Das Haus zur besonderen Verwendung

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • London: Doubleday, 2009, Titel: 'The house of special purpose', Seiten: 428, Originalsprache
  • Zürich: Arche, 2010, Seiten: 560, Übersetzt: Fritz Schneider
  • München; Zürich: Piper, 2011, Seiten: 558

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Russland 1915: In einem kleinen Dorf verhindert der sechzehnjährige Bauernsohn Georgi mit Glück und Geistesgegenwart ein Attentat auf ein Mitglied der Zarenfamilie. Zar Nikolaus II. ruft Georgi daraufhin nach Sankt Petersburg, wo er ihn zum Leibwächter seines einzigen Sohnes ernennt, der nicht nur als Thronfolger in ständiger Lebensgefahr schwebt. Georgi weicht dem kleinen Zaren fortan nicht mehr von der Seite und findet in ihm einen Freund. In den prunkvollen Sälen des Winterpalais begegnet er auch der Zarentochter Anastasia. Sie verlieben sich, wohl wissend, dass diese Liebe nicht sein darf. Doch Georgi ist entschlossen, für Anastasia bis zum Äußersten zu gehen. Aber dann erhebt sich das Volk gegen den Zaren; das ganze Land taumelt dem Abgrund der Revolution entgegen. Anastasia und ihre Familie werden an einen geheimen Ort verschleppt ins "Haus zur besonderen Verwendung".

Das Haus zur besonderen Verwendung

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Letzte Kommentare:
28.01.2015 18:18:38
Gwenya

Mit „Das Haus zur besonderen Verwendung“ versprach mir die Times "Ein aufwühlendes, atemberaubendes Epos über das Schicksal des letzten russischen Zaren und seiner Familie."

Einen Ausflug in die märchenhafte Welt des zwischen Pracht und Grausamkeit tanzenden Russlands der Zaren, einen Besuch bei der verehrten, erlauchten Familie von Nikolaus II, den Genuss einer unmöglichen Liebe, die Mysterien und Grausamkeiten der Revolution…
Doch wer dies alles erwartet, muss leider enttäuscht werden. „Das Haus zur besonderen Verwendung“ ist eine ganz nette Geschichte über den Lebensweg eines alten Ehepaares, doch mehr auch nicht. Denn anstelle der versprochenen Erzählung von dem Bauernjungen, der sich mit dem Zarewitsch anfreundet und sich in die Zarentochter Anastasia verliebt, erfährt man viel mehr über Georgis Arbeit in einer Londoner Bibliothek, über Filme, die er mit seiner Frau ansieht, ihre Tochter und ihren Enkelsohn, die Krönung der Queen Elizabeth II, und Menschen, die ihnen auf ihrem Lebensweg begegnen, sowie die Depressionen und Suizidversuche der überlebenden Prinzessin.
Die ganze Zeit über scheint der Roman eher Stew als Schtschi, eher etwas dünner Pfefferminztee als Wodga; der mystische Zauber des Zarenreiches ist nicht zu verspüren; seine Faszination bleibt dem Leser verborgen, ebenso die Exzentrik des Lebens am Hof der Romanows, die Schönheit und Grausamkeit ihrer Epoche mit ihren rauschenden Festen und Blutbädern; die Geschichte und die Charaktere sind viel mehr englisch als russisch, bleiben oft eher blass und schemenhaft und verwehren dem Leser ein Gefühl der Authentizität wenn er in eine fremde, vergangene Zeit und Kultur eintaucht.

Fungierten Boyne’s schlichte, einfache Sprache, das Verschweigen mancher Dinge und die damit verbundene ‚Entfremdung‘ von dem zentralen Thema in „Der Junge mit dem gestreiften Pyjama“ als sehr wirksame Waffen auf den Leser, so erscheinen sie hier viel eher fehl am Platz. Teilweise ist es frustrierend wie einfach der Autor es sich macht, historische Themen abzuhandeln oder wichtige Geschehnisse der russischen Geschichte unverfänglich zu umschiffen. Man sieht die Revolution, den Hass, das Elend, die Gefahr nicht wachsen und reifen; sie ist irgendwann einfach geschehen…
Selbst Rasputins finstere, mystische Faszination ist nur äußerst schwerlich zu erfassen, seine Rolle und sein Handeln am Hof werden verkürzt und recht ungesalzen abgehandelt.
Einige Enthüllungen und Wendungen sind sehr vorhersehbar, bereits nach wenigen Kapiteln ist Sojas Geschichte offensichtlich, und auch die Geschichte um die Großfürstin Maria Romanowa überrascht nicht im Geringsten.

