Only Revolutions

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • New York: Pantheon, 2006, Titel: 'Only revolutions', Seiten: 360, Originalsprache
  • Stuttgart: Tropen, 2012, Seiten: 360, Übersetzt: Gerhard Falkner & Nora Matocza

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Lutz Vogelsang
Wir sind außer der Zeit

Buch-Rezension von Lutz Vogelsang Mai 2012

Vorneweg: "Only Revolutions" wird sowohl vom Verlag als auch vom Autor selbst als Roman angepriesen. Das können Sie getrost vergessen. Es ist viel mehr als das! Dass Danielewski bereit ist, mit jedweder Erzähltradition zu brechen, hat er mit dem Vorgänger "House of Leaves" bereits eindrucksvoll bewiesen. Für "Only Revolutions" legt er noch mal gewaltig nach.

Ein perfekter Kreis

Auf den ersten Blick fällt dem Leser die abenteuerliche Gestaltung des Buches auf. Zwei verschiedene Coverdesigns, zwei verschiedenfarbige Lesebändchen – "Only Revolutions" ist je nach Drehung des Buches von beiden Seiten lesbar. Jede der beiden Hauptfiguren Sam und Hailey hat ihre Seite und ihren eigenen Anfang. Auf der ersten Seite der einen Geschichte steht unten auf dem Kopf die letzte Seite der anderen. Dazu ist jeder Halbseite ein Datum zugeordnet. Sams Erzählung beginnt am 22. November 1863 zu Zeiten des Amerikanischen Bürgerkrieges und endet am 22. November 1963. An dem Tag beginnt wiederum Haileys Geschichte, die sich bis in das Jahr 2063 zieht. Unter dem Datum ist eine meist kryptische Auflistung von Ereignissen, die an besagten Tagen stattgefunden haben. Jede Halbseite besteht aus genau 90 Worten, ebenso die Jahresspalte. Mit den kopfstehenden Text ergibt das genau 360 Wörter. Und das auf 360 Seiten. 360 Grad: Ein perfekter Kreis.

Mindestens haltbar bis: jetzt

Die erste Frage, die sich dem Leser stellt, ist also: Wie lese ich dieses Buch? Und in der Tat kommt das Buch nicht nur mit einem Verfallsdatum – Mindestens haltbar bis: jetzt –, sondern auch mit einer Gebrauchsanleitung. Der Verlag empfiehlt jeweils 8 Seiten einer Geschichte zu lesen und dann das Buch zu drehen. Folgt man diesem Vorschlag, dann liest man jedes Fragment der Geschichte hintereinander aus beiden Perspektiven, wobei die kleinen Unterschiede in der Beschreibung mächtig Raum für verschiedenste Interpretationen lassen. Mit der Zeit wird deutlich, dass sich nicht nur diese beiden Lesarten spiegeln.

M.C. Escher auf Koks

Durch die einzigartige Gestaltung und Handhabung des Buches stellt Danielewski nicht nur den Verlauf der Geschichte in zwei Perspektiven nebeneinander. Das Ende der einen Geschichte bezieht sich gleichzeitig auf den Anfang der anderen. Der Autor führt den Leser somit durch ein kreisrundes Spiegelkabinett, in dem das Gefühl für Raum und Zeit komplett aus den Fugen gerät. Ständig trifft der Leser auf Chiffren, Symbole und Andeutungen. Hätte M.C. Escher im Drogenrausch ein Buch geschrieben, so ungefähr hätte es aussehen können.

Also sprachen Sam und Hailey...

Ähnlich kryptisch wie der Aufbau ist auch die Handlung des Buches. Sam und Hailey kommen aus dem Nichts. Ähnlich wie Nietzsches Zarathustra steigen sie gottgleich einen Berg herab, zu dem sie am Ende des Buches wieder zurückkehren werden. Aus anfänglicher Verachtung füreinander entwickelt sich zwischen den 16jährigen eine bedingungslose Liebe. Allerdings erinnern sie wenig an bekannte Traumpaare wie Tristan und Isolde oder Romeo und Julia. In ihrer Leidenschaft und ihrem Zorn entsprechen sie eher Mickey und Mallory aus Oliver Stones Natural Born Killers. Mit immer wechselnden Karossen fahren sie durch ein Jahr ihres Lebens, gleichzeitig aber auch durch zwei Jahrhunderte amerikanischer Geschichte. Die einzelnen Stationen dieses Roadtrips sind mitunter kaum zu verstehen. Immer will Danielewskis kryptische Sprache zuerst in Klartext übersetzt werden. Und selbst wiederholtes und aufmerksames Lesen schafft meist keine wirkliche Klarheit.

Wir sind außer der Zeit. Wir sind gleichzeitig.

Die Kernfrage ist: Wer oder was sind Sam und Hailey? Und diese Unklarheit – soviel sei verraten – bleibt bis zum Ende bestehen. "Wir sind unmöglich einzuschränken. Jenseits aller Extreme." oder "Keine Brücke, die wir nicht verbrennen können.": Die beiden Protagonisten steigen wie Rachegötter aus ihrem Olymp auf die Erde hinab, die die beiden zu zerbrechen droht. Da die beiden laut der Datumsspalte in verschiedenen Jahrhunderten leben, bekommt der Leser ständig das subtile Gefühl, eine Geschichte sei nur das Echo der anderen.

Eine grandiose Übersetzung

Sprachlich zieht Danielewski alle Register. Was gerade noch einen geradezu hymnischen Ton hatte, verfällt in derben und mitunter äußerst vulgären Slang. Das Tempo wird variiert, rein beschreibende Passagen wechseln sich ständig mit temporeicher Handlung ab. Und ständig kommentieren Tiere (Sam) und Pflanzen (Hailey) das Geschehen wie der Chor im klassischen Theater. Worte werden zusammengezogen oder gleich neu erfunden: Eigentlich sollte das Werk nicht übersetzbar sein. Gerhard Falkner und Nora Matocza haben es dennoch geschafft. Trotz kleinerer Texteinbußen, die notwendig waren, um das Format aufrechtzuerhalten, bleibt die Stimmung und der Sprachrhythmus bestehen. Übrig bleibt ein kryptisches und wortgewaltiges Gedicht auf 360 Seiten. Ein wütendes und leidenschaftliches Plädoyer für die grenzenlose Macht der Liebe.

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