Ewig Dein

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2012, Seiten: 4, Übersetzt: Andrea Sawatzki

Couch-Wertung:

85
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Rita Dell'Agnese
Was ist Liebe, was ist Besessenheit?

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jan 2012

Judith führt ein selbstbestimmtes Leben als Inhaberin eines kleinen Lampengeschäfts in Wien. Sie ist mit ihrem Single-Dasein weitgehend zufrieden, dennoch schmeicheln ihr die Aufmerksamkeiten des Architekten Hannes, den sie bei einem zufälligen Zusammenstoß im Supermarkt kennen lernt. Obwohl Judith gegenüber Hannes von Anfang an ein diffuses Gefühl von Beklemmung verspürt, lässt sie sich auf den gut aussehenden Mann ein, der von ihrem Freundeskreis bewundert wird. Je mehr sich Hannes in ihrem Leben breit macht, desto mehr fühlt sich Judith aber von ihm bedrängt. Sie versucht Distanz aufzubauen - doch Hannes lässt sie nicht in Ruhe. Er verfolgt sie auf subtile Weise.

Mit diesem Stalking-Roman beweist der Wiener Journalist und Autor Daniel Glattauer, dass er sich schriftstellerisch nicht in eine Ecke drängen lässt. Eben noch vom Erfolg seines Email-Romans "Gut gegen Nordwind" und dessen Nachfolgeroman "Alle sieben Wellen" überwältigt, macht er mit "Ewig Dein" eine klare Kehrtwendung und legt anstelle einer weiteren Liebesgeschichte einen Roman mit Thriller-Charakter vor. Hier kommt dem Autor seine Vergangenheit als Gerichtsreporter sehr entgegen. Er erzählt eine Geschichte, wie sie in einem Gerichtssaal verhandelt werden könnte: So unglaublich und doch so alltäglich! Der harmlose Einstieg in die vermeintliche Liebesgeschichte vermag aufmerksame Leser nicht zu täuschen: Schon vom ersten Moment des Zusammentreffens der beiden Protagonisten weg, vermag man die Gefahr zu spüren, die von Hannes ausgeht. Etwas, das die Leser mit Judith teilen. Denn die sensible Frau merkt sofort, dass mit Hannes etwas nicht ganz stimmt. Doch es gelingt ihr nicht, sich aus der Falle zu befreien, in die sie getappt ist.

Daniel Glattauer greift in "Ewig Dein" ein aktuelles Thema auf, das von der Gesellschaft allerdings nur bedingt wahrgenommen wird. Denn – wie auch von Glattauer höchst gekonnt umgesetzt – die Grenze zwischen Aufmerksamkeit und Aufdringlichkeit, zwischen Umwerben und Stalking ist oft fließend. Und wer stalkt tut dies oft so subtil, dass er damit nach öffentlicher Meinung nichts Unrechtes tut – eine Situation, die durch die oftmals herrschende Handlungsunfähigkeit der Gesetzesvertreter zusätzliche Brisanz erhält. Stalking lässt sich nicht immer beweisen und kann doch so erstickend sein, dass er der betroffenen Person die Luft zum Atmen nimmt. Auch die zuvor recht selbstbewusste Judith kann sich aus diesem Netz nicht ohne weiteres befreien.

Während Glattauer die Ausrichtung seiner Geschichte stark veränderte, ist er mehreren sprachlichen Elementen treu geblieben, die seine bisherigen Romane kennzeichnen. So spielt er über ganze Strecken hinweg mit der direkten Rede, lässt kurze Sätze – nur eingeleitet vom Name und Doppelpunkt -  in einem Stakkato-Rhythmus wirken und verleiht den Dialogen dadurch erhebliches Tempo. Dies aber nur streckenweise, so dass sich die erzählenden Elemente gegenüber der Dialogform durchaus behaupten können. Man muss sich an Glattauers Sprachrhythmus zuerst gewöhnen, will man nicht über den ungewöhnlichen Mix stolpern. Wer sich aber einmal damit vertraut gemacht hat, wird dieses Stilelement zu schätzen wissen.

"Ewig Dein" ist ein solider, intensiver und aktueller Thriller, der den Autor Daniel Glattauer von der Ebene des lockeren Liebesroman-Schreibers auf die Ebene eines ausgezeichneten Beobachters von psychischen Abgründen schiebt, der es hervorragend versteht, die kleinen Alltäglichkeiten gleichermaßen wie die großen Ungeheuerlichkeiten sprachlich umzusetzen. Der neue Roman hat keinerlei Anknüpfungspunkte zum Erfolgsroman "Gut gegen Nordwind" und das ist auch gut so. Denn "Ewig Dein" verdient es, als eigenständiges Werk wahr- und ernst genommen zu werden.

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