Monsieur Papon oder ein Dorf steht Kopf

  • Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2012, Seiten: 9, Übersetzt: Ursula Berlinghof
  • London: Hodder, 2011, Titel: 'L´auberge', Seiten: 280, Originalsprache
Monsieur Papon oder ein Dorf steht Kopf
Monsieur Papon oder ein Dorf steht Kopf
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Kathrin Plett
85

Belletristik-Couch Rezension vonMai 2012

Englische Küche trifft französische Tradition

Ein kleines Dorf in den Pyrenäen: Abgelegen, verschlafen, die pure Idylle. Wer würde hier nicht gerne Leben - oder zumindest Urlaub machen?

Die Frage stellen sich im Roman "Monsieur Papon oder ein Dorf steht Kopf" auch die beiden Engländer Paul und Lorna Webster und beschließen kurzerhand die heruntergekommene "Auberge" des Dorfes Fogas zu kaufen, um künftig selbst dort zu wohnen und Urlaubern die Möglichkeit zu bieten, die Schönheit der Gegend kennen zu lernen. Doch das sich ihr Vorhaben so leicht nicht umsetzen lässt, wird ihnen schnell klar, denn so idyllisch das Dorf nach außen auch scheint: Vor allem der Bürgermeister ist entschieden dagegen, die Auberge in Zukunft in den Händen von Ausländern zu wissen und setzt alles daran, die Auberge doch noch seinem Schwager zukommen zu lassen...

Julia Staggs Roman erzählt, wie sich das Leben im kleinen Pyrenäendorf Fogas verändert, nachdem sich die bisher so vertraute Dorfgemeinschaft um die beiden Engländer erweitert hat. Ausländer im Dorf, das grenzt für den Bürgermeister Papon schon an einen Skandal! Ihm ist sofort klar, sein Schwager und kein anderer ist es, der in Zukunft das Restaurant zu leiten hat. Wenn die Websters also nicht freiwillig gehen, sind andere Mittel und Wege erforderlich, um den Frieden im Dorf zu wahren. Gemeinsam mit seinen Stellvertretern entwickelt er Maßnahmen, die seiner Ansicht nach, die Ordnung im Dorf wiederherstellt.

Doch nicht alle tragen seine Intrigen mit, denn die Engländer sind mit ihrer offenen und naiven Art alles andere als unsympathisch. Und so nimmt das Chaos seinen Lauf.

Julia Stagg ist mit ihrem Debütroman eine turbulente Erzählung gelungen, die der Vorstellung eines französischen Dorfes der meisten Leser entsprechen wird. Der ureigene Charme der Franzosen, das Traditionsbewusstsein und ihre liebenswerte, etwas reservierte und konservative Haltung, wie sie auch in Filmen wie "Die Kinder des Monsieur Matthieu" oder "Willkommen bei den Sch'tis" dargestellt wird, kommt auch bei Stagg zum Ausdruck.

Die Autorin beschreibt die Handlung aus verschiedenen Perspektiven, so dass sie den Leser das Geschehen durch die Augen der verschiedenen Dorfbewohner verfolgen lässt und die Beziehungen und Einstellungen der Dorfbewohner untereinander deutlich werden, ein Bezug zur Vergangenheit hergestellt wird, aber auch die Gefühle und Meinungen zum Vorschein kommen. Jede einzelne Figur ist detailreich ausgearbeitet, was sie besonders plastisch und lebendig wirken lässt, so dass der Leser trotz der vielen unterschiedlichen Charaktere die Übersicht behält und sich nicht zwischen lauter Namen verliert. Interessant und amüsant ist dabei das Spiel der Stimmen, die die Autorin den Figuren durch Dialekte und Ausspracheeigenarten verleiht, indem sie das Nuscheln der Bäuerin, die gestelzte Sprache des Bürgermeisters oder vor allem den englischen Dialekt des ausländischen Pärchens deutlich werden lässt.

Durch die sich ändernden Perspektiven ist es Stagg möglich, der Handlung zuvorzukommen oder Pläne anderer Personen vorwegzunehmen. Durch einen erneuten Wechsel wird der  Leser zum Mehrwisser und muss scheinbar verfolgen, wie andere Figuren auf vermeintliche Katastrophen zusteuern, was die Spannung erhöht. Gleichzeitig schafft das aber auch eine Art Nähe, beziehungsweise Distanz zwischen Leser und Figuren, indem Sympathie und Antipathie erzeugt werden.

Der Leser kennt die Intrigen des Bürgermeisters, weiß er aber auch um seine Traurigkeit und Verzweiflung, die er durch die schwere Krankheit seiner Frau empfindet, was den restlichen Dorfbewohner nicht bewusst ist.

Stagg spielt auf diese Weise auch mit der moralischen Einstellung des Lesers selbst, wie steht er zu den Personen, welche Rollen weist er ihnen zu?

Auch wenn die Handlung an und für sich eher dem Genre der Unterhaltung zuzuordnen ist, ist Stagg durch ihre raffinierte Art die Story zu erzählen, ein Roman gelungen, der mehr bietet als kurzweiliges und flaches Lesevergnügen. Obwohl sie an vielen Stellen Klischees aufgreift, lastet dies dem Roman nicht negativ an, sondern lässt eine Vertrautheit entstehen, durch die sich der Leser schnell in der Handlung zurechtfindet. Die unterschiedlichen Perspektiven machen den Roman abwechslungsreich und erhöhen die Spannung.

Ein gelungener Roman, der Lust auf einen Urlaub in den französischen Pyrenäen macht!

Monsieur Papon oder ein Dorf steht Kopf

, TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch

Monsieur Papon oder ein Dorf steht Kopf

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