Monsieur Papon oder ein Dorf steht Kopf

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2012, Seiten: 9, Übersetzt: Ursula Berlinghof
  • London: Hodder, 2011, Titel: 'L´auberge', Seiten: 280, Originalsprache

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Kathrin Plett
Englische Küche trifft französische Tradition

Buch-Rezension von Kathrin Plett Mai 2012

Ein kleines Dorf in den Pyrenäen: Abgelegen, verschlafen, die pure Idylle. Wer würde hier nicht gerne Leben - oder zumindest Urlaub machen?

Die Frage stellen sich im Roman "Monsieur Papon oder ein Dorf steht Kopf" auch die beiden Engländer Paul und Lorna Webster und beschließen kurzerhand die heruntergekommene "Auberge" des Dorfes Fogas zu kaufen, um künftig selbst dort zu wohnen und Urlaubern die Möglichkeit zu bieten, die Schönheit der Gegend kennen zu lernen. Doch das sich ihr Vorhaben so leicht nicht umsetzen lässt, wird ihnen schnell klar, denn so idyllisch das Dorf nach außen auch scheint: Vor allem der Bürgermeister ist entschieden dagegen, die Auberge in Zukunft in den Händen von Ausländern zu wissen und setzt alles daran, die Auberge doch noch seinem Schwager zukommen zu lassen...

Julia Staggs Roman erzählt, wie sich das Leben im kleinen Pyrenäendorf Fogas verändert, nachdem sich die bisher so vertraute Dorfgemeinschaft um die beiden Engländer erweitert hat. Ausländer im Dorf, das grenzt für den Bürgermeister Papon schon an einen Skandal! Ihm ist sofort klar, sein Schwager und kein anderer ist es, der in Zukunft das Restaurant zu leiten hat. Wenn die Websters also nicht freiwillig gehen, sind andere Mittel und Wege erforderlich, um den Frieden im Dorf zu wahren. Gemeinsam mit seinen Stellvertretern entwickelt er Maßnahmen, die seiner Ansicht nach, die Ordnung im Dorf wiederherstellt.

Doch nicht alle tragen seine Intrigen mit, denn die Engländer sind mit ihrer offenen und naiven Art alles andere als unsympathisch. Und so nimmt das Chaos seinen Lauf.

Julia Stagg ist mit ihrem Debütroman eine turbulente Erzählung gelungen, die der Vorstellung eines französischen Dorfes der meisten Leser entsprechen wird. Der ureigene Charme der Franzosen, das Traditionsbewusstsein und ihre liebenswerte, etwas reservierte und konservative Haltung, wie sie auch in Filmen wie "Die Kinder des Monsieur Matthieu" oder "Willkommen bei den Sch'tis" dargestellt wird, kommt auch bei Stagg zum Ausdruck.

Die Autorin beschreibt die Handlung aus verschiedenen Perspektiven, so dass sie den Leser das Geschehen durch die Augen der verschiedenen Dorfbewohner verfolgen lässt und die Beziehungen und Einstellungen der Dorfbewohner untereinander deutlich werden, ein Bezug zur Vergangenheit hergestellt wird, aber auch die Gefühle und Meinungen zum Vorschein kommen. Jede einzelne Figur ist detailreich ausgearbeitet, was sie besonders plastisch und lebendig wirken lässt, so dass der Leser trotz der vielen unterschiedlichen Charaktere die Übersicht behält und sich nicht zwischen lauter Namen verliert. Interessant und amüsant ist dabei das Spiel der Stimmen, die die Autorin den Figuren durch Dialekte und Ausspracheeigenarten verleiht, indem sie das Nuscheln der Bäuerin, die gestelzte Sprache des Bürgermeisters oder vor allem den englischen Dialekt des ausländischen Pärchens deutlich werden lässt.

Durch die sich ändernden Perspektiven ist es Stagg möglich, der Handlung zuvorzukommen oder Pläne anderer Personen vorwegzunehmen. Durch einen erneuten Wechsel wird der  Leser zum Mehrwisser und muss scheinbar verfolgen, wie andere Figuren auf vermeintliche Katastrophen zusteuern, was die Spannung erhöht. Gleichzeitig schafft das aber auch eine Art Nähe, beziehungsweise Distanz zwischen Leser und Figuren, indem Sympathie und Antipathie erzeugt werden.

Der Leser kennt die Intrigen des Bürgermeisters, weiß er aber auch um seine Traurigkeit und Verzweiflung, die er durch die schwere Krankheit seiner Frau empfindet, was den restlichen Dorfbewohner nicht bewusst ist.

Stagg spielt auf diese Weise auch mit der moralischen Einstellung des Lesers selbst, wie steht er zu den Personen, welche Rollen weist er ihnen zu?

Auch wenn die Handlung an und für sich eher dem Genre der Unterhaltung zuzuordnen ist, ist Stagg durch ihre raffinierte Art die Story zu erzählen, ein Roman gelungen, der mehr bietet als kurzweiliges und flaches Lesevergnügen. Obwohl sie an vielen Stellen Klischees aufgreift, lastet dies dem Roman nicht negativ an, sondern lässt eine Vertrautheit entstehen, durch die sich der Leser schnell in der Handlung zurechtfindet. Die unterschiedlichen Perspektiven machen den Roman abwechslungsreich und erhöhen die Spannung.

