Das Gedächtnis der Libellen

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • München: Luchterhand, 2010, Seiten: 252, Originalsprache

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Kathrin Plett
Zeitreise

Buch-Rezension von Kathrin Plett Nov 2011

Das Gedächtnis der Libellen von Marica Bodrožić. Ein Liebesroman, der sich nahtlos in die Reihe der Erzählungen um gescheiterte Beziehungen einordnen lässt? Nein, eine gängige Romanze ist Bodrožićs Roman sicher nicht, wie sich schnell erkennen lässt.

Nadeshda, die Protagonistin des Romans, befindet sich auf der Reise nach Amsterdam zu ihrem Geliebten Ilja. Was auf den ersten Blick wie eine normale Busfahrt scheint, entpuppt sich schnell als eine Reise ins Innerste ihrer Seele, ihrer Erinnerungen und Gefühle, die sie ihr Leben lang auch vor sich selbst fest verschlossen hatte. Sie beginnt zu realisieren, dass ihre Beziehung zu Ilja keine Zukunft haben wird, ihre Liebe einseitig und unausgeglichen ist, Ilja ihr nie gehören wird, da er an seiner Ehefrau festhält. Nadeshda erinnert sich an den Beginn ihrer Beziehung, ihre Erinnerungen führen sie dabei immer weiter zurück, bis in ihre frühe Kindheit, die sie zunächst noch mit ihren Eltern im Balkan verbrachte, bevor diese in die USA auswanderten und sie bei ihrer Tante zurückließen. Jahre später verließ auch sie ihre Heimat, zog unter anderem nach Paris,  dann nach Berlin, wurde Physikerin, Geliebte Iljas, Mutter Enzos und Freundin Ajetas. Auf der Reise beginnt sie langsam zu realisieren, dass ihr ihre eigentliche Identität völlig fremd ist, ihre eigene Geschichte tief verborgen in ihr liegt. Sie begibt sich auf eine Reise zurück, eine Reise ins Innerste um Antwort zu finden, Antwort auf die Fragte: "Wer bin ich?"

Marica Bodrožić, selbst in Kroatien geboren und erst mit zehn Jahren nach Deutschland gekommen, gelingt mit ihrem Roman eine Erzählung, die es dem Leser ermöglicht, Nadeshda auf ihrer Suche zu begleiten, ihre Gefühle, Gedanken hautnah mitzuerleben. Stück für Stück nähert sich die Protagonistin tief verborgenen, schmerzhaften Erinnerungen, nie verarbeiteten Traumata, die sie in ihrer Kindheit erlebt und gesehen hat, deren Ausmaß sie sich jedoch erst jetzt bewusst wird. Die   Beziehung zu ihrem Vater hat Schatten auf ihr Leben geworfen, nachdem dieser in seiner Heimat Verbrechen begangen hat, die auch Nadeshdas Leben beeinflusst haben,  die sie als Kind jedoch noch nicht in der Lage war zu begreifen. Langsam beginnt sie Zusammenhänge zu erkennen, spürt die schwere Last, die ihr Vater auch auf sie  geladen hat. Sein Hobby, er sammelte und archivierte Libellen in einem Album, als Haupterinnerung gewährt langsam Einblicke ins tiefere Gedächtnis, welches bis zum Zeitpunkt der Reise gut verborgen war. Erinnerungen an Taten ihres Vaters kommen auf, die sie eigentlich vergessen hatte.

Der Autorin schafft es, die Stimmung der Handlung an den Leser weiterzugeben. Man kann förmlich spüren, wie sie die Gedanken an die Grenzen ihrer Erinnerung tragen bis es für den Moment zu viel wird und die Erzählung wieder in die Gegenwart wechselt, Nadeshda Kraft sammelt, um sich weiteren Erinnerungen stellen zu können. Die Liebe zu Ilja entpuppt sich als Flucht vor der Vergangenheit, um in der Gegenwart die Vergangenheit vergessen zu können.

Bodrožićs Roman bietet eine spannende Reise in die menschliche Seele. Marica Bodrožić, die unter anderem Psychoanalyse studiert hat, versteht es, die Verletzlichkeit der menschlichen Seele zu beschreiben. Es gelingt ihr dabei eine Brücke zwischen Roman und Leser aufzubauen und Nadeshda bei ihrem schmerzhaften Prozess zu folgen. Der Leser wird zum Zeuge und kann regelrecht beobachten, wie Nadeshda sich ihrer selbst immer mehr bewusst wird, sich eine Identität schafft und die Vergangenheit loslässt und unabhängig zu werden beginnt.  Sie kämpft gegen ihre familiäre Last und die einengende Liebe, die  immer mehr zur Illusion wird.

Ein einfühlsamer Roman, der in die Tiefe geht. Nicht immer ganz einfach, aber packend und mitreißend, berührend und nachdenklich machend!

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