Die Mechanik des Himmels

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • München: Beck, 2012, Seiten: 227, Übersetzt: Thomas Melle

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Britta Höhne
Die Erde als Erbse

Buch-Rezension von Britta Höhne Feb 2012

Tom Bullough ist ein außergewöhnlicher Autor. Nicht nur, weil er schon in einem Sägewerk gearbeitet, T-Shirts verkauft und als Musik-Promoter in Simbabwe sein Geld verdient hat. Mehr noch fällt sein neuer Roman Die Mechanik des Himmels auf, weil der 1975 in Wales geborene Autor keinerlei Interesse an gewalttätigen Charakteren hat, sondern sanfte Figuren schafft, die sich stets mit Respekt und Interesse füreinander begegnen.

Lediglich in einer Szene des für die Thematik recht dünnen Buches, erfährt der Leser, dass ein Mann seine Frau mit einem Gürtel schlägt. Sonst: Durchweg liebenswerte Protagonisten. Besonders angenehm ist einer: Kostja, eigentlich Konstantin, Ziolkowski. Und dabei hätte gerade er alles Recht dieser Welt, auf eben diese Welt und sein Schicksal wütend zu sein.

Kostja erkrankt im Winter 1867 an Scharlach. Lange muss er – isoliert von Eltern und sieben Geschwistern – das Krankenhausbett hüten. Der Junge kommt wieder auf die Beine, geschwächt zwar und des Gehörs beraubt, aber er kehrt frohen Mutes zurück in die Familie, die als verarmte Adelsfamilie in Rjasan - rund 200 Kilometer südöstlich von Moskau am Fluss Oka gelegen - zu Hause ist. Die Mutter kümmert sich um den schwachen Jungen und zweifelt nicht einen Tag an seinen Fähigkeiten. Wie der Vater auch. Kostja beginnt, nachdem er die Schule verlassen muss, sich für Technik zu interessieren. Er bastelt sich selbst ein Hörrohr, nicht ohne zu erklären, wie es beschaffen ist.

Technik, Astronomie, die Welt der Planeten ist fortan seine. Jahre später, der Vater ist alt, ein Bruder und die Mutter tot, geht er zum Studieren nach Moskau. Freundet sich mit einem skurrilen Bibliothekar an, der ihm seine Sicht der Dinge erklärt. Konstantin ist fasziniert, begeistert sich für Vieles, lernt, liest, studiert, wird Lehrer, heiratet und wird Vater.

So viel im Schnelldurchlauf. Die Mechanik des Himmels ist ein unheimlich dichtes Buch. Bulloughs Naturbeschreibungen, selbst die eines grausamen Winters im grauen Moskau, muten lyrisch an. Erzeugte Bilder wechseln sich ab mit Erklärungen zum Sonnensystem und Ideen, als Mensch ins Weltall zu reisen. Denn: Darum geht es. Zwar ist der Roman ein Roman, aber auf einer realen Geschichte basierend. Der echte Konstantin Ziolkowski gilt als Vater der russischen Raumfahrt. Bullough beschreibt beeindruckend den Weg des Kindes zum Visionär, zum Genie, zu einem Mann, der seine Träume lebt, sie verfolgt, niemals aufgibt, die "Ziolkowski-Gleichung" entwickelt, die als elementare Gleichung für den Raketenflug gilt.

Obwohl das Buch voller Erklärungen ist, mathematischer Berechnungen (die überaus verständlich geschrieben sind, was auch an der sehr guten Übersetzung von Thomas Melle liegt), überwiegt doch die persönliche Geschichte Konstantins. Des eigenartigen Kauzes, der sich nie darum schert, wie andere über ihn denken. Er ist gefesselt in seiner Welt der Wissenschaft und hat erst spät entdeckt, dass es außerhalb der Theorien noch andere Liebenswürdigkeiten gibt: Seine spätere Frau Varwara Jewgrafowna etwa, die ihm eine Tochter schenkt.

Neben den sympathischen Figuren fällt noch etwas auf: Bullough scheint kein Interesse daran zu haben, fortlaufende Kapitel zu schreiben. Kostja, der sehr an seiner Mutter hängt, leidet unendlich als diese im Jahre 1869 stirbt. So steht es zwischen den Zeilen. Die Frau ist tot, wird beerdigt, traurige Blicke folgen dem Trauermarsch. 1873 schließlich wird die Geschichte fortgeschrieben. Jahre später und der Protagonist sieht sich längst anderen Aufgaben gegenüber gestellt. Eine spannende Form des Schreibens, und in diesem Fall wohl die einzige, weil der Roman zwischen Dezember 1867 und März 1965 spielt.

Die Mechanik des Himmels ist ein wundervolles Buch und erinnert in seinem Stil ein wenig an Sofies Welt von Jostein Gaarder. Wird der kleinen Sofie doch eindrucksvoll und in verständlichen Bildern die Geschichte der Philosophie erklärt, ist es bei Bullough die Geschichte der Astronomie. Ein Beispiel: Wenn etwa ein Medizinball die Sonne darstellt, in welchem Größenverhältnis steht dann die Erde zu ihr?

 

"Wenn das hier die Sonne ist, was ist dann die Erde? Nicht der Apfel. Das wäre Jupiter. Keine Kirsche. Das wären Uranus oder Neptun. Nein, unsere große, prächtige Erde wäre … eine Erbse!"

 

Alles was ein wenig den Lesefluss hemmt, sind die zahlreichen - für europäische Ohren schwer zu lesenden - russischen Namen. Und zu Beginn des Romans wäre die Dostojewski-Strategie sinnvoll: Erst einmal eine Familienaufstellung auf dem Papier zeichnen, um zu verstehen, wer wie heißt und wer zu wem gehört. Auch die zaristischen Messeinheiten des alten Russland, wie etwa Arschin (kommt einer Elle gleich), Pud (16,38 Kilogramm) und Werst (1,0668 Kilometer), muten fremd an und sollte der Leser alles im Detail verstehen wollen, ist eine Umrechnung unumgänglich.

Aber dennoch: Die Mechanik des Himmels verlangt gelesen zu werden. 

Die Mechanik des Himmels

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