Das Geheimnis der Eulerschen Formel

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • München: Liebeskind, 2012, Titel: 'Das Geheimnis der Eulerschen Formel', Seiten: 256, Übersetzt: Sabine Mangold, Originalsprache

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Britta Höhne
Formeln wie Liebeserklärungen

Buch-Rezension von Britta Höhne Apr 2012

"Meine Erinnerung dauert nur 80 Minuten." Steht auf dem Zettel geschrieben, den der alte, kauzige Professor an seinen zerknitterten Anzug geheftet hat. 80 Minuten Zeit bleiben ihm am Tag, um zu erinnern, ein paar Schritte zurück zu gehen, voraus, im Leben zu stehen – um exakt nach einer Stunde und 20 Minuten das Hier und Jetzt wieder verlassen zu müssen. Ein mysteriöser Autounfall im Jahre 1975 war es, der den Mathematikprofessor in jungen Jahren schon aus der Bahn geschleudert hat. Ein Unfall, der ihn zum Träger zahlreicher Erinnerungszettel gemacht hat und zur Belastung einer jeden Haushaltgehilfin. Fast einer jeden.

Yoko Ogawa ist bekannt für das Schreiben von Bildern. Sie legt präzise dar, beschreibt, unterstreicht, hebt hervor und lässt Gefühle doch niemals überschäumen. Die 1962 in der japanischen Präfektur Okayama geborene Autorin, legt mit "Das Geheimnis der Eulerschen Formel" wieder ein Buch vor, das vornehmer nicht sein könnte. Wenngleich allerdings die Kunst der Mathematik zum Ende des Buches in der Kunst des Baseballspiels unter zu gehen scheint.

Die Ich-Erzählerin ohne Namen ist Haushälterin, angestellt in einer großen Agentur. Verschickt wird sie je nach Bedarf und landet so irgendwann im Haushalt des alten Professors. Das Zahlengenie lebt in einem kleinen Pavillon - hinter dem Haus seiner verwitweten Schwägerin gelegen. Sie ist es auch, die die Geschicke lenkt. Kommen und gehen lässt und am Ende doch zeigt, dass sie ein Herz besitzt. Weil der alte Professor sie nie vergessen wird – aber alle anderen Menschen schon. Denn: Neuen Informationen verschwinden nach 80 Minuten aus seinem Kopf. So erinnert er sich zwar an die Frau seines Bruders, weil beide schon vor dem Unfall Kontakt hatten, was er aber am Vorabend gegessen hat, oder wer die neue Haushälterin ist, wird jeden Tag aufs neue hinterfragt. 

Yoko Ogawas neuester Roman besticht durch seine Klarheit. Was nicht zuletzt am Thema liegt: Die Mathematik. Dabei schreibt die japanische Schriftstellerin derart klar, dass jede mathematische Formel an Glanz gewinnt. Geradezu liebevoll lässt sie den alten Professor sinnieren, lässt ihn in die Welt der Quadratwurzeln eintauchen, Zahlen als scheu bezeichnen, oder als sich in den Vordergrund drängend. Er erklärt etwa in einer sehr schönen Passage die Besonderheit der Zahl 2:

"Die 2 ist die einzige gerade Primzahl. Sie führt das Team als erster Schlagmann an. Schreitet allein voran und schleift das endlose Gefolge der anderen Primzahlen hinter sich her." Gefragt, ob sich die 2 nicht zuweilen in ihrer besonderen Funktion einsam fühle, antwortet der Professor überzeugt: "Überhaupt nicht!... Falls sie Gesellschaft braucht, kann sie einfach die Primzahlen verlassen und zu den geraden Zahlen gehen, wo sie eine Menge Freunde hat."

Der alte Professor lebt in seiner weiten Welt der Zahlen. Sie sind seine besten Freunde, seine engsten Vertrauten, seine große Liebe, sein wärmender Mantel. 80 Minuten lang. Dann erlischt Gesagtes, verwischt Gehörtes und am nächsten Tag begegnet er der Haushälterin wieder mit den gleichen Fragen: "Welche Schuhgröße haben sie? Wann haben sie Geburtstag?" Nur einer scheint die Welt des alten Mannes – zumindest innerhalb der Frist – durcheinander bringen zu können: Root, Wurzel genannt. Der Professor hat den zehnjährigen Sohn der Haushälterin so getauft – des platten Hinterkopfes wegen, der ihn an das Dach des mathematischen Wurzelzeichens erinnert. Root ist alles andere als begeistert, erfährt aber umgehend vom alten Professor:

"Das Wurzelzeichen ist ein äußerst großherziges Symbol, denn es beherbergt sämtliche Zahlen unter seinem Dach."

Die kleinen, feinen Zahlenspiele verlieren sich zum Ende des Buches. Die zweite Leidenschaft des Professors - und Roots - das Baseballspiel, nimmt die Stelle der Zahlen ein. Auch hier arbeitet Ogawa sehr präzise, zumal keine Sportart so viel mit Zahlen zu tun hat, wie Baseball. Schade ist es dennoch, weil selbst der Leser wachsam wird, Zahlen registriert, sich an Lösungen heran pirscht und erfreut. Zwar ist "Das Geheimnis der Eulerschen Formel" sehr fein geschrieben, vorsichtig, hingehaucht zuweilen, lässt aber ein wenig Bissigkeit vermissen, wie in ihrem Vorgängerroman "Das Ende des Bengalischen Tigers". Die Geschichte um den Professor, der Haushälterin, ihrem Sohn und der geheimnisvollen alten Dame ist eben eine logische, in sich geschlossene Erzählung und lässt die wirren Episoden und Anspielungen, wie in "Das Ende des Bengalischen Tigers", ein wenig vermissen.

Was auf keinen Fall heißen soll, dass das Mathebuch weniger wertvoll ist. Das ist es. Wertvoll. Ungemein. Weil es Spaß macht zu lesen, Altes neu entdeckt wird und die Sprache der Yoko Ogawa (und ihrer großartigen Übersetzerin Sabine Mangold) ihres gleichen sucht. Ein wunderbares Buch – wenn auch im Abgang etwas schwächer. 

Das Geheimnis der Eulerschen Formel

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