Barrow's Boys

Erschienen: Januar 2002

Bibliographische Angaben

  • London: Granta, 1998, Titel: 'Barrow´s boys', Seiten: 489, Originalsprache
  • Hamburg: Mare, 2002, Seiten: 599, Übersetzt: Henning Ahrens
  • München; Zürich: Piper, 2004, Seiten: 598
  • Hamburg: Mare, 2010, Seiten: 599
  • Zürich: Unionsverlag, 2011, Seiten: 599

Couch-Wertung:

81
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Kathrin Plett
Gescheiterte Helden

Buch-Rezension von Kathrin Plett Nov 2011

Barrow’s Boys oder Die unglaubliche Geschichte von wahrem Heldenmut und bravourösem Scheitern ist der neueste Roman von Fergus Fleming, welcher die Versuche John Barrows erzählt, auf zahlreichen, erfolglosen Expeditionen die letzten weißen Flecken auf der Landkarte zu füllen. Mit unverkennbar englischem Humor führt Fleming durch die Geschichte, indem er Barrows unermüdlichen Ehrgeiz beschreibt, sich selbst und sein Land zu profilieren. 

Barrow startet sein Entdeckungsprogramm im Jahr 1816. Er ist zweiter Sekretär der Englischen Admiralität und setzt alles daran, bisher unerforschte Bereiche und Gegenden durch von ihm ausgesandte Expeditionen auskundschaften und erkunden zu lassen. Besondere Priorität besitzt dabei zunächst das Finden der Nigerquelle, noch wichtiger sind ihm jedoch die hochgefährlichen Missionen in die Arktis, da er es sich in den Kopf gesetzt hat, als erster die Nord-West-Passage zu finden. Obwohl er immer wieder scheitert und seine Pläne selten von Erfolg, sondern vielmehr von großen Verlusten - die Reisen verschlangen Unmengen an Geld und kosteten viele Menschenleben - geprägt waren, kommt aufgeben für ihn nicht in Frage. Selbst, als es schon nicht mehr darum geht neues Land zu entdecken, sondern nur noch darum, nach Verschollenen zu suchen, gesteht er sich seine Niederlage nicht ein und glaubt weiter fest an Sinn und Erfolg seiner Aufträge.

Fleming gelingt mit seinem Roman eine kluge und gewitzte Mischung aus Fiktion und Realität, die die Erzählung besonders werden lässt. Basierend auf Berichten der Entdecker selbst, werden Zitate verknüpft und in Szene gesetzt, so dass es Fleming ohne große Worte und Ausschmückungen gelingt, den Irrsinn der Expeditionen ironisch darzustellen. Nicht umsonst befindet sich am Ende des Romans ein mehrere Seiten langes Quellenregister, welches auf Originalaufzeichnungen der Entdecker hinweist.

An dieser Stelle tritt der englische Humor in Erscheinung: Nüchtern und ohne große Emotionen beschreibt der Autor, wie eine Mission nach der anderen scheitert und ohne Rücksicht auf Verluste oder große Trauer um zu Tode gekommene Menschen schon die nächsten Fahrt geplant wird. Ärger über Unfähigkeit oder die Sorge, selbst nicht gut bei der Öffentlichkeit anzukommen oder von anderen im Wettlauf, ein Land als erstes entdeckt zu haben, überholt zu werden, überwiegen selbst dann noch, als die Liste der Fehlschläge immer länger wird. Angetrieben von eigenem Ehrgeiz, der keinen Raum für Zweifel an den eigenen Plänen zulässt bleibt kein Platz für Skrupel.

Fleming lässt den Leser zum Beobachter werden. Durch Distanz zum Geschehen, indem er vor allem Handlung und weniger Gedanken beschreibt, sieht der Leser zu, wie das Entdeckungsprogramm Barrows ohne Aussicht auf Erfolg, aber abenteuerlich und mit immer neuen Überraschungen und Wendungen, durchgeführt wird. Mit Witz erzählt, sarkastisch und ironisch, gelingt es, Fleming Geschichte aus einer ganz anderen Perspektive zu zeigen: Nicht langweilig und trocken, sondern mit trockenem Humor auf unterhaltsame Weise!

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