junge Frauen kamen direkt von ihrer Familie in große Häuser, um die Betreuung des Nachwuchses zu übernehmen. Selbst ohne jegliche Erfahrung in Kindererziehung, aber dafür mit guter Schulbildung, stellten sich die oft noch blutjungen Damen das alles einfacher vor als es in der Realität dann war.

Ungerechte Behandlungen und Zurechtweisungen mussten Gouvernanten oft ebenso hinnehmen wie die Hochnäsigkeit der jungen Brut, der die überheblichen Eltern selbst nicht Herr werden konnten, ohne zu drastischen Mitteln zu greifen. Strenge Erziehungsmaßnahmen waren oft nötig, aber dieses Recht wurde den Erzieherinnen abgesprochen.

Genau diese Probleme stellt Anne Brontë mit ihrer Protagonistin in den Focus. Dies gelingt ihr auch auf sehr glaubwürdige Weise, jedoch kann man sich des Gefühls nicht erwehren, dass auch eine nicht gerade kleine Portion Selbstmitleid dabei eine Rolle spielt.

Brontë lässt Agnes Grey selbst erzählen. Einerseits begegnet man mit Agnes einer sehr jungen und unerfahrenen Träumerin, merkt aber schnell, dass sie Durchhaltewillen hat und  dazu auch die Intelligenz, sich gegen so manch aufsässiges und dreistes Geschwisterpaar die richtige Strategie einfallen zu lassen, um letztendlich doch ans Ziel zu kommen. Zu guter Letzt jedoch lässt die Autorin ihre Protagonistin stets den Kürzeren ziehen. Durch Agnes Erzählung weiß man, dass sie eine kluge Frau ist, die ganz genau weiß, was sie anders machen müsste, dies jedoch niemals wagt. Agnes Grey wirkt zeitweise sehr pseudoaltruistisch, beinah masochistisch. Sie lässt sich quälen und setzt nichts entgegen, obwohl sie dies des Öfteren durchaus könnte. Als sie dann Edward Weston, einen Hilfspfarrer, kennenlernt und sich in ihn verliebt, lässt Brontë sie reagieren wie es ihr gesellschaftlicher Stand erlaubt, wagt es aber nicht, Agnes auch eine kleine Portion Rückgrat mitzugeben, um sich zu wehren, als sie von einem ihrer Schützlinge regelrecht verleumdet wird.

Dieses extrem devote Verhalten wird einem als Leser oft einfach zu viel und man möchte der Figur am liebsten manchmal einen Schubs geben, um ihr die richtige Richtung zu zeigen.

Der größte Teil des Romans handelt von der Qual und der Pein eines Gouvernantenlebens, diese Frauen konnten und durften sich nicht helfen, wurden stets ungerecht behandelt, durften sich nicht wehren und wurden auch noch schlecht bezahlt. All dies ist natürlich vollkommen korrekt und realistisch für die Zeit, wird aber in so geballter und, ja, schon wehleidiger Form dem Leser näher gebracht, dass weniger sicher mehr gewesen wäre. .Zu viele Tränen, zu viel Selbstbedauern und das in sich wiederholenden Form. Der Schluss ist wie von Romantikern gewünscht und war schon damals so gehalten wie man ihn heute in allen Büchern des üblichen Mainstreams findet.

Insgesamt ein smartes, unterhaltsames und leicht zu lesendes Buch, das aber den Vergleich zu "Jane Eyre" nicht annähernd standhält, weder stilistisch noch sprachlich. 

Deine Meinung zu »Agnes Grey«

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Letzte Kommentare:
01.05.2020 12:53:37
Shippy

Im Gegensatz zu den Romanen ihrer Schwestern, ist dieser sehr einfach zu lesen und schnell zuverstehen. Inhaltlich zum Teil etwas flach und wenig spannend, aber dennoch ein authentisch wirkender Einblick in die Zeiten des 19. Jahrhunderts. Agnes Grey scheint eine einfache Gouvernante mit fehlern zu sein, nicht ganz so perfekt wie "Jane Eyre" von Charlotte.
Fazit: Nicht die anspruchsvollste Literatur, aber für den Sommerurlaub, wo man schnell abgelenkt wird, auf jeden Fall zum lesen geeignet. In einer Woche für Durchschnitts-Leser machbar.

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