Traumtänzer

Erschienen: Januar 1995

Bibliographische Angaben

  • New York; London: D. Appleton, 1922, Titel: 'The glimpses of the moon', Seiten: 364, Originalsprache
  • München; Zürich: Piper, 1995, Titel: 'Der flüchtige Schimmer des Mondes', Seiten: 358, Übersetzt: Inge Leipold
  • München; Zürich: Piper, 1996, Titel: 'Der flüchtige Schimmer des Mondes', Seiten: 358
  • Berlin: Ed. Ebersbach, 2011, Seiten: 422

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Rosie Sabel
Ausgeträumt

Buch-Rezension von Rosie Sabel Dez 2011

Der junge Schriftsteller Nick Lansing, "dessen Feder nie etwas hervorbringen würde, das ihn in die Lage versetzen würde, seiner Ehefrau etwas Aufwendigeres als ein Ruderboot zu bieten", heiratet die attraktive, ebenfalls mittellose Suzy. Beide sind als Einzelpersonen außergewöhnlich beliebt, "als Paar jedoch eine Attraktion". Man befindet sich in den USA in den golden twenties und so erhalten sie wie erwartet anlässlich ihrer Hochzeit viele Barschecks sowie Einladungen der High Society in herrschaftliche Häuser in ganz Europa. Sie sind gute Entertainer und ihre reichen, gelangweilten Freunde schätzen es sehr, mit Jungvermählten zusammen zu sein, denn dadurch fühlen sie sich selbst auch jung und verliebt. Nick und Suzy vereinbaren, ihre Ehe umgehend aufzulösen, sobald sich für einen von ihnen eine bessere Partie ergibt, denn das einzig Erstrebenswerte für sie ist ein Leben in Reichtum und Luxus. Eine Weile genießen sie das Schmarotzerdasein und frönen ihrem Hedonismus, geraten jedoch nach und nach immer mehr in die Abhängigkeit ihrer jeweiligen Gönner. Als die beiden einen Ehebruch decken sollen, kommt es zum Eklat. Nach diversen Irrungen und Wirrungen sowie der Möglichkeit beider, eine richtig gute Partie zu machen, entdecken sie letztendlich ihre Liebe zueinander, und dass ein emanzipiertes Leben miteinander in Armut wesentlich erstrebenswerter ist als ein Leben in Reichtum und Unfreiheit.

In diesem Jahr wäre Edith Wharton 150 Jahre geworden. "Traumtänzer" ist der erste Roman, den sie nach dem Erhalt des Pulitzerpreises für "Zeit der Unschuld" (1921) veröffentlichte. Zentrales Romanthema der 1862 in New York geborenen Schriftstellerin ist die kritische Auseinandersetzung mit den veralteten gesellschaftlichen Strukturen ihrer Zeit, dem extremen Reichtum einiger weniger Familien und aufkeimenden sozialen Konflikten. Ihre Protagonisten Nick und Suzy sind zunächst im gesellschaftlichen Korsett gefangen. Sie geben sich charmant und gefügig, um vom Reichtum ihrer Freunde profitieren und auf deren Kosten ein luxuriöses Leben führen zu können. Lange Zeit ist ihr Vorrat an Toleranz und Entschuldigungen für ihre vermögenden Freunde unerschöpflich. "Suzy hatte sich lange darin geübt, Leute mit großen Geldbörsen zu mögen und es war ein Teil ihrer Lebensphilosophie, keine Fragen zu stellen." Nick und Suzy lassen sich auf diese gesellschaftliche Komödie ein, bis sie aufgrund der Ereignisse gezwungen werden, moralisch Stellung zu beziehen und dadurch letztendlich Läuterung erfahren. Ähnlich wie bspw. in den Romanen der Bronte-Schwestern durchlaufen die beiden eine Wandlung weg von vorherrschenden gesellschaftlichen Zwängen hin zu einem Leben in Unabhängigkeit und Selbstbestimmung.

Edith Wharton hat diese Metamorphose zumindest teilweise selbst durchlebt, sie entstammte einer alten New Yorker Aristokratenfamilie, in der sich alles um perfektes Benehmen und gesellschaftliche Repräsentation drehte. Schriftstellerische Ambitionen ziemten sich nicht für eine Tochter aus ihren Kreisen, und so floh sie aus einer unglücklichen Ehe nach Paris und widmete sich dort ganz dem Schreiben. Die Verfilmung von "Zeit der Unschuld" durch Martin Scorsese 1993 holte ihre schon lange als altmodisch geltenden Werke kurzzeitig aus der Versenkung. Zwar beschreibt Wharton in ihrem Roman deutlich Egozentrik und Oberflächlichkeit der herrschenden Upper Class, doch es gelingt ihr nicht, ihre beiden Hauptpersonen charakterlich positiv davon abzusetzen. Trotz der Persönlichkeitsentwicklung, die Nick und Suzy durchlaufen, um letztendlich die Entscheidung gegen den Luxus zu treffen, bleiben sie bis zum Ende seltsam konturenlos, ihre Handlungen teils unlogisch. Insbesondere in den letzten Kapiteln, in denen sie ihren Irrweg und ihre Liebe zueinander erkennen, in denen "die Künstlichkeit und Unwirklichkeit ihres Lebens sie umfing wie dichter Nebel", wäre etwas mehr Zielstrebigkeit und Integrität, ja wahrhafte Überzeugung für den vor ihnen liegenden, durchaus steinigen Weg angebracht gewesen. So aber wird der Leser nicht wirklich involviert und bleibt vom Schicksal der beiden Traumtänzer gänzlich unberührt. Whartons Schreibstil ist romantisierend-naiv und gewöhnlich, geradezu langweilig für heutige Maßstäbe. Insgesamt ist ihr Buch sowohl inhaltlich als auch stilistisch weder mitreißend noch spannend noch in irgendeiner Weise relevant.

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Letzte Kommentare:
16.02.2015 07:45:01
Marina Sosseh

Es ist wirklich lange her, seitdem ich in die Parallelwelt eines Romanes so lustvoll versunken bin, wie bei der Lektüre von "Traumtänzer": zu platt, banal und vorhersehbar ist meist die Unterhaltung, von der man heutzutage überschwemmt wird. Doch genug des Jammerns. Hier verhält es sich nämlich gänzlich anders: Vor dem Hintergrund eines aristokratischen Gesellschaftsportraits wird ein intelligentes Psychogramm einer jungen Frau und ihres ebenfalls mittellosen Ehemannes gezeichnet, das zwischen scharfsinnigen Analysen einer Gesellschaft von gelangweilten Müßiggängern, von deren finanzieller Protektion das junge Paar es vorzieht, abhängig zu sein, die Frage nach der großen Liebe und vor allem dem unvermeintliche Preis des Glücks stellt. "Monumentale" Fragen, die durchaus aktuell sind, werden nicht nur mit Hilfe der leidvollen Erfahrungen der Protagonisten diskutiert, sondern deren Konsequenzen auch an Hand von vielfältigen und durchaus schillernden Nebenfiguren aufgezeigt: Zu welchen Eingeständnissen ist jemand gezwungen, der sich auf die eine oder andere Art verkaufen muss? Führen finanzielle Abhängigkeiten zu einer fast unmerklichen Verweichlichung der eigenen ethischen Überzeugungen? Kann "wahres" Liebesglück Verwerfungen, die uns von der Gesellschaft angetan werden, überwinden oder ist eine "vernünftige" Lebensentscheidung ratsamer? Ich persönlich hätte mir allerdings ein anderes "Ende" der Geschichte gewünscht.