Das Spinoza-Problem

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • München: btb, 2012, Seiten: 320

Couch-Wertung:

79
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Daniela Loisl
Philosophie vom Feinsten

Buch-Rezension von Daniela Loisl Apr 2012

Irvin D. Yalom ist bekannt für psychologisch ausgefeilte Romane über interessante Menschen, die in dem Bereich, in dem sie tätig waren, Großes geschaffen haben. So hat sich Yalom in diesem Buch eines großartigen Philosophen angenommen und gleichzeitig versucht, das Leben eines Denkers festzuhalten, der trotz seiner Schlauheit und Bildung den falschen Weg in seinem Leben eingeschlagen hat.

Im Grunde ist dieses Buch eine Doppel-Biografie. Man begleitet einerseits das Leben Baruch (Bento) de Spinozas, der als Begründer der Bibelkritik gilt und als großer Philosoph in die Geschichte einging und anderseits erfährt man alles über den relativ unbekannten, aber begeisterten Anhänger Hitlers, Alfred Rosenberg, der maßgeblich durch seine Schriften zum "Rassenproblem" der Nazis beitrug.

Yalom schreibt leicht lesbar, aber dadurch, dass seine Themen stets sehr komplex sind, kann er der Aufmerksamkeit seiner Leser stets versichert sein. Einen Roman über einen Philosophen wie Nietzsche, Schopenhauer und nun auch Spinoza zu schaffen, bedarf es mehr als einfach nur erzählen zu können. Yalom bringt durch sein Studium der Psychiatrie eine Voraussetzung mit sich, die einem die Sichtweise eines Menschen aus gänzlich neuer Perspektive ermöglicht. So leicht seine Erzählungen scheinen, so tiefgründig und breitgefächert sind diese jedoch.

In diesem Buch erzählt Yalom das Leben zweier gegensätzlicher Menschen auf zwei Zeitebenen. Da ist Spinoza, der  im 17. Jahrhundert ein großer Freigeist war und durch seine Ansichten eine Woge der Entrüstung bei den Rabbinern auslöste, die letztendlich zur Exkommunizierung führte. Die zweite Zeitebene ist die erste Hälfte des 20 Jahrhunderts in der Alfred Rosenberg lebt, der durch seine rassistischen Äußerungen schon in der Schule auffällt und über Goethe zu Spinoza kommt, dessen Denkweise ihn fasziniert.

Das Leben Spinozas zeigt sich komplex, hält Yalom seine Ideen, Ansichten und generell seine Denkweise ziemlich genau fest und versucht, durch lebhafte Diskussionen und Debatten dem Leser Spinozas Denkweise näher zu bringen. Dagegen liest sich Rosenbergers Part einfacher, zeigt aber dennoch sehr deutlich auf, wie der glühende Hitler-Anhänger sukzessiv seine Ideen und Ziele verfolgt und letztendlich für sein totales Irren – das er jedoch nie eingesteht - mit dem Leben bezahlt.

Yalom spielt durch diese beiden so unterschiedlichen Menschen sein ganzes Wissen um die Psyche des Menschen aus. Hat er mit Spinoza nicht nur einen großen und geradlinigen  Denker als Hauptfigur, zeigt sich durch Rosenberg sehr deutlich, was einen Menschen dazu bewegen kann, seinen verbohrten Ideen weiter nachzuhängen, obwohl ihm schon in der Schule versucht wird klarzulegen, welchen Irrweg er eingeschlagen hat.

"Das Spinoza-Problem" ist ein ausgesprochen interessantes Werk, was durch Yaloms Bemühen, sich möglichst genau an die historischen Fakten zu halten, auch geschichtlich viele neue Einblicke offenbart. Durch die beiden parallel laufenden Erzählstränge ist die Spannung stets straff und muss sich der Leser bei Spinozas Part mehr anstrengen, erlaubt Yalom ihm bei Rosenberg zwar etwas Entspannung, die aber trügerisch ist, denn hier fordert er ein intensives Auseinandersetzen mit der Figur.

Ein geschickter Schachzug des Autors ist es, den Leser durch den Prolog einen groben Umriss zum Zusammenhang zwischen Spinoza und Rosenberg zu geben, was einem die Verbindung dieser beiden so extrem konträren Figuren sehr deutlich macht. Im Epilog fasst Yalom  alles nochmal zusammen, was der Geschichte die Darstellung nochmals sehr stringent verdeutlicht. 

Ist dieses Buch zwar nicht auf demselben Level wie "Und Nietzsche weinte", so wird der philosophiebegeisterten Leser, dennoch ein wunderbarer und vor allem sehr innovativer Roman geboten.

Das Spinoza-Problem

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