Der Friseur von Harare

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Harare: Weaver Press, 2010, Titel: 'The Hairdresser of Harare', Seiten: 189, Originalsprache
  • Wuppertal: Hammer, 2011, Titel: 'Der Friseur von Harare', Seiten: 299, Übersetzt: Jutta Himmelreich

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Myra Wehbrink
Einschnitte

Buch-Rezension von Myra Wehbrink Mär 2012

Harare, eine von Armut, Aids, Korruption und politischen Machtkämpfen gebeutelte Stadt, ist Schauplatz des ersten Romans von Tendai Huchu.

Ein Konglomerat an Themen, die sich alle anbieten spannende, interessante und abwechslungsreiche Geschichten zu spinnen. Vor allem wenn man wie Huchu in Harare zur Schule gegangen ist, dort studiert hat und die Stadt und ihre Probleme nicht nur aus der Entfernung kennt.

Simbabwe und Homosexualität

Doch der Autor entschied anders: er greift als zentrales Thema eins auf, welches in Afrika und mit Mugabe als Staatsoberhaupt von Simbabwe als absolutes Tabuthema gilt: Homosexualität. Seit 2006 sind homosexuelle Handlungen in Simbabwe als illegal eingestuft, was dazu führt, dass jegliche ``unanständige`` Handlung zwischen zwei Männern als strafbar gilt.

Wer vor diesem Hintergrund davon ausgeht "Der Friseur von Harare" sei harter Tobak liegt falsch. Huchu erzählt mir viel Witz und Ironie. Er verleiht seinen Figuren eine gewisse Gelassenheit, die sich auf den Leser überträgt. Dies führt jedoch nicht dazu, dass das Thema Homosexualität beziehungsweise der Umgang mit Homosexuellen an Ernsthaftigkeit verliert.

Der Friseursalon als Mikrokosmos

Der Roman erzählt die Geschichte von Vimbai. Sie ist begnadete Friseurin in Harares bestem Friseursalon und eine Frau, die durch den politischen, sozialen und ökonomischen Sumpf der Hauptstadt navigiert, um eine bessere Zukunft für sich und ihre Tochter zu gewährleisten. Konkurrenz kennt sie nicht, bis Dumisani auftaucht. Charmant wickelt er nicht nur das Personal von Mrs. Khumalo um den Finger, sondern auch die gesamte Kundschaft. Ein Haarschnitt ist bei ihm nicht nur eine neue Frisur. Er versteht was die Frauen wollen. Er packt sie bei ihrer Eitelkeit.

Obwohl Vimbai anfangs auf Dumisanis einnehmende Art nicht eingeht, muss sie sich eingestehen, dass er sein Handwerk mehr als beherrscht. Nachdem er bei ihr aus der Not heraus einziehen muss, entwickelt sich zwischen ihnen eine tiefe Freundschaft.

Huchu transportiert in seinem Roman ein Bild von Harare, das uns einprägsame Einblicke verschafft. Er beschreibt die Umgebung scharf und präzise, die Umstände, mit denen Vimbai und Dumisani zu kämpfen haben, pointiert und baut immer wieder am Wegesrand der Geschichte Passagen ein, die die politischen Machenschaften deutlich werden lassen. Hilfreich dabei ist, dass Mrs. Khumalos Salon einen Mikrokosmos darstellt, der die großen Konflikte verkleinert austrägt. Hier treffen sich die Damen der Politik und plaudern aus dem Nähkästchen, Vertreter unterschiedlicher politischer Gesinnung tragen ihre Kämpfe aus, indem sie darum streiten, wer als erster sein Auto ausparkt und Lebensmittelknappheit bekommt einen satirischen Zug, wenn es zur Verteilung von Zucker zwischen dem Personal und den Kundinnen geht.

Vorurteile sitzen tief

Als Vimbai Dumis Geheimnis aufdeckt, gerät sie in einen Konflikt zwischen Vorurteilen, moralischen Normen und tief empfundener Liebe. Die Auflösung und das Ende des Romans machen deutlich, dass Huchu hier keine idealisierte Geschichte geschrieben hat, sondern sich an der erschreckenden Realität bedient. Was dem bis dahin immer wieder durch Ironie und Zynismus aufgelockerten Roman seine Tiefe verleiht.

Der "Friseur von Harare" ist eine Geschichte über Liebe, Freundschaft, Träume und Vorurteile vor dem Hintergrund einer Gesellschaft, die tiefgreifende Probleme zu bewältigen hat.

Vor diesem Hintergrund ein Thema wie Homosexualität aufzugreifen und nicht auf die augenscheinlich wichtigeren Themen den Fokus zu legen, ist eine gelungene und mutige Themenwahl für den ersten Roman.

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Letzte Kommentare:
03.10.2014 14:31:48
Sarah

Dieses Buch hab ich in einem Rutsch durchgehabt, so spannend und interessant ist es. Man kann tief hineintauchen in die Welt der Hauptdarsteller in Harare, gewinnt sie lieb, erfährt vieles über das Leben in Simbabwe, das interessant und erschütternd zugleich scheint. Dass das Thema Homosexualität erst gegen Schluss und relativ kurz Einzug findet, sehe ich als bezeichnend für den traurigen Umgang in diesem Land damit. Besonders gut gefällt mir der Stil von Tendai Huchu, der durch seinen humorvollen Ton auch viel Lebensfreude bei den Menschen in einem schweren, voll politischer Ungerechtigkeiten geprägten Land zeigt. Ich freu mich schon auf das nächste Buch von diesem jungen Autor.

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