Onno Viets und der Irre vom Kiez

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Bochum: Roof Music, 2012, Seiten: 1

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Wolfgang Franßen
Herrenrunde

Buch-Rezension von Wolfgang Franßen Mai 2012

Wer sich von Frank Schulz neuem Roman einen Kiezführer für Hamburg verspricht, wird enttäuscht werden. Zwar zieht einen die Geschichte um den Hartz-4-Empfänger Onno Viets tief ins Milieu, doch wird eines sogleich klar, wenn die Ereignisse an jenem denkwürdigen 13. August mittels Videomitschnitt beschrieben werden, der Autor treibt ein virulentes Spiel mit der Brechung. Die Thriller spezifische Frage, welche Leichenteile untersuche ich zuerst, ist der Mörder ein Psychopath oder wie bringe ich so viel Blut wie möglich unter, wird sprachmächtig umschifft. Hinter einer Schelmengeschichte verbirgt sich die menschliche Farce.

Frank Schulz urteilt milde über die Menschheit. Sie mag sich vielleicht lächerlich machen, aber sie empfindet sich niemals so. Dafür nimmt sie sich zu ernst.

Laut eigenem Bekunden nimmt der Autor das Genre Krimi viel zu ernst, um es zu verballhornen. Seine tollpatschigen Helden, ob Onno und seine ewigen Herausforderer an der Tischtennisplatte, ob die Pop-Größe Nolan, ob dessen Freundin, die vom Boulevard vergötterte Fiona Popo, sind einem sogleich sympathisch. Selbst das Alstermonster Tetropov, das "Händchen" - 130 Kilo leicht, zwei Meter Groß und selbst ernannter Meister des "Dim mak", jenes legendären Schlages auf den Vitalpunkt, der mit "minuten-, stunden-, gar wochenlanger Wirkungsverzögerung töten können soll. Jedenfalls glaubt er das. Er wird am Anfang nackt auf einem Motorrad über einen Landungssteg in die Alster rasen, um einen Ausflugsdampfer zu kapern.

Was soll einer machen, wenn er wie Onno Viets das Finanzamt im Nacken sitzen hat, die Ehefrau in Kürze Geburtstag feiert und das Konto nicht nur leer ist, sich auch in absehbarer Zukunft nicht füllen wird? Sam Spade hat es vorgemacht. Ein Detektiv muss immer am Rande des Wahnsinns agieren. Vor allem mit leerem Geldbeutel. Nach außen jedoch stets cool bleiben.

Onno ist da anders. Er kommt quasi durch Frühstücksfernsehen zu seiner Berufung und gibt das neue Berufsfeld gleich in die Suchmaschine ein. Er ist kein ehemaliger Cop, kein Marine, nicht mal ein überqualifizierter BND-Mitarbeiter. Um seine Nerven steht es nicht zum Besten. Auch ist das Schnüffeln nicht seine geheime Leidenschaft. Sicher es gibt schlechtere Jobs. Wer stellt sich in seinem Alter schon gerne bei McDonalds hinter die Theke? Wer gibt ihm in seinem Alter überhaupt noch einen Job? Zumal jemandem, der das Arbeiten nicht so richtig erfunden hat. Selbst ist der Mann, denkt Onno, und macht sich als Privat Eye an die Arbeit.

Das dreckigste Geschäft im Leben eines Detektives ist es, eine Ehefrau oder eine Geliebte auszukundschaften. Daraus entwickeln sich genreübergreifend zumeist riesige Umweltskandale, bodenlose Korruption, skrupellose Mafiamorde oder es werden gleich Präsidenten gestürzt, nachdem sie über vierhundert Seiten den Geheimdienst auf einen armen, genialen Privatermittler gehetzt haben.

Bei Onno Viets kommt es erst gar nicht soweit. In seinem neuen Berufsleben wird alles, was schief gehen kann, auch schief gehen. Onno nimmt auf Vermittlung eines befreundeten Rechtsanwaltes einen Auftrag an, der ihn ins halbseidene Showbusiness führt. Er soll das Porno-Starlet Fiona Popo bei ihrem Seitensprung auf Mallorca fotografieren. Und obwohl er in ständigem Kontakt mit seinem Auftraggeber steht, will der Zufall es, dass er ausgerechnet mit seinem Observationsobjekt auf dem Flug Bekanntschaft schließt. Darüber hinaus ist er auch noch so unvorsichtig, ihr seine Handynummer zu geben. So dass er kurz darauf mit jenem "Händchen" Bekanntschaft macht, das ihn sogleich in sein Herz schließt, ihn als seinen Freund bezeichnet. Und Freundschaft, wie jeder weiß, bedeutet in diesen Kreisen was. Vor allem für jemanden wie "Händchen", der keine Freunde hat.

Was soll ein Detektiv da machen? Onno wird Teil eines Spiel, dessen Regeln er gar nicht durchblickt und an dessen Ende er in Gefahr gerät.

Frank Schulz hat keinen Krimi geschrieben. Was ihn sicher auch auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2012 gebracht hat. Trotz aller augenzwinkernder Gewalt oder der Darstellung, wie ein Auge erst ausgesaugt und dann abgebissen wird. Dafür juckt es den Autor viel zu sehr in den Fingern, dem Absurden in Sprache wie Szenen zu folgen. Dafür kennt er sich an der Tischtennisplatte, dem Stammtisch, im deutschen Liedgut von "Dschinghis Khan" bis "Weiße Rosen aus Athen" zu gut aus.

Darunter leidet zuweilen der Suspense, aber das Vergnügen am Überlebenskampf abseits der sicheren Rente wird kaum beeinträchtigt. Auch wenn der Hardcore-Krimi-Fan enttäuscht sein wird. Bei Schulz sitzt die Pointe, ist der sprachliche Ausdruck feingeschliffen und er schreckt auch vor dem groben Witz nicht zurück. 

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Letzte Kommentare:
05.11.2012 09:22:23
Thomas Heidler

Ich habe schon so viele Krimis gelesen in den letzten Jahren, überwiegend amerikanische und skandinavische.Mein Bedarf war eigentlich gedeckt.Nun wollte ich etwas original deutsches lesen. Da kam mir der Schulz mit seinem Onno gerade recht.
Man nimmt dieses Buch in die Hand, beginnt zu lesen und zu staunen......
Die Kritiker setzen in ihren Rezensionen immer
Schulz mit Sprachgewalt gleich. Das kann man so nicht stehen lassen. Schulz ist Sprachkunst.Kunst kommt von Können. Schulz beherrscht die deutsche Sprache, dass dem Leser Schauer über den Rücken laufen.
Onno Viets ist das erste Buch nach vielen Jahren, welches ich mehrmals lesen werde.

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