Die Möglichkeit einer Insel

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • Köln: DuMont, 2005, Seiten: 442, Übersetzt: Uli Wittmann
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2007, Seiten: 493, Übersetzt: Uli Wittmann
  • Berlin: Der Audioverlag, 2006, Seiten: 4, Übersetzt: Stefan Hunstein & Rudolf Kowlalski

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Daniel24 und Daniel25, emotionslose Neomenschen späterer Klongenerationen, blicken auf ihren genetischen Prototypen und damit auf unsere Gesellschaft zurück: Eine Gesellschaft, die alle Tabus gebrochen hat und unter vernichtender Angst vor dem Altwerden leidet. Doch auch der Neomensch findet in seiner individuellen Unabhängigkeit kein Glück. Marie23 und Daniel25 begeben sich schließlich auf die Suche nach der Möglichkeit einer Insel.

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Letzte Kommentare:
19.02.2015 08:29:59
euripides50

Die erste Verringerung und die anschließende Eisschmelze ließ die Erdbevölkerung von 14 Milliarden Menschen auf siebenhundert Millionen schrumpfen. Die zweite Verringerung brachte eine große Dürre und das Ende des Menschengechlechtes, so wie wir es kennen. Überlebt haben nur die Neo-Menschen, die von ihren inselartigen Siedlungen mit Grausen auf die barbarisierten Reste der alten Menschheit blicken, die vor Zäunen oder Absperrungen oder in Steppen oder am Rande des Meeres als heruntergekommene Wilde herumlaufen. Die Weibchen halten ihre nackten Kinder bittend vor Elektrogittern in die Höhe, ohne dass sich irgendjemand ernsthaft um sie schert Daniel 24 und 25, Marie22 und 23, Esther 31 und die ganze Neo-Menschenmischpoke leben derweil im Luxus, kümmern sich nur noch um ihre abgeflachten Gefühlsresiduen und studieren unablässig die Lebensberichte ihrer Vorgänger - vor allem die Aufzeichnungen von Daniel 1, einer Figur aus der Zeit vor der ersten Verringerung und einem typischen Protagonisten des alten Menschengeschlechtes. Daniel 1, die genetisch noch unvollkommene Blaupause seiner geklonten Nachfahren Daniel fff. lebt am Beginn des 21. Jahrhunderts und hat als Komiker weltweiten Erfolg, ohne dass seine besondere Witzigkeit für den Leser in irgendeiner Weise erkennbar würde. Er liebt diverse Frauen, schreibt geschmacklose Drehbücher und reflektiert über Nietzsche und Pascal, die Liebe, den Hass, die Vergänglichkeit und was immer einer Houllebecqschen Kunstfigur aus den Zeiten des alten Menschengeschlechtes den lieben langen Tag so einfallen mag. Schon reichlich vom Leben gezeichnet, kommt Daniel 1 mit den Elohim in Kontakt, einer Sekte, die daran arbeitet, die Menschheit durch Klonung zu erlösen. Dabei stellt der Bekehrte seine DNA-Substanz der Datenbank der Elohim zur Verfügung, vermacht sein gesamtes Vermögen der Organisation und nimmt dann irgendwann (wenn im Alter der Spaß am Leben aufhört) einen frohgemuten "freiwilligen Abschied" (sprich: begeht Selbstmord), weil man ja als genetischer Klon bald rekonstruiert werden wird. So scheidet schließlich auch Daniel 1 aus dem Leben, ohne zu wissen, dass seine Gene noch geschlaGENE dreihundert Jahre warten müssen, bis die Wissenschaft der Elohim endlich in der Lage ist, ihre Verheißung zu erfüllen und fertige Duplikate im Alter von 18 Jahren zu klonen, die dann einfach den gleichen Namen und zur Identifikation nur eine fortlaufende Ordnungsnummer erhalten. So wurde nicht nur das lästige Embryonal- und Kindheitsstadium gänzlich eliminiert, durch die bald eingeführte "genetische Standardrevision" besitzen die Neo-Menschen schließlich sogar die Fähigkeit, sich über die Photosynthese und die Aufnahme mineralischer Salze zu ernähren. Aber - wer hätte das gedacht -wirklich glücklich sind auch die Klonmenschen nicht. Da ihnen die Fortpflanzung, die Liebe, die Not, der Hunger, kurz: alle elementaren Begierden bis auf kaum merkliche Reste zurückgeklont wurden, langweilen sie sich schier zu Tode, ohne dass klar würde, warum sie diese todlangweilige Existenz bis in alle Ewigkeit durch immer neue Klone fortsetzen sollten. Folgerichtig bricht auch Daniel 25 aus dieser inselartigen Existenz aus und macht sich mit seinem Klonhund Fox25 auf die Reise durch den verwaisten Planeten, ohne zu wissen was ihn erwartet.

Das ist der Plot des vorliegenden Buches. Wie aber ist er gelungen? Auch auf die Gefahr hin, mir jede Menge Minusbewertungen einzuhandeln, meine ich: mäßig! Sicher ist das Buch gespickt mit den typischen Houellebecqschen Apercus ("Es lag in ihrer Natur zu lieben wie bei der Kuh das Grasen" und so weiter), und auch die menscheitsgeschichtliche Totalperspektive, die Jugendwahn und Altsverachtung, Sexmanie und Erlösungssehnsucht zu einer apokalyptischen Melange verrührt, hat etwas durchaus Gedankenreiches. Doch wie immer bei Houellebecq gleichen sich die Charaktere der Frauen wie ein Bauhausschrank dem nächsten, und mit den Männern ist es auch nicht viel besser. Und warum der Leser stante pede darüber informiert werden muss, wann Daniel 1 "einen Steifen" bekommt und wann nicht und warum sich der Prophet der Elohim von seinen Gespielinnen einen "abkauen" lässt, während der Besuche empfängt, wird das Geheimnis des Autors bleiben. Schwer erträglich erscheint auch die pseudointellektuelle Attitüde, die das Buch von der ersten bis zur letzten Seite durchtränkt - einerseits als Sphärengebrabbel der Nachgeborenen, die ihren Nonsens ungefiltert absondern ( vgl. S. 225 und an vielen anderen Stellen ) oder als die reine Zitatenornamentik, wobei die Metaphern und Anspielungen wie etwa bei Schumpeter oder bei Coetze, so schräg und gewölbt daherkommen sich man sich über die Zurückhaltung der Lektoren nur wundern muss Alles in allem ein ambitioniertes Buch mit einem interessantes Plot, dessen literarische Umsetzung aber pure Geste bleibt - oder um es in den Gedankenbildern des Autors ein wenig zugespitzt zu sagen: ein Menschengeschlecht, das ein solches Werk allen Ernstes für höchste literarische Auszeichnung in Erwägung zieht, hat das Aussterben vielleicht sogar verdient.