Des Weiteren wirkt es ein wenig banal wenn sich die Jugendlichen zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts ebenso ausdrücken, verhalten, ebenso denken, urteilen und träumen wie in unserer Gegenwart („sie hatten schon seit Monaten etwas miteinander“?). Die Tragik und Unmöglichkeit der Liebe zwischen Georgi und Anastasia muss immer wieder erklärt und zurück ins Gedächtnis gerufen werden, denn leider ist es dem Leser nicht möglich sich in die Konventionen jener Zeit einzufinden.
Diese Liebe, die das Herzstück des Romans sein sollte war es allerdings, die mich neben den nur rar gesäten geschichtlichen Elementen, am meisten enttäuscht hat.
Es bleibt bis zum Ende hin ein Rätsel was es nun eigentlich ist, was Georgi und seine Frau ein Leben lang zusammenhält; die Bande, die sich zwischen ihnen knüpfen als Georgi sein Leben im Winterpalais beginnt, erscheinen als simple, oberflächliche Schwärmerei zweier Teenager; die wunderschöne Prinzessin, der gutaussehende Leibwächter; die sich nie erkennbar zu etwas tieferem entwickelt. Nur wird sich bei jeder Gelegenheit geküsst, ewige Liebe geschworen und dann immer wieder betrübt betont, dass sie keine Zukunft haben und niemals heiraten können werden.
Georgi beobachtet sie und gedenkt dann und wann ihrer Schönheit, leider erfahren wir nie was es ist was sie für ihn so schön macht und weshalb die beiden sich überhaupt in einander verliebt haben.
Die Liebe der beiden Protagonisten zeigt ebenso wenig Entwicklung und ebenso viel Blässe wie die Charaktere selbst und wie die Behandlung der geschichtlichen Ereignisse.

Darum schafft der Roman auch nicht mich mit der Geschichte die er erzählt zu berühren. Es gibt nur wenige Momente wie jenen in dem Georgi und Anastasia zum letzten Mal das Winterpalais besuchen, die ein klein wenig den Zauber versprühen, der zu Beginn des Buches angedeutet wurde, doch dann niemals aufzufinden war.
„Das Haus zur besonderen Verwendung“ ist eine Sammlung von Geschichten aus dem Leben eines alten Mannes, doch leider weder ein geschichtliches Epos über die letzte Zarenfamilie, noch ein bewegender Liebesroman, es ist eine nette, angenehme Geschichte, die sich leicht lesen und leicht verdauen lässt, mehr allerdings leider nicht!
Sie ist eine angenehm temperierte Tasse nicht zu starker Pfefferminztee, deren Verzehr niemals zu dem Rausch und Kater des Wodgas führen wird!

02.05.2014 16:04:03
jenvo82

Die Geschichte erzählt vom Leben des letzten russischen Zaren und seiner Familie. Während der Ich-Erzähler Georgi aus einer einfachen Bauernfamilie stammt und nur durch eine Heldentat an den Zarenhof beordert wird, ist seine Angebetete die jüngste Tochter seiner Majestät. Mittels zweier Handlungsstränge, die zeitlich entgegengesetzt verlaufen zeichnet sich das Bild einer großen Liebe und eines bewegten Lebens ab. So taucht der Leser in die Ereignisse des Jahres 1917 ebenso ein wie in die Begebenheiten von 1981. In der Rahmenhandlung streift der Autor viele historische Ereignisse, aber immer stehen die Biografie und die Liebesgeschichte von Georgi und Anastasia im Vordergrund.
Fazit: Gute Unterhaltungsliteratur mit sehr spannenden Passagen und einer Erkenntnis, die der Hauptprotagonist am Ende seines Lebens gewonnen hat: „Nutze den Tag und sei dankbar für alles, was dir geschenkt wurde und was du erreicht hast.“

29.03.2012 12:48:17
tedesca

Nachdem ich in letzter Zeit einiges zum Thema russische Revolution aus der Sicht der Revolutionäre gelesen habe, war dieses Buch eine willkommene Abwechslung in dem Sinne, dass diesmal aus Sicht der Zarenfamilie und ihrer Getreuen berichtet wird. Der Ich-Erzähler Georgy wird durch ungewollte Tapferkeit zum persönlichen Leibwächter des Zarewitsch Alexander ernannt und lernt so die Familie aus nächster Nähe kennen. Den Zar respektiert er aus ganzem Herzen, wobei er dieses jedoch der jüngsten Großfürstin Anastasia schenkt. Wie es kommen muss, fällt die Familie dem Mord durch die Revolutionäre zum Opfer, Georgy jedoch gelingt es, nach Frankreich und später nach England zu fliehen, wo er bis zum Krebstod seiner Frau alle Höhen und Tiefen eines Emigrantendaseins durchlebt.

Boyne hat einen interessanten und berührenden Roman geschrieben, dem es jedoch leider oft am Detail mangelt. Z.B. fragt man sich doch unwillkürlich, woher ein russicher Bauer so gut Französisch und Englisch spricht, dass er unmittelbar nach seiner Ankunft im entsprechenden Land Jobs im Buchhandel bzw. einer Bibliothek bewältigen kann. Derartige Informationslücken gibt es etliche, wobei andererseits die historische Genauigkeit relativ gut gegeben ist, wie ich nachrecherchieren konnte. Natürlich leidet diese immer dort, wo Georgy seine persönlichen Erlebnisse mit der Zarenfamilie berichtet, aber sonst hätten wir ja ein Geschichtswerk und keinen Roman vor uns. Alles in allem ein schönes Buch, leicht zu lesen und gut fürs Gemüt. Kein Meisterwerk, das man unbedingt gelesen haben muss, aber doch gut für ein paar entspannende Lesestunden.

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