Der Meister

  • Bertelsmann
  • Erschienen: Januar 2011
  • München: Bertelsmann, 2011, Seiten: 158, Originalsprache
  • Freiburg im Breisgau: Audiobuch, 2012, Seiten: 4, Übersetzt: Gert Heidenreich
Der Meister
Der Meister
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Daniela Loisl
90

Belletristik-Couch Rezension vonFeb 2012

Die Perfektion des Unperfekten

Da sind sie nun wieder, zwei der ewigen Studenten, und lassen die "alte Zeit" noch einmal Revue passieren. Sie machen es sich gemütlich in einem kleinen Restaurant in Venedig, abseits der von Touristen überschwemmten Schauplätze wie Markusplatz oder Rialtobrücke. Ganze 50 Jahre blicken die beiden zurück und erinnern sich an jede Menge lustiger und weniger lustiger Begebenheit aus ihrer Studentenzeit.

Flott ist der Beginn des kleinen Werkes und in einem sehr leichten und tragenden Erzählstil stolpert man regelrecht in die Szenerie. Der Erzähler der Geschichte ist auf dem Weg zum Treffen mit einem alten Studienkollegen und als er ihn trifft, ist das Vertraute schnell wieder da.

Die Erinnerungen kommen hoch und da ist Carlone (der in Venedig mit am Tisch sitzt), der so genannt wurde, weil er eine Vorliebe für alles Italienische hatte, Helene Romberg, in die sie alle mehr oder weniger verliebt waren, Professor Goblitz, der Musik nur lesen, aber nicht hören konnte, und dann auch noch Thomas Wibesser, der seinem Namen alle Ehre machte, sich mit seiner Pedanterie aber nicht immer einen Gefallen tat. Beide kommen spontan auf Wibesser zu sprechen, der, von allen nur "Der Meister" genannt, es schließlich auch war, der ihnen allen ein unvergessliches Erlebnis bereitete, als er einfach einen Komponisten erfand. Thremo Tofandor, so nannte der Meister ihn, sollte ihm aber noch zum Verhängnis werden.

So wird der Leser nun in Rückblicken mitgenommen in die Studentenwelt und bekommt Geschichten serviert, die ihm das Buch nicht mehr aus den Händen legen lassen.

Rosendorfer bietet sprachlich hohes Niveau, aber dennoch gibt er der humoristischen Erzählung die leichte Note die sie benötigt, um die skurrilen Figuren lebendig werden zu lassen. Auch die Gespräche der Figuren untereinander sind in derselben Leichtigkeit verfasst, sodass man regelrecht das Gefühl hat, mitten unter den Studenten zu sein.

Subtiler Humor und feine Ironie sind die tragenden Elemente der doch so anderen Geschichte. Rosendorfer, mit seiner erfrischenden und kreativen Erzählung, gelingt es, mit seinem gut durchdachten und fesselnden Plot den Leser von Beginn an bis zum Schluss in seinen Bann zu ziehen.

Unbeschwert und leichtfüßig kommen die Ereignisse der Studenten mit den vielfältigen Charakteren, in dem Buch mit gerade mal gut 150 Seiten, daher. Wie nebenbei skizziert er seine Figuren, ohne sich in lange Beschreibungen zu verrennen.

Der heimliche – nicht existierende – Protagonist jedoch ist der Phantomkomponist Thremo Tofandor und  Rosendorfer zeigt ein breites Repertoire an Fachkenntnisse in der Musik. Obwohl mit vielen einschlägigen Begriffen ausgestattet, hat der Autor sein in der Musikszene unbedarftes "Publikum" nicht vergessen und lässt Erklärungen zu unverständlichen Dingen geschickt in den Text mit einfließen.

Ein intelligentes und amüsantes kleines Werk, das ob seiner satirischen Erzählweise ein abwechslungsreiches Lesevergnügen bietet.

Der Meister

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