JPod

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • New York: Bloomsbury, 2007, Titel: 'JPod', Seiten: 448, Originalsprache
  • Stuttgart: Tropen, 2011, Seiten: 519, Übersetzt: Clara Drechsler & Harald Hellmann

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Lutz Vogelsang
Post-Generation-X

Buch-Rezension von Lutz Vogelsang Mär 2012

Recherchiert man Douglas Coupland hinterher, stolpert man immer wieder über das gleiche Wort: Exeget! Seien es Verlagsinformationen, Rezensionen oder seine Wikipedia-Seite, hier scheint sich die literarische Welt einmal komplett einig zu sein: Douglas Coupland betreibt (religiöse) Texterläuterung, bzw. -interpretation! Wirklich? Selbst der Papst, die wohl höchste Instanz wenn es um das Auslegen von Schriften geht, hat in Kombination mit dem Attribut "Exeget" knapp 10,000 Google-Treffer weniger.

Es ist wie so oft im Leben. Ist der Ruf erst etabliert, schreibt sich´s gänzlich ungeniert! Douglas Coupland hat mit seinem gefeierten Debütroman Generation X seine Reputation als "Stimme seiner Generation" weg und kann auf eine treue Fanbasis bauen, die ihm anscheinend jede seiner Skurrilitäten verzeiht. Zu den Menschen, muss ich gestehen, gehöre auch ich.

Ethan Jarlewski ist Spiele-Entwickler und arbeitet für eine kanadische Softwarefirma. In seiner Abteilung arbeitet er zusammen mit fünf Kollegen, deren Nachnamen zufällig auch mit "J" beginnen (dem JPod), daran, einem Skateboard-Spiel den letzten Schliff zu verpassen. Dies wäre bedeutend einfacher, käme Ethans Chef nicht auf die aberwitzige Idee, in das fast fertige Spiel auf den letzten Drücker noch eine Schildkröte einzubauen.

Auch sein Privatleben hält Einiges an Überraschungen parat: Seine Mutter hat in ihrer Hanfplantage im Keller "aus Versehen" einen Rocker umgebracht und bittet ihren Sohn um Hilfe. Auch sein Vater – immer in der Hoffnung auf eine Sprechrolle in dubiosen TV-Produktionen -  hat ein Problem: seine gut dreißig Jahre jüngere Affäre, die anfängt, ihn zu stalken. Als Ethans Bruder, eigentlich im Immobiliengeschäft, in seiner neuen Eigenschaft als Menschenhändler eine Wagenladung illegal eingereister Chinesen in Ethans Wohnung zwischenlagert, ist das Chaos komplett. Sollte man meinen.

Doch in Couplands Universum liegen die Dinge etwas anders. Mit einer fast schon dreisten Nonchalance beschreibt sein Protagonist die absurdesten Situationen, ohne dass die Gemütslage arg ins Schwanken geriete. Richtig in Wallung geraten die sechs JPodler erst dann, wenn sie sich über völlig sinnlose Kleinigkeiten aus den Bereichen Pop- und Netzkultur streiten. Welche Chipssorte ist die beste? Mit welchem Simpsons-Charakter kann man sich am ehesten identifizieren? Wen der sechs würde das Firmenmaskottchen Ronald McDonald für eine Affäre auswählen? Software, Karaoke, Comics, Fast-Food, Spam-Mails oder Tetris-Turniere: Das sind die Themen, mit denen man sich im JPod auseinandersetzt.

"Alle fünf Jahre müsst ihr also alles über Bord werfen, was ihr wisst, […] und das, was euch irgendwann mal lebenswichtig erschien, auf den kosmischen Müllhaufen werfen."

An Lesern, die sich mit Videospielen aus den 80ern, den unterschiedlichen Programmiersprachen und zeitgenössischer amerikanischer Markenkultur nicht auskennen, wird der größte Teil des Buches schlicht vorbeirauschen. Man muss das so klar sagen: Dieses Buch ist für Nerds, und zwar nicht für solche, die Big Bang Theory "irgendwie lustig und schräg" finden. Für richtige Nerds! Denn zieht man diese Themen ab, bleibt vom Buch relativ wenig übrig. Die Figuren sind durch und durch stereotyp und eindimensional, ein Spannungsbogen existiert schlichtweg nicht und das Ende wirkt, als hätte plötzlich der Verleger mit einem Baseball-Schläger vor der Tür gestanden. 

Nach 520 Seiten ist nämlich relativ abrupt Schluss. Wobei die Seitenzahl doch arg täuscht. Denn gut ein Viertel des Buches muss für skurrile Aufzählungen, Zitate und Ähnliches herhalten. Die Aufzählung aller Primzahlen zwischen 10.000 und 100,000 fordert ganze 23 Seiten und ist nicht einmal akkurat. Denn Coupland hat eine falsche Zahl hineingeschmuggelt, die es zu finden gilt. Ebenfalls einen Fehler hat er in der Liste der ersten 100,000 Ziffern von Pi versteckt. Das gibt dem geneigten Leser auf einen Schlag gleich mehr als 60 Seiten, auf denen er seinem Knobeltrieb freien Lauf lassen kann.

Ob das nun kreativ oder einfach nur dreist ist, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Fans von Douglas Coupland werden wohl zu Alternative A tendieren und können auch bei JPod getrost zugreifen. Auch wenn einigen die deutlichen Parallelen zu dem zehn Jahre älteren Mikrosklaven auffallen dürften. Wen sollte Coupland auch plagiieren, außer sich selbst? Absurd, witzig, verschroben und schamlos. Nur leider nichts Neues.

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