Hoppe

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Frankfurt am Main: Fischer, 2012, Seiten: 336, Originalsprache

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Britta Höhne
Vorübergehend glücklich

Buch-Rezension von Britta Höhne Mär 2012

Hoppe ist ein Familienparasit. Kaum wird sie gemocht, nistet sie sich ein. Setzt sich mit an die Esstische, ist bei Ausflügen dabei und übernimmt ungefragt die Vorlieben der anderen. Sie mischt sich ein, immer und immer wieder, wird Teil dessen, was sie selbst zu vermissen scheint: Eine Familie. Felicitas Hoppe ist mit "Hoppe" ein besonderer Schelmenroman gelungen. Einer, der sich zwischen Franz Kafka, Glenn Gould und Walther von der Vogelweide bewegt, aber auch keine Scheu zeigt, sich beim Rattenfänger von Hameln zu bedienen, bei Pinocchio, Pipi Langstrumpf und dem Zauberer von Oz.

Überschrieben ist Felicitas Hoppes neuestes Werk mit "Roman". Das ist auch gut so, weil der Begriff "Biographie" so nicht ganz der Wahrheit entsprechen würde. Es sei denn, es gibt so etwas wie eine Wunschbiographie, ein Leben, dass sich ein jeder selbst auf den Leib schreiben kann. Hoppe, nachweislich 1960 in Hameln geboren, hat das getan. Sie hat ihr gesamtes Leben in eine große Tonne geworfen, mit ganz viel Fiktion gewürzt und heraus gekommen ist ein wunderbar witziges, charmantes Buch, eine kluge Eulenspiegelei die letztendlich vielleicht mehr über die Autorin Hoppe aussagt, als jede reale Darbietung.

Hoppes Erzählung beginnt mit den kanadischen Jahren – und den ersten Verwirrungen: Sie lebt mit ihrem Vater Karl zusammen, den sie schlicht den Entführer nennt. Über ihre leibliche Mutter ist wenig bekannt. Sie sei, schreibt Hoppe, eine katholische, hochbegabte Klavierlehrerin aus Breslau, die schon früh aufhört, ihrer Tochter Briefe zu schreiben. Dann sind da noch die vier Geschwister in Hameln, die regelmäßig und ausdauernd von Felicitas mit Briefen bedacht werden, auf deren Antwort die Protagonistin noch immer wartet.

Verbrieft, wie es an den wahren Stellen zu heißen scheint, ist indes, dass Hoppe ihre Kinderjahre in einem Haus in Brantford (Ontario/Kanada) verbracht hat. Gemeinsam mit ihrem Entführervater. Wenig Zeit verbrachte sie mit ihm, weil das Eis sie faszinierte und der kleine Puck dazu. Zudem ist sie verliebt, in die Nummer 99, "gemeint ist vermutlich der kanadische Eishockeyspieler Wayne Gretzky", vermerkt Hoppe und setzt das Kürzel fh dahinter. Zum Belegen der Tatsächlichkeit. Die Gretzky-Famiie wird zu ihrer. Sie ist dabei. Immer. Auf dem Eislauf-Rondell, das Waynes Vater eigens für ihn und seine Geschwister angelegt hat. Sie sitzt mit ihnen am Tisch und verfolgt die ersten Erfolge ihrer großen Liebe. Die erst dann zerbricht und als erledigt betrachtet werden kann, als Felicitas` großes Idol Jahre später heiratet.

Den kanadischen Jahren folgen die australischen. Dann die amerikanischen und viele mehr. Bis sie schließlich von Hamburg nach Hamburg reist. Auf einem Containerschiff. Wie schon Jahre zuvor, als ihr Entführervater sie nach Adelaide/Australien mitnimmt. Und wieder wartet eine Liebe auf Felicitas. Und wieder ist sie besonders: Nämlich blind. Nicht sehend und doch alles sehend. Joey (Jonathan) Blyton heißt die neue Liebe. Wieder findet die junge Hoppe eine Familie, wieder setzt sie sich ins Nest – nur diesmal anders. Anders, weil Joey Felicitas beibringt, was sie über das Küssen und glücklich sein wissen muss: "...auch wenn mir das später nicht viel genützt hat."

Wer sich durch Hoppes Traumbiographie liest, möchte sie zum Ende der 330 Seiten unbedingt persönlich kennen lernen. Ihre Fantastereien außen vor, scheint Hoppe perfekt: Sie besitzt das absolute Gehör, ist geduldig, unbestechlich, sehr gerecht ("Felicitas` fast fanatischer Gerechtigkeitssinn, der nicht selten bis zur radikalen Verleugnung ihrer eigenen Bedürfnisse gehen konnte, ..."), hat eine schnelle Auffassungsgabe und hat das Talent, sich in ganz besondere Menschen und Situationen zu verlieben. Hoppe, ob die echte oder falsche, hat es eigentlich nicht nötig, irgend etwas in ihr Leben zu dichten. Aber sie macht es und das lustvoll und elegant.

Doch irgendwann wird es zuviel. Die Lobhudelei im Zitieren eigener Texte. Im Nennen ihrer ersten Schreibversuche die Titel wie "Pök der kleine Marsmensch" oder "Häsi, das Hasenkind" tragen. Auch die Rezensenten ihrer Schriftwerke finden zunehmend oft Eingang bei "Hoppe" und der kokette Umgang mit Verrissen wirkt irgendwann überholt und langweilig.

Dennoch: Hoppe hat ein schönes Buch geschrieben, was sich nicht zuletzt durch seine sprachliche Finesse auszeichnet. Unterhaltsam und in Vorfreude auf Weiteres. Schreibt sie doch zum Abschluss: "Eine Legende, was sonst. To be continued. (Fortsetzung folgt, fh)."

Bleibt abschließend noch zu erwähnen, dass der Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, einer der renommiertesten Literaturauszeichnungen des Landes, an Felicitas Hoppe verliehen wurde. "Einer Autorin, deren raffinierte Maskeraden und glatte Lügen einem phantastischen Einfallsreichtum entspringen", steht im Spiegel-Magazin anlässlich der Preisverleihung über Felicitas Hoppe geschrieben. 

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