Tschick

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Argon, 2010, Seiten: 4, Übersetzt: Hanno Koffler
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2012, Seiten: 256, Originalsprache

Couch-Wertung:

95

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Christian Brockhaus
Danke dafür, Wolfgang Herrndorf!

Buch-Rezension von Christian Brockhaus Dez 2011

Zugegeben, Tschick ist kein tiefgründiges Buch. Keine Literatur, welche eine große Geschichte beschreibt. Auch liegt die Kunst Herrndorfs hier nicht in einer besonders ausgefeilten Schreibweise. Tschick ist ein geschriebenes Roadmovie und beginnt in Berlin. Es ist vermutlich die eher einfache Sprache, die hier beim Lesen solchen Spaß macht. Keine tiefgründigen Gedankenspiele, dafür viel Gefühl, rasantes Tempo und eine ungewöhnliche Freundschaft...

Maik Klingenberg geht in die achte Klasse eines Berliner Gymnasiums. Ein unauffälliger Typ wohlhabender Eltern der so langweilig ist, dass ihm nicht einmal der Spitzname zugedacht wird, den er gern hätte. Maik steht auf Tatjana aus seiner Klasse, die aber in einer ganz anderen Liga spielt. Keine Chance auf ihre Party eingeladen zu werden, zu der eigentlich alle kommen. Ausser Maik. Und Tschick, der gerade neu in die Klasse gekommen ist. Tschick heißt eigentlich Andrej Tschichatschow und kommt aus Russland. Maik kann Tschick nicht leiden, da dieser trinkt, nicht viel spricht und ihn Regeln nicht interessieren. Doch genau diesem Reiz erliegt Maik, als Tschick plötzlich mit einem gestohlenen Lada bei Maik zuhause auftaucht, dessen Eltern ihm für eine ganze Woche das Haus überlassen haben. Sein Vater vergnügt sich mit seiner Assistentin auf einer "Geschäftsreise", während Maiks Mutter die Zeit wieder einmal auf der "Beautyfarm" (einer Entzugsklinik für Alkoholiker) verbringt.

Nur zögernd geht Maik auf das Angebot von Tschick ein, mal eine Runde mit dem Lada um den Block zu fahren. Aus dieser Runde wird jedoch eine kleine Reise, welche die Beiden in die Walachei führen sollte. Wären da nicht die vielen kleinen Unwägbarkeiten, die eine solche ungeplante Reise mit sich bringt. So lernt Mike von Tschick auf einer Wiese das Autofahren, damit abwechselnd gefahren werden kann. Die zuhause noch hastig in den Kofferraum gestopften Lebensmittel und Utensilien erweisen sich nur teilweise als hilfreich und nutzbar. So stellt sich schnell heraus, dass sich Tiefkühlpizza nicht mit einem Feuerzeug zubereiten lässt und "Landkarten was für Muschis sind". So manch tiefgründiges Gespräch der Beiden habe ich in Gedanken laut lachend verfolgt, um dann feststellen zu müssen, dass auch in scheinbar primitiven Vorstellungen der Welt eine Menge Wahrheit liegen kann. Maik und Tschick gehen so herrlich unvoreingenommen an die Dinge heran, die ihnen begegnen, dass man sich beim Lesen so manches Mal wünscht, auf der Rückbank des Lada mitfahren zu können. Die einfachsten Dinge wie z.B. Einkaufen oder Tanken werden zu einem Abenteuer.

Bei der Suche nach einem Schlauch auf einer Müllkippe lernen sie dann Isa kennen, ein Ausreißermädchen, welches sie ein Stück begleitet und die auch ihr ganz eigenes Stück Lebensphilosophie in die Geschichte mit einbringt. Isa will zu ihrer Halbschwester nach Prag fahren und nutzt die Mitfahrgelegenheit, egal in welche Richtung es gerade geht. Auf diese Weise wird es dann für kurze Zeit richtig romantisch, bevor Isa mit dem Bus ihren Weg fortsetzt.

Wie schon bei Max und Moritz heißt es auch hier "Aber wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe", denn die Aktionen mit dem Lada bleiben auch von den Gesetzeshütern nicht unbemerkt. So reiht sich noch eine skurrile Situation an die nächste; immer wieder begleitet von dem Gedanken, die beiden mögen es doch bitte dieses eine Mal noch unbemerkt nach Hause schaffen. Das ist das Schöne an der Geschichte: Niemand kommt wirklich zu Schaden, nichts geschieht böswillig.

Jedoch kommt es wie es kommen muss und das Buch endet da, wo es angefangen hat. Am Ende der Reise. Am Anfang einer Freundschaft, die nur kurz dauern durfte. Ein Gefühl wie nach einer rasanten Karussellfahrt stellt sich ein. Am liebsten würde ich sitzen bleiben und noch ein paar Runden mit den liebenswerten Figuren Herrndorfs fahren. Die Geschichte fesselt mit einer kindlichen Einfachheit. Sie kommt nicht tiefgründig daher, aber berührt doch tief mit ihrem Charme und ihrem Witz. Für ein paar Stunden fühlte ich mich wieder in die Schulzeit versetzt. Liebeskummer, das erste Bier, verbotene Früchte probieren. Danke dafür, Wolfgang Herrndorf!

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Letzte Kommentare:
28.11.2016 20:09:26
Wichmann-Reviews.de

Cover
Eine stilisierte Straße? Bunte Streifen? Es sagt nicht viel aus und doch hat es das gewisse Etwas.

Inhalt
Das Buch beginnt recht witzig und verliert sich etwas in monologer Langatmigkeit. Erst ab Kapitel 16 zeigt sich, dass dieser Ansatz richtig ist, denn für dieses Buch ist die Einführung in Maik, aus deren Sicht das Geschehen erzählt wird, sehr wichtig. Der Leser braucht fortan keine weiteren Personenhinweise, sondern ist gefangen, fast schon eingesperrt in das Denken und Fühlen eines Jugendlichen. So wird die Handlung nachvollziehbar und nimmt Fahrt auf. Der Leser ist in den Protagonisten hineinversetzt, fühlt mit ihm und lernt Tschick kennen. Fast fragt man sich beim Lesen, ob man in den Situationen selbst so denken, fühlen, sprechen würde. Was täte ich in diesem Moment, wenn der Polizist das Schauspiel durchschaut? Was würde ich tun, wenn ich‘ Tschick verliere?
So spinnt sich die Geschichte weiter und immer weiter im erfrischend jugendlichen Slang um das Spinnrad und könnte doch tatsächlich so geschehen sein. Wäre da nicht der Alte mit seinem Gewehr. Dies scheint ein bisserl weit hergeholt und zerstört das bis dato liebevoll aufgezeichnete Bild.
Schnell versöhnt ist der Leser als Maik, unter Beobachtung stehend telefoniert und an einen netten Erwachsenen Gesprächspartner gerät, der trotz der nächtlichen Störung sinnvolle Fragen stellt und schließlich mitspielt. An solchen Stellen des Buches wäre der Leser gern persönlich dabei und freut sich, dass er zumindest so eingefangen ist in dem Geschehen, dass er gar nicht anders kann als schnell weiterzulesen. Selbst das Ende der Reise und schließlich des Buches lässt eigentlich auf den nächsten Teil hoffen, der aufgrund des leider zu frühen Todes des Autoren nicht kommen wird.

Zielgruppe
Nicht nur Jugendliche, sondern alle, die den jugendlichen Flair noch einmal aufleben lassen wollen und Gegenwartsliteratur mögen.

Fazit
Daumen hoch!

13.12.2012 17:40:23
Ralph Wagner

Gab es ein Leben vor Tschick? Ich mag mich nicht dran erinnern!
Wie gerne würde ich Maik und Tschick kennen!
Selten hat mich ein Buch so berührt und so mitgenommen!
Ich werd es sicherlich im Laufe der Jahre immer und immer wieder lesen und sicherlich immer und immer wieder verschenken!
Danke Wolfgang Herrndorf

14.11.2012 22:30:20
drumkarin

Ein neuzeitliches Roadmovie irgendwo in Deutschland, mit sympathisch leidenden, jugendlichen Protagonisten, die im Lauf des Romans erwachsener werden und einiges über das Leben und die Welt, (leider aber noch sehr wenig über die Liebe) gelernt haben. Das klingt erst mal sehr pädagogisch, so ist es aber überhaupt nicht geschrieben. Es ist sozusagen tragikomisch, lustig, humorvoll und weise zugleich. Besonders gefällt mir die Figur der Isa, die den Jungs einiges voraus hat.

06.06.2012 14:15:07
tedesca

Maik und Tschick auf großer Fahrt. In einem gestohlenen Lada Niva in Richtung Walachei. Zwei Teenager, die aus völlig unterschiedlichen Verhältnissen stammen und trotzdem im Grunde das gleiche Schicksal erleiden: die komplette emotionale Verwahrlosung, keiner kümmert sich um sie, alle Erwachsenen sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um auf die Bedürfnisse eines 15-Jährigen einzugehen.

Ein berührend-witziges Buch, geschrieben in einer jugendgerechten Sprache, die immer natürlich klingt, nicht übertrieben und auch nicht nervig.

Besonders gut gefallen hat mir eine der Schlussaussagen, nämlich, dass die Menschen garnicht so schlecht sind, wie immer behauptet wird.

Ein echter Tipp für Jugendliche und Erwachsene, die ihre eigene Jugend noch nicht vergessen haben oder vielleicht einfach einmal gerne Einblick in die Gedankenwelt von Teenagern gewinnen möchten.