Die Spur des Marders

Erschienen: Januar 2001

Bibliographische Angaben

  • Turin: Vivalda, 1997, Titel: 'Il volo della martora', Seiten: 208, Originalsprache
  • München: Riemann, 2001, Seiten: 220, Übersetzt: Elisabeth Liebl
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Am 9. Oktober 1963 kam es in der italienischen Region Friaul zu einer folgenschweren Katastrophe. Die Errichtung eines Staudammes löste am Monte Toc einen gewaltigen Bergrutsch aus. Teile des Berges stürzten in den aufgefüllten Stausee. Der gerade erst fertiggestellte Damm vermochte dem Druck nicht standzuhalten. Er brach, und die Wassermassen ergossen sich ins Tal. Mehrere Dörfer wurden von der Flutwelle hinweggeschwemmt. Über 2000 Menschen verloren ihr Leben. Die Überlebenden wurden evakuiert und konnten erst nach vier Jahren wieder in ihre Dörfer zurückkehren.
Mauro Corona, der in Erto, einem der zerstörten Dörfer, seine Kindheit verbrachte, erzählt aus dem Leben im Tal des Lago di Vajont vor der Katastrophe. Da ist der Scherenschleifer, die fliegende Händlerin, der alte Silvio, der singend die Bergwelt durchwandert, und der Freund, der aus purer Gutmütigkeit all sein Hab und Gut verlor. Corona denkt zurück an den Großvater, der ihm die Kunst des Holzschnitzens beibrachte und ihn die Sprache der Bäume lehrte. Er erinnert sich an den Marder, der eine ganze Jagdgesellschaft an der Nase herumführte, und beschreibt die besondere Art, auf die die Bäume im Herbst ihre Blätter verlieren. Heiteres, Besinnliches und Rauhes mischt sich in den Geschichten. Corona erzählt von einem Leben in und mit der Natur und von der Vernichtung dieses naturnahen Lebens durch die modernen technischen Errungenschaften. Aber er verklärt seine Erinnerung nicht.
Es ist ein karges, mühsam der Natur abgerungenes Dasein, das die Dorfbewohner fristen und das ihnen dennoch Glück und Zufriedenheit schenkt. Mit dem Dammbau erfährt dieses im Wechselspiel mit den Jahreszeiten stetig fortschreitende Leben ein jähes Ende. Die Dorfbewohner verfügen nun plötzlich über Geld, und der materielle Gewinn verändert auch ihr Wertsystem. Die Jugendlichen kaufen sich Motorräder, und die Familienväter werfen ihre alten Holzmöbel auf den Müll.
Eine alte Frau aus Erto hatte einst prophezeit, dass das Dorf sich eines Tages zum Städtchen wandeln und dann untergehen würde. Diese Prophezeiung wurde grausame Wirklichkeit. Das zum Städtchen gewordene Erto geht unter. Die Techniker haben die Kräfte des Berges unterschätzt.

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