Ein gelungener Roman, der Lust auf einen Urlaub in den französischen Pyrenäen macht!

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Letzte Kommentare:
19.03.2015 08:48:46
rumble-bee

Es gibt zwei Arten von Erstlingswerken. Erstens, Bücher, bei denen man staunt, dass der Autor nicht schon längst viel bekannter ist - sie wirken "wie aus einem Guss", sind nahezu perfekt in der Ausführung, überraschen durch ihre Originalität und Eleganz. Zweitens jedoch gibt es auch die Erstlinge, denen man ihr "Neusein" anmerkt - alles ist zwar durchaus nett, aber nicht ganz "rund"; man sieht sozusagen noch die "Nähte", an denen die Ideen zusammengefügt wurden. "Monsieur Papon" von Julia Stagg gehört für mich eindeutig in die zweite Kategorie.

Vorab aber zu den guten Seiten! Die Grundidee hat mir gut gefallen, ebenso wie der liebenswerte Witz, der das ganze Buch durchzieht. Zwei Engländer, die - ausgerechnet - in Frankreich ein Restaurant eröffnen wollen, und nun mit viel Gegenwind zu kämpfen haben. Ich habe oft schallend gelacht! Die Autorin hat ein unbestreitbares Händchen für Situationskomik und slapstickartige Konstellationen. Da geht es z. B. um verbrannte Hintern, Chili in Schokoladenkuchen, einen elektrischen Weidezaun, der einem beleibten Mitmenschen zum Verhängnis wird, einen entflohenen Stier, und noch etliches mehr. Mir hat auch gefallen, wie die einzelnen Kapitel aufgebaut sind - Person X tat gerade dies, während Person Y heimlich hier zugange war, und Person Z die Situation vollends komplizierte, weil sie dies und jenes tat. Wirklich stellenweise sehr köstlich!

Aber meine Bedenken möchte ich ebenso wenig verschweigen - oder sagen wir besser, die Dinge, die mir - eher negativ - aufgefallen sind. Da wären zum einen die wirklich erdrückenden (!) Parallelen zu "Chocolat". Es fällt mir sehr schwer zu beurteilen, inwiefern die Autorin sich hier nur inspiriert hat - oder ob sie anspielen oder gar parodieren wollte. Es tauchen einfach unglaublich viele Motive und Anlässe auf, wie sie aus "Chocolat" bekannt sind. Beide Autorinnen sind Engländerinnen, die ihre Geschichte in einem schrulligen Dorf in Frankreich ansiedeln. Es gibt die missliebige Restauration, die eröffnet werden soll. Es gibt die alleinerziehende Mutter mit ihrer Tochter, die plötzlich ins Dorf kommt. Es gibt den intriganten Bürgermeister, der beinahe nichts unversucht lässt. Es gibt dessen geheimnisvolle Ehefrau, von der keiner etwas Genaues weiß, und die im Nachhinein für den Ausgang der Geschichte wichtig wird. Es gibt ein Naturereignis, das mitten in der Handlung auftaucht (Sandsturm hier, Schneesturm dort). Es gibt leicht mystische Elemente. Es gibt Dorfbewohner, die ihre Schrullen haben, aber durch die Ereignisse wieder zueinander finden. Und es gibt den einen, der von Anfang an zu den Außenseitern hält. Aus dieser Liste mag jeder Leser nun seine persönlichen Schlüsse ziehen.

Zweitens glaube ich, dass die Geschichte in der Originalversion wesentlich besser "wirkt" und funktioniert. Die Krux des Buches ist ja, dass viele Situationen und Witze auf dem Zusammenprall zweier Sprachen beruhen - Englisch und Französisch. Und das Buch wurde ursprünglich auf Englisch geschrieben...! Bei einer Übertragung ins Deutsche musste nun zwangsläufig mancher Witz "unelegant" wirken, oder erst umständlich "klar gemacht" werden. Möglicherweise werde ich mich nach der englischen Version umschauen, um diese Frage zu ergründen.

Drittens finde ich, dass das Können der Autorin im Wesentlichen auf kurze (!) Strecken funktioniert - Situationskomik ja, einzelne Witze ja, aber ein ganzer, überzeugender Plot ... jein. Das wird nun entscheidend daran liegen, wie man das Buch auffasst - ob als halbwegs realistische Erzählung, oder als Märchen. Beides wäre möglich. Ich persönlich meine, dass das Buch im ersten Drittel noch ausgewogen "geplottet" ist, und gegen Ende hin häufen sich immer mehr die eigentlich unwahrscheinlichen Ereignisse, um in einem etwas süßlichen Finale zu münden.

Abschließend möchte ich meine "Kritik" ein wenig relativieren. Natürlich kann man das Buch gut lesen! Natürlich kann man sich prächtig amüsieren! Nicht jeder ist schließlich ein so kritischer Geist wie ich. Dennoch denke ich, dass sich die Autorin in weiteren Bänden (so es denn welche gibt) steigern kann und sollte. Bisher vergebe ich vier sehr wohlwollende Sterne - für den reinen Unterhaltungswert, und für die Grundidee.

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