Ich bin so fry

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • London: Michael Joseph, 2010, Titel: 'The Fry chronicles', Seiten: 438, Originalsprache
  • Berlin: Aufbau, 2011, Seiten: 540, Übersetzt: Teja Schwaner

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Andreas Kurth
Im Wortorkan

Buch-Rezension von Andreas Kurth Nov 2011

Wenn ein Schauspieler, Comedian und Stückeschreiber seine Biografie zu Papier bringt, hat er eine Menge zu erzählen. Und so droht Stephen Fry seinen Lesern auch gleich zu Beginn der Fry Chronicles damit, dass er gerne zu viele Wörter gebraucht und zu ausschweifend erzählt. Damit hat er recht, und so sind weite Teile des Buches durchaus mit Geduldsprüfungen für den interessierten Leser verbunden. Der Autor knüpft an den ersten Band seiner Autobiographie an, und erläutert manche Episode aus seiner schlimmen Jugendzeit erneut, um die erstaunliche Endwicklung nach dem Beginn seines Studiums verständlicher zu machen. Und in der Tat ist Frys Wandlung vom Saulus zum Paulus durchaus verblüffend. Als schwer zu erziehender Jugendlicher flog er noch von jeder Schule, auf die ihn seine überaus geduldigen Eltern geschickt hatten, um schließlich sogar im Jugend-Gefängnis zu landen.

Doch dann beginnt seine unglaubliche Wandlung, die ihn schließlich als Stipendiaten auf ein College im elitären Cambridge führt. Hier beginnt der spannendste Teil des Buches, der auch am flüssigsten zu lesen ist. Die erstaunliche Lebensgeschichte eines offensichtlich hoch begabten Menschen fesselt den Leser, nicht zuletzt deshalb, weil Stephen Fry bei seinen Schilderungen dieser turbulenten Zeit nichts auslässt.

Auf den ersten Seiten des Buches muss man sich zunächst ein wenig einlesen, denn der Stil des Autors ist gewöhnungsbedürftig. Doch mit zunehmender Seitenzahl zeigt sich Fry als ein Meister des Wortes, der mit blumiger Sprache, aber auch mal mit deftigen Formulierungen zu überraschen vermag. Er bietet in diesem fesselnden Abschnitt einen faszinierenden Einblick in die snobistische akademische Welt der englischen Elite-Universitäten. Die mit Verve vorgetragene Innenansicht des zuweilen für Externe kaum zu verstehenden Mikrokosmos enthält jedoch auch reichlich Selbstironie und Skepsis gegenüber den akademischen Ritualen. Dennoch gesteht Fry mehrfach, dass er ein fanatischer Anhänger, ein Fan im Sinne des Wortes, von Traditionen ist. Seine vielfach betonte Bescheidenheit mischt sich kräftig mit berechtigtem Stolz über die Zugehörigkeit zu dieser abgeschlossenen Kaste.

In die Schilderung seines Lebensweges baut der Autor immer wieder längere Abschweifungen zu bestimmten Themen oder Personen ein. So schildert er ausgiebig seinen erst sehr viel später abgeschlossenen Weg zum Nichtraucher, und seinen Sprung zur Schauspielerei. Zentral ist jedoch seine Schilderung der frühen Bühnen-Affinität. Man könnte fast meinen, sein Weg als Comedian, Schauspieler und Autor sei früh vorgezeichnet gewesen, aber dem ist nicht so. Wären ein paar andere Umstände zusammen getroffen, hätte Stephen Fry genauso gut Lehrer in einer Grundschule werden können, denn dieser zeitweise  nebenberuflich ausgeübte Job hat ihm durchaus auch gefallen.

Es kam dann jedoch ganz anders, denn nachdem er erst einmal den Eingang zu den Theatergruppen in Cambridge gefunden hatte, gab es kein Halten mehr. Fry spielte zeitweise zehn verschiedene Rollen parallel in drei Theatergruppen, die insgesamt sechs Stücke auf die Bühne brachten. Außerdem sammelte er in dieser Zeit erste Erfahrungen als Stücke-Schreiber, ging mit einigen Ensembles auf Tournee und landete frühzeitig bei Fernsehen und Rundfunk. Und nun fängt das Buch an, teilweise recht anstrengend zu werden. Da gehen eindeutig die Pferde mit dem Autoren durch, denn er reiht Namen an Namen, um auch ja alle aufzuzählen, die irgendwann und irgendwo neben und mit ihm auf der Bühne, im Studio oder vor dem Mikrofon gestanden haben. Zeile um Zeile wird dem Leser gnadenlos ein Querschnitt durch die britische Bühnen-, Fernseh- und Rundfunkszene zugemutet.

Stephen Fry ist so nach und nach in ein beeindruckendes   Netzwerk verstrickt worden, zu dem Topstars aus Literatur, Film und Bühne seines Jahrgangs gehören. Er wurde immer wieder mit neuen Aufträgen aller Art zugeschüttet, und irgendwann brauchte er sich auch um Geld keine Gedanken mehr zu machen. Am Ende des Buches ist der Autor noch keine 25 – hat aber offensichtlich einen äußerst intensiven Abschnitt seines Lebens hinter sich gebracht.

Auch wenn man das Buch anfangs mit einer gewissen Skepsis liest, setzt spätestens nach dem ersten Drittel eine eigentümliche Faszination ein. Der schnelle Ritt durch ein wirklich außergewöhnliches Leben ist schillernd und mitreißend, nur seine kaum nachzuvollziehende Besessenheit von Details und Personen geht irgendwann etwas auf die Nerven. Aber dieses unglaubliche Netzwerk ist wohl ein Teil des Erfolgsrezeptes von Stephen Fry. Daneben tragen sein Fleiß, seine Konzentrationsfähigkeit,  Kreativität und der typisch britische Humor ihren Teil bei.

Der Autor präsentiert seinen Lesern einige schonungslose Bekenntnisse zu seinen persönlichen Schwächen und Macken – und am Ende des Buches ist man ein Stück weit überwältigt von diesem Wortorkan.

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