Stillbach oder die Sehnsucht

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • München: Beck, 2011, Seiten: 379, Originalsprache

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Daniela Loisl
Wenn einem die Wurzeln der Heimat verbrannt wurden

Buch-Rezension von Daniela Loisl Nov 2011

Drei Frauen, Clara, Ines und Emma und zwei Männer, Franceso und Paul. Das sind die Figuren denen man in Sabine Grubers neuem Roman Stillbach oder Die Sehnsucht begegnet.

Clara macht sich von Wien auf den Weg nach Rom, um sich um den Nachlass ihrer verstorbenen Freundin Ines zu kümmern. Dabei trifft sich auch auf Paul, den Ines noch kurz vor ihrem Tod getroffen hat und er bietet Clara seine Hilfe an. Als Clara Ines Wohnung aufräumt, stößt sie auf ein Manuskript, einen Roman den Ines geschrieben hat und Clara vertieft sich in die Lektüre, die eine Menge Fragen aufwirft.

Emma, eine starke, aber einsame Frau die selbst nicht zu Wort kommt, steht im zentralen Geschehen der Geschichte. Dass Emma die Hauptfigur dieses Romans ist, kristallisiert sich aber erst nach und nach aus der Erzählung heraus.

Sabine Gruber gewährt mit diesem Buch einen Blick auf Südtirol und deren Bewohner, wie es kaum jemand kennt. Die Probleme der Nachkriegszeit, die Zerrissenheit der Menschen die die Geborgenheit ihrer Heimat verloren und sich dennoch nicht unterkriegen lassen und hart ums Überleben kämpfen müssen. Die Frauen sind es, die von den Bergen und Tälern Südtirols in die Städte gehen, um als Dienstmagd in Bozen, Venedig oder Rom zu arbeiten und so ihre Familien ernährten. Die Italiener begegneten den Südtirolern mit Skepsis und auch Verachtung und die Südtiroler fühlten sich Italien nicht zugehörig. Eine fremde Welt, von der Außenstehende kaum etwas wissen und die die Autorin dem Leser auf sehr subtile und feinfühlige Weise zugänglich macht.

Mit Clara und Ines hat Sabine Gruber zwei Frauen geschaffen, die beide aus demselben Ort stammen: Stillbach. Beide gingen ihren Weg, Clara heiratete einen Arzt und bekam ihre Tochter, Ines zog letztendlich nach Rom, lebte aber alleine. Auch wenn sich die beiden Frauen später nur noch selten sahen, verband sie eine innige Freundschaft.

Als sich Clara nach Ines` Tod mit dem Zug auf den Weg nach Rom macht, um ihren Nachlass zu regeln, lässt sie ihre Gedanken schweifen und der Leser bekommt erste Einblicke in das Leben der beiden Frauen. Von Beginn an legte sich ein feiner Nebel  der Melancholie über die ganze Geschichte, der sich erst zum Ende hin etwas verflüchtigt. Zwischendurch steht man vor sehr dichten Nebelschwaden, die die Sicht der drei Frauen auf ihre Zukunft stark behindern und trüben.

Sind es vermeintlich Clara und Ines die man begleitet, so spielt letztendlich aber Emma die zentrale Rolle. Ihre Geschichte steht im Focus, welche man quasi als Roman im Roman erleben darf. Durch Emma veranschaulicht die Autorin die massiven Probleme der Entwurzelung von der Heimat, den Verlust des Vertrauten und das Leben unter Fremden.

Emma ist es die alles verliert, wobei dies nach außen hin einen anderen Anschein hat. Sie ist Johann versprochen, der auch in Stillbach beheimatet ist und sie liebt ihn. Sie verliert Johann durch einen Partisanenanschlag, wird schwanger vom Sohn  der Hotelbesitzer in dem sie arbeitet, heiratet ihn – einen Italiener – und bricht mit dieser Ehe alle Brücken nach Stillbach ab.

 

Ich wusste nicht, was ich war. Für viele Italiener war ich eine Deutsche, und für die meisten Deutschen weder eine Italienerin noch eine Deutsche.

 

Paul, der Clara seine Hilfe beim Sortieren von Ines` Sachen angeboten hat, ist Historiker und durch ihn vermittelt Sabine Gruber die historisch politischen Hintergründe der damaligen Zeit sehr geschickt und eindringlich. Es sind die politischen Umbrüche, die das Leben vieler Menschen aus den Angeln riss, da sie sich, wie auch Emma, in ihrem eigenen Land nicht mehr zugehörig fühlten und nun verzweifelt auf der Suche nach ihren verbleibenden Wurzeln waren.

Stillbach oder Die Sehnsucht ist ein wunderbar feiner und stimmiger Roman, welcher die Suche nach sich selbst, nach etwas Glück, Liebe und Geborgenheit auf authentisch kraftvolle Weise zeigt. Mit einer hervorragend klaren Sprache gewährt die Autorin einen Blick in eine Vergangenheit, die wesentlich mehr Aufmerksamkeit verdient als ihr gewährt wird.

Eine Geschichte die berührt, aufweckt und nachdenklich macht.

Stillbach oder die Sehnsucht